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Bilanz in Schieflage, Deutsche Bank in Nöten. (Bild: Shutterstock, Graphik: WMG)

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Hat diese Bank noch eine Zukunft?

Die Deutsche Bank in schwerem Fahrwasser. Hausgemachte Probleme, das Erstarken der US-Konkurrenz und hohe Boni lassen die Anleger schier verzweifeln. In mehr als schwierigem Marktumfeld sollte der Börsengang der DWS Entlastung bringen. Die Konzenrtochter startete denn auch knapp über ihrem Ausgabepreis in den Handel. Eigentlich ein Erfolg. Doch der Börsengang geriet schnell wieder zur Nebensache, weil die Aktie der Mutter mal wieder einbrach. Immer mehr Investoren verlieren die Geduld.

Von Oliver Götz

Knapp drei Jahre lang ist John Cryan nun schon Vorstandschef der Deutschen Bank. Wie seine Vorgänger wurde er geholt, um Deutschlands größtes Geldhaus endgültig aus der Krise zu führen und endlich wieder profitabel zu machen. Sein erster Eindruck als CEO der größten deutschen Bank war ein guter. Er schien sich tatsächlich Mühe zu geben, undurchsichtige Rechtstreitigkeiten aufzuklären, Probleme zu erörtern und nach Lösungen zu suchen. Doch mit Blick auf die nackten Zahlen sind die Ergebnisse seiner Amtszeit nicht nur ernüchternd – nein, sie sind eine mittelschwere Katastrophe. Und die umstrittenen Bonuszahlungen an Mitarbeiter des Hauses, die immerhin zehnmal so hoch sind wie das, was an die Aktionäre ausgeschüttet wid, tragen ebenfalls nicht zur Verbesserung der Stimmungslage bei.

Seit Cryans Amtsantritt hat sich der Kurs der Deutschen Bank-Aktie halbiert. Seit drei Jahren schreibt das einst so stolze Geldhaus Verluste. 6,8 Milliarden Euro im Jahr 2015, 1,4 Milliarden 2016, 735 Millionen 2017. Im Handel mit Anleihen, Devisen und Derivaten halbierten sich die Erträge auf 4,4 Milliarden Euro. Der Abstand zu den Banken jenseits des Atlantiks wird immer größer. JPMorgan, die Citigroup oder Goldman Sachs: sie alle schreiben längst wieder schwarze Zahlen, fahren Rekordgewinne ein. Die Finanzkrise von 2008 scheint vergessen, nur die Deutsche Bank bekommt das Verlustgespenst einfach nicht raus aus ihren schicken Frankfurter Zwillingstürmen.

2007, also kurz vor Ausbruch der Krise, bekam man für eine Aktie der Bank noch 92 Euro. Nach dem Stand von Freitag, sind davon nur noch rund 11,30 Euro übrig. Zwischenzeitlich war sie sogar auf 11,04 Euro gefallen und damit auf den tiefsten Stand seit Herbst 2016 – damals wurde das bisherige Rekordtief von 8,83 Euro aufgestellt. Seit Beginn des Jahres steht ein Verlust in Höhe von 30 Prozent zu Buche. Nun war 2018 bislang generell kein besonders freundliches Jahr mit Blick auf steigende Aktienkurse, Anleger können ein trauriges Lied davon singen. Die überaus miserable Performance der Deutschen Bank aber toppt derzeit DAX-weit bei weitem kein anderes Papier.

Hauptgrund für die erneuten Einbußen war eine Gewinnwarnung im Investmentbanking aufgrund des starken Euro und höheren Refinanzierungskosten in Höhe von 450 Millionen Euro fürs erste Quartal des laufenden Jahres. Nicht wenige Analysten hatten eigentlich mit einem soliden Start ins neue Jahr gerechnet, dementsprechend enttäuscht fielen die Reaktionen aus. „Eine erneute Strategiedebatte ist aus unserer Sicht zu diesem Zeitpunkt angesichts der mittlerweile überstrapazierten Geduld der Anleger unausweichlich“, zeigte sich beispielsweise Independent Research-Analyst Tim Rießelmann wenig begeistert von den erneuten negativen Nachrichten. Sein Kursziel senkte er in der Folge auf elf Euro. Es sei damit zu rechnen, dass sich die Stimmung bezüglich der Aktie weiter eintrübe, das Vertrauen in die Bank nehme nochmals ab.

Andrew Coombs, Analyst  bei der Citigroup, setzte sein Kursziel mit 8,60 Euro sogar noch niedriger und sogar leicht unter dem bereits erwähnten Allzeittief an. Ob die Bank die richtige Strategie fahre, sei nicht mehr sicher, schrieb Coombs. Die Erosion der Erträge würde schneller vonstattengehen als die Reduzierung der Kosten. Immer noch konzentriert sich die Bank auf das Investmentbanking, doch genau da schwächelt man, kann mit der US-Konkurrenz schon lange nicht mehr mithalten. Insbesondere der Handel mit Anleihen, Währung und Rohstoffen hat schon deutlich bessere Zeiten gesehen. Im deutschen M&A-Bereich ist man zudem nicht mehr automatisch Ansprechpartner Nummer eins. Und dann sind da natürlich noch die niedrigen Zinsen, worunter die europäischen Banken im Allgemeinen leiden. Sich darüber zu beschweren hilft aber nicht weiter.

Anleger und Investoren verlieren langsam die Geduld, wollen endlich positive Ergebnisse sehen oder zumindest eine Strategie, die Besserung verspricht. Verliert man noch weiter Anschluss an die internationale Konkurrenz, könnte es im Investment-Sektor schwierig werden überhaupt noch eine Art Wettbewerbsfähigkeit aufrecht zu erhalten. Immerhin der DWS-Börsengang darf wohl als Teilerfolg verbucht werden. Nicht zuletzt für John Cryan. Damit wurde endlich mal ein Plan vergleichsweise erfolgreich in die Tat umgesetzt. Mit einem Wert von 32,55 Euro starteten die DWS-Aktien am Freitag leicht über ihrem Ausgabepreis. Im Tagesverlauf stiegen die Papiere sogar noch ein bisschen höher, auf 32,78 Euro. In einem mehr als schwierigen Marktumfeld stand damit am Ende ein Plus von 0,64 Prozent auf der Anzeigetafel. Auch wenn sich Cryan und Co. ursprünglich einen Ausgabepreis in Höhe von 36 Euro erhofft hatten, darf das Börsendebüt der Tochter damit als geglückt gelten und spülte 1,4 Milliarden Euro in die Konzernkasse.

Wie es weitergeht, steht allerdings in den Sternen. Die Probleme der Mutter könnten an der Börse in Zukunft auch die Tochter belasten. Und um die Mutter macht man sich an der Börse derzeit offensichtlich sehr große Sorgen. Die Frage, ob und welche Zukunft die Bank eigentlich noch hat, müssen sie sich in Frankfurt einmal mehr gefallen lassen. Und ob sich John Cryan auch noch ein viertes Verlustjahr in Folge leisten kann, ist gleichfalls eine gute Frage.

23.03.2018 | 18:36

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