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Reinhard Schlieker (Bild: ZDF)

Soll und Haben: welcher Turm ist höher? (Bild: Deutsche Bank AG)

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Die langsame Wende eines Tankers

Nach Jahren des Umbaus, zeitweise erinnerte es an ein Schlingern, scheint der Riesentanker Deutsche Bank den Bug in die richtige Richtung zu drehen. Das war bei Vorlage der Halbjahreszahlen das, was die Investoren und Freunde des Hauses stimmungsmäßig über Wasser hielt. Kurzzeitig stieg der Wert der Aktie auf fast 17 Euro, um dann doch wieder in den Bereich um die 15 Euro zu sinken.

Von Reinhard Schlieker

Die Ertragszahlen des größten deutschen Geldhauses spiegeln die Misere am gesamten Finanzmarkt, den die Deutsche Bank vornehm als „ruhig“ bezeichnete. Wenig Aktivität, kaum Zinsertragsmöglichkeiten, das Investmentbanking noch nicht wieder da, wo es vor Krisen und Verwerfungen war. Wenn man dahin überhaupt zurückwill – denn da war ja viel, das glänzte, und darunter nur wenig Gold. Beim Emissionsgeschäft ist die Deutsche Bank allerdings von fremden Mächten abhängig – läuft es gut, wird man seinen Anteil am Kuchen schon gewinnen können.

Läuft es dagegen schlecht, muss man um jedes Prozent kämpfen und kann nur mit internen Kostensenkungen gegensteuern.  Und das ist es, was sie tut – eine Art Spar-Kasse ganz eigener Art in den Frankfurter Zwillingstürmen. Angesichts eines Rückgangs der Erträge im zweiten Quartal, wo man doch Stabilität in Aussicht gestellt hatte, tut eine Erklärung not: Wie will man die seltsame Verfassung der Zinswelt, des billigen Geldes, notfalls in die Geschäftsmodelle integrieren? Trotz mancherlei Raunen aus der Frankfurter EZB gehen Fachleute davon aus, dass eine spürbare Zinswende erst in der ersten Hälfte der zwanziger Jahre kommen wird. Das ist eine lange Frist, in welcher tunlichst nicht erneut Banken in Schieflagen geraten sollten oder durch weitere teure Rechtstreitigkeiten jenes Geld ausgeben müssen, das man zur Entwicklung eines Geschäftsmodells nun mal braucht. Insofern dürfte es die Aktionäre immer noch schmerzen, dass ihre Milliarden in Form von Kapitalerhöhungen der letzten Jahre weitgehend in den Kassen von Anwälten oder Bußgeldbehörden verschwunden sind.

Nun ist die aktuelle Strategie der Bank noch recht neu, die Altlasten mussten erst einmal abgearbeitet werden und John Cryan strahlte in den letzten Jahren immerhin so viel Zuversicht aus, dass es ruhiger wurde um die Bank. Auch der Stellenabbau kommt voran, die notwendigen Filialschließungen und die Neuorganisation der Zuständigkeiten in den Niederlassungen scheinen ohne neue Tumulte abzulaufen. Eines allerdings geschah jüngst wieder, was nach einem alten und offenbar unausrottbaren Muster des Hauses aussieht: Die Schlagzeilen betrafen wieder einmal Überlegungen der Bank, Kundengruppen umzusortieren, diesmal Millionäre betroffen: Aus dem exklusiven Club der besonders vermögenden Privatkunden sollten „einfache“ Millionäre ins „Massengeschäft“ abgeschoben werden.

Auch wenn die Deutsche Bank abstreiten würden, dass sie Massengeschäft überhaupt betreibe, so entstand doch wieder einmal der Eindruck, man widme sich der Kundschaft, auch der betuchten, weniger mit Hingabe als vielmehr mit dem Rechenschieber. Vor Jahr und Tag war es die Bank 24, wohin man Kunden schob, es gab weitere Umsortierungen, immer begleitet von kritischen Berichten. Irgendwann könnte man doch einmal lernen, dass dieser Umgang nicht angemessen ist. Zumal es viele Bankhäuser in Deutschland gibt, die simple Millionäre sehr gern umgarnen. Selbstgemachter Kundenfrust konterkariert die ansonsten mühsamen Besserungen der Bank, und man ist ganz allein schuld.

01.08.2017 | 19:20

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