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Helmut Gassel, CMO der Infineon AG (Bild: Infineon)

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Erhard-Gipfel: Infineon-Vorstand mahnt technischen Fortschritt an

Auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel in Rottach-Egern am 20. Januar 2017 trat der CMO der Infineon AG, Helmut Gassel auf – als einer der wichtigen Impulsgeber für 2017, die sich im Geist Ludwig Erhards am Tegernsee eingefunden hatten. Er beschwor den technischen Fortschritt, die Qualitäten des Standorts Deutschland und gab im Interview höchst optimistische Prognosen für sein Unternehmen, die im DAX notierte Infineon AG.

Herr Gassel, sehen Sie die Gefahr, dass die Digitalisierung zu einem politischen Streitthema wird?

Zunächst ist es wichtig, die Chancen zu ergreifen, die die Digitalisierung gerade auch für den Standort Deutschland und viele unserer innovativen Unternehmen bietet, und sie nicht als Schreckgespenst darzustellen. Denn es besteht die Gefahr, dass versucht wird, vermeintliche Verlierer und Gewinner gegeneinander auszuspielen. Dem müssen Politik und Wirtschaft klar entgegenwirken. Der technische Fortschritt sichert Arbeitsplätze, wenn er mit entsprechenden Qualifizierungen einhergeht.

Welche Chancen bietet denn die Digitalisierung?

Ein wichtiger Aspekt ist das Thema Industrie 4.0. Die nächste Stufe der Digitalisierung ermöglicht die Vernetzung von Wertschöpfungsstufen in Echtzeit. Produktionsprozesse werden schneller, effizienter und flexibler und damit insgesamt wettbewerbsfähiger. Das versetzt die deutsche Industrie in die Lage, Produkte schneller auf den Markt zu bringen und gleichzeitig individueller zu fertigen. Maßgefertigt und industriell produziert ist dann kein Gegensatz mehr. Industrie 4.0 eröffnet völlig neue Geschäftsmodelle.

Welchen Beitrag leistet denn Infineon zur Digitalisierung?

Dafür müssen wir realisieren, was die nächste Stufe der Digitalisierung bedeutet: die Verbindung der realen mit der digitalen Welt. Viele sprechen auch vom Internet der Dinge. Bei dieser Verbindung geht nichts ohne Halbleiter. Sensoren erfassen Informationen aus der analogen Welt und setzen sie in digitale Werte um, Leistungshalbleiter wandeln digitale Befehle in mechanische Aktionen. So wird die Interaktion zwischen realer und digitaler Welt überhaupt erst möglich. Elektronische Sicherheitsbausteine schützen den Datenaustausch vor unbefugtem Zugriff und sichern sensible Daten. Unsere Industrie – also die Mikroelektronik – ist damit ein Schlüssel für den weiteren Erfolg der deutschen Wirtschaft.

Wo sehen Sie die besonderen Stärken des Industriestandorts Deutschland?

Die deutsche Industrie verfügt über eine jahrzehntelange Kompetenz im Bereich Maschinenbau und Erfahrung in der industrieller Fertigung sowie der Beherrschung komplexer Systeme. Nehmen wir das Beispiel Automobilproduktion: Über mehrere Wertschöpfungsstufen hinweg produziert ein Netzwerk von Zulieferern hochwertige Produkte mit einer Vielzahl von anspruchsvollen mechanischen und elektronischen Komponenten. Die globale Produktion mit weltweit vernetzten Wertschöpfungsketten eröffnet neue Perspektiven.

Das Jahr hat ja gerade erst begonnen. Was erwarten Sie für 2017?

Die gesamtwirtschaftlichen Aussichten sind eher moderat. Für Deutschland rechnen die führenden Wirtschaftsinstitute mit Wachstumsraten von unter zwei Prozent. In wichtigen Regionen der Welt herrscht Unsicherheit. Bei einigen Fragen wie Brexit oder der Entwicklung in den USA werden wir im Laufe dieses Jahres vielleicht etwas klarer sehen. Bei allen Unwägbarkeiten: Für unser Unternehmen Infineon bin ich optimistisch. Wir werden gebraucht für die Trends der Zukunft: autonomes Fahren und Elektromobilität, die Erzeugung regenerativer Energien und effiziente Stromnutzung, mobile Kommunikation und Datensicherheit. Ich gehe davon aus, dass wir in diesem und in den kommenden Jahren überproportional wachsen werden.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Dr. Helmut Gassel ist Mitglied des Vorstands und Chief Marketing Officer der Infineon Technologies AG.

23.01.2017 | 15:51

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