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Dr. Ulrich Stephan (Bild: Deutsche Bank)

Mehr Geld, bessere Kurse? (Bild: Fotolia / M. Schupprich)

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Europäische Banken: höhere Kreditvergabe, höhere Aktienkurse?

Die Eurozone präsentiert sich wirtschaftlich gesehen seit einiger Zeit in verbesserter Verfassung. Niedrige Zinsen und intakte Konjunkturdaten sorgen in den europäischen Firmenzentralen für gute Stimmung und treiben unter anderem deren Investitionsbereitschaft. So legten die Ausgaben für langfristige Anlagegüter von Unternehmen aus dem breit aufgestellten EuroStoxx50 zuletzt das 15. Quartal in Folge zu. Das hat eine gewisse euphorische Wirkung auf Bankaktien.

Von Ulrich Stephan

Zu den Profiteuren dieser Entwicklung zählen unter anderem die Banken der Eurozone. Denn wo mehr investiert wird, werden in der Regel auch mehr Kredite nachgefragt. In den Monaten Mai, Juni und Juli betrug das Plus an Unternehmenskrediten in der Währungsunion jeweils 2 Prozent und mehr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Noch größer war der Zuwachs im privaten Bereich: Das Volumen von Konsumentenkredite lag in den drei Beobachtungsmonaten jeweils rund sechs Prozent höher als im Vorjahreszeitraum.

Da Banken einen Großteil ihres Gewinns dadurch erzielen, dass sie Kapital kurzfristig zu vergleichsweise niedrigen Zinsen aufnehmen und es langfristig zu höheren Zinsen verleihen, schlägt sich der Anstieg der Kreditvergabe direkt in den Unternehmenszahlen nieder: In der Berichtssaison zum zweiten Quartal 2017 konnten rund 70 Prozent der Finanzinstitute in der Eurozone mehr Gewinn und Umsatz erwirtschaften als von den Analysten prognostiziert. Insgesamt konnten die europäischen Banken ihre Gewinne im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um neun Prozent steigern.

Temporäre Kursrücksetzer

Dass trotz der guten Geschäftszahlen in den Sommermonaten auch bei europäischen Bankaktien fallende Kurse zu beobachten waren, dürfte seinen Grund in erster Linie in der allgemein schlechteren Lage an den Kapitalmärkten gehabt haben. Ausschlaggebend für die getrübte Stimmung waren unter anderem der schwelende Nordkorea-Konflikt sowie Enttäuschungen hinsichtlich der US-Wirtschaftsentwicklung im ersten Halbjahr 2017. Zumindest hier scheint sich die Wachstumsdynamik der USA nach zuletzt positiven Konjunkturdaten wieder zum Besseren zu wenden.

Für die kommenden Monate sieht die Deutsche Bank für Finanztitel der Eurozone wieder spürbares Aufwärtspotenzial. Insbesondere der erwartete Anstieg des Zinsniveaus – getrieben durch eine langsam auslaufende, expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und steigende Zinsen in den USA – dürfte sich positiv auf die Gewinne der Banken auswirken. Denn je höher die Zinsen, desto höher die Nettozinsmarge, also vereinfacht gesprochen der Unterschied zwischen dem was die Banken für Kredite bezahlen und dem was sie über Kredite einnehmen.

Geschäftsaussichten weiterhin positiv

Entsprechend der guten Aussichten liegen auch die Gewinnerwartungen auf hohem Niveau und über den Schätzungen für den breiten Markt: Für 2017 und 2018 wird mit Zuwächsen bei den Erträgen von 13,1 und 10,9 Prozent gerechnet. Besonders positiv: Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren haben die Analysten ihre Gewinnprognosen zuletzt Monat für Monat nach oben korrigiert. In einem insgesamt interessanten europäischen Aktienmarkt könnten Bankaktien damit auch im weiteren Jahresverlauf zu den stärkeren Sektoren zählen. Wobei Anleger insbesondere die Geldpolitik der bedeutenden Notenbanken sowie die weiteren konjunkturellen Entwicklung in der Eurozone stets genau im Blick behalten sollten.

Dr. Ulrich Stephan ist Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank.

10.09.2017 | 22:59

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