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(Bild: Fotolia / fontriel)

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Hidden Champions der digitalen Revolution

Fast unbemerkt von der Aufmerksamkeit der Technikjünger findet vor unserer Haustür eine kleine Sensation statt. Denn visionäre Technologieunternehmen sind nicht nur im Silicon Valley, sondern auch in Europa zu finden. Gerade im Halbleiterbereich sind europäische Unternehmen führend und gestalten die neuen Technologie-Trends im privaten und industriellen Bereich mit. Für Anleger ergeben sich daraus auch hierzulande interessante Möglichkeiten.

Von Anis Lahlou-Abid

In den fast 20 Jahren, die nach dem Höhepunkt und Platzen der Internetblase vergangen sind, galt das Silicon Valley gemeinhin als das Epizentrum führender Forschung und Entwicklung. Europas Technologiesektor blieb in den letzten beiden Jahrzehnten im Schatten der neuen Technologie-Giganten. Dabei sind vor allem europäische Unternehmen im Halbleiterbereich zu einer treibenden Kraft für das „Internet der Dinge“ (Internet of Things, IoT) und die Industrie 4.0 geworden.

Im Grunde geht es beim IoT um die Verbindung von Geräten über das Internet, damit diese mit uns und untereinander kommunizieren können. Das IoT lässt sich am besten als das „virtuelle“ Nervensystem der Welt beschreiben. Künftige Versionen des IoT bedürfen zunehmend der Technologie von 3D-Sensoren – und damit von Halbleitern – um zu funktionieren. Diese intelligenten Sensoren sind wie die „Augen“ des IoT. Sie sammeln Daten und schicken diese zur Filterung, Verarbeitung und Analyse an die Cloud. Unseres Erachtens befinden wir uns kurz vor einer revolutionären Entwicklung, und die nächste Generation von Smartphones könnte diesen Wandel vorantreiben. Das neue iPhone 8 liefert dazu interessante Einblicke. Das Modell arbeitet mit einer Gesichtserkennung („Face ID“) auf Basis von 3D-Sensoren und könnte eine Reihe von neuen Technologien, wie beispielsweise die „Erweiterte Realität“ (Augmented Reality), befeuern. Im nächsten Schritt könnte der Smartphone-Nutzer beispielsweise mit seinem persönlichen 3D-Körper-Modell einen virtuellen Umkleideraum betreten und dort Kleidung anprobieren.

Die beschleunigte Einführung dieses neuen digitalen Ökosystems ist ein globaler Trend. Untermauert wird dieser von europäischen Halbleiterunternehmen wie beispielsweise ams AG und STMicroelectronics. Sie stellen integrierte 3D-Sensoren her, konvertieren die von den Sensoren empfangenen Daten und machen diese lesbar. Beide Unternehmen sind gute Beispiele dafür, wie europäische Halbleiterunternehmen derzeit das IoT vorantreiben.

Die nächste digitale Revolution: Industrie 4.0

Wir erwarten in den kommenden Jahren eine weitere Beschleunigung des IoT aufgrund von Produktivitätszuwächsen im Industriesektor. So dürfte Industrie 4.0 nach Computern und Automatisierung die nächste industrielle Revolution darstellen. Vorstellbar sind in diesem Zusammenhang „intelligente“ Fabriken, in der alle Maschinen untereinander und mit dem Internet verbunden sind. Sensoren überwachen die gesamte Produktionskette und können frühzeitig Anlagenausfälle vorhersagen. Zudem sind sie in der Lage, umgehend verbesserte Ersatzteile mit einem 3D-Drucker auszudrucken und dann solche Teile sofort einzubauen, womit sich kostspielige Ausfallzeiten vermeiden lassen. Diese neue Technologiewelle geht ganz wesentlich von europäischen Halbleiterunternehmen aus.

Der Blick auf das, was üblicherweise als Technologiesektor bezeichnet wird, wird sich in Zukunft nachhaltig verändern. Denn mittlerweile weist nahezu jeder Industrie- oder Dienstleistungssektor eine starke Technologiekomponente auf. So gibt es im Kfz-Sektor inzwischen Elektrofahrzeuge, im Bankwesen wird Finanztechnologie eingesetzt, bei den Investitionsgütern ist es die Industrie 4.0 und im Materialsektor wird sich die Technologie des 3D-Drucks weiter ausbreiten. Heutzutage ist der Zielmarkt für Technologieunternehmen überall und weltweit. Das macht „Tech“ zur breitesten verfügbaren Anlagekategorie.

Die Konvergenzbewegungen zwischen einzelnen Sektoren nehmen fortwährend zu. Der Technologiesektor und der herkömmliche Einzelhandel haben diese Konvergenzbewegung – ein Prozess, der vor über zehn Jahren begann – bereits vollzogen. Amazon, eine Erfolgsgeschichte des Internetbooms, hat sich zu einem Einzelhändler entwickelt: Das Unternehmen verfügt inzwischen auch über physische Ladenflächen. Im Gegenzug haben die meisten klassischen Einzelhändler mittlerweile eine Online-Präsenz. Andere Sektoren folgen dieser Entwicklung. So drängt sich bei Tesla die Frage auf, ob es ein Automobil- oder ein Technologieunternehmen ist.

Technologiesektor weitgehend unabhängig

Das Wachstum von Technologieunternehmen verläuft strukturell und nicht zyklisch. Das heißt, dass es im Technologiesektor unabhängig von der Wirtschaft immer strukturelle Wachstumskandidaten geben wird. Es werden laufend neue Produkte entwickelt und auf den Markt gebracht, die bisherige Marktführer verdrängen. Im Vergleich zur Jahrtausendwende, als die Bewertungen vieler Tech-Unternehmen eher auf Hypothesen beruhten, sind die aktuellen Gewinne von Technologieunternehmen real. Angesichts ihrer derzeitigen Höhe und aufgrund des Umfangs, in dem Technologieprodukte dank des IoT eingeführt werden, erscheinen KGVs mit einem Wert von 20 daher nicht überzogen.

Sicherlich wird die Musik für den Technologiesektor immer hauptsächlich im Silicon Valley spielen. Doch auch in Europa sind einige der global führenden Unternehmen beheimatet und deren wirtschaftlicher Erfolg bleibt von makroökonomischen Entwicklungen größtenteils unberührt. Unternehmen wie ams AG und STMicroelectronics, die globale Player wie Apple beliefern und das IoT vorantreiben, bleiben oftmals unbeachtet, da sie nicht konsumentennah sind und nicht über bekannte eigene Marken verfügen. Sie werden von Analysten in der Regel nur unzureichend abgedeckt. Anlegern könnte daher durchaus etwas entgehen, wenn sie auf der Suche nach geeigneten Investments diese Chancen außen vor lassen.

Anis Lahlou-Abid ist Portfoliomanager des JPMorgan Funds Europe Dynamic Technologies Fund (WKN Anteilklasse A-dist EUR – 926444).

27.10.2017 | 01:04

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