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Zum Beispiel Kupfer: Handwerk und verarbeitendes Gewerbe wissen, wo das Problem liegt, denn von schwankenden Preisen die Rede ist. (Bild: Fotolia / 3desc)

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Beim Einkauf die Volatilität austricksen

Zum Beispiel Kupfer: Wer beruflich mit diesem Metall zu tun hat, stöhnt über die aktuellen Preisschwankungen. Investoren dagegen freuen sich. Warum sollten sich nicht auch kupferverarbeitende Betriebe in die Lage versetzen, große Volatilitätspannen zu ihrem Vorteill zu nutzen? Beim Finetrading zum Beispiel finanziert ein Zwischenhändler den Einkauf vor – und sichert Liquidität. Ein smarter Mechanismus, erklärt am Beispiel des letzthin wieder äußerst volatil tendierenden Metalls Kupfer.

Von Dirk Oliver Haller

Timing ist alles. Das gilt vor allem an der Börse. So kaufen Unternehmen, die Metalle verarbeiten, oft in verhältnismäßig kleinen Zeiträumen große Mengen an Industriemetallen wie Aluminium, Kupfer oder Zink ein. Je besser die Wirtschaft läuft, desto größer die Nachfrage nach den Metallen – und desto teurer der Preis. Gerade jetzt könnte der Einstieg günstig sein. So ist der Kupferpreis in den vergangenen Jahren regelrecht eingebrochen. Vor fünf Jahren kostete eine Tonne des roten Metalls noch rund 8.500 US-Dollar. Heute sind es nur noch 6.000 Dollar. Im Zuge der anziehenden Konjunktur zeigt der jüngste Trend wieder nach oben. So teuer wie derzeit war Kupfer seit Mitte 2015 nicht mehr.

Der Kupferpreis sprang jüngst an, nachdem die Arbeiter der weltgrößten Kupfermine, die sich in Escondida in Chile befindet, in den Streik getreten sind. Mitte Februar kletterte er sogar bis auf 6.160 Dollar je Tonne. Da in der zweitgrößten Kupfermine der Welt, Grasberg in Indonesien, ebenfalls Förderausfälle wegen Problemen mit der Exportlizenz und Streiks drohen, bestand die Sorge, ein geringeres Angebot treffe auf größere Nachfrage, wie Finanzen.net berichtet. Doch schon die Nachricht, dass sich Vertreter der chilenischen Minenarbeiter und des britisch-australischen Bergbaukonzerns BHP Billiton zu Gesprächen treffen wollten, genügte, um den Preis gen 6.000 Dollar sinken zu lassen.

Für kupferverarbeitende Firmen sollte es daher heißen: Kaufen solange es günstig ist. Doch gibt es oft ein naheliegendes Problem: die fehlende Liquidität. Trotz anhaltender Niedrigzinsen ist es für viele Unternehmen schwierig, ihren Wareneinkauf flexibel und günstig zu finanzieren. Angesichts der strengeren Eigenkapital- und Liquiditätsregeln – Stichwort Basel II und Basel III – halten sich viele Banken bei deren Finanzierung zurück. Erste Firmen setzen daher auf Finetrading.

Die Aussichten für Kupfer haben sich gedreht

Wie sollen rohstoffverarbeitende Unternehmen derzeit planen? Für den Kupfermarkt war 2017 ein Angebotsüberschuss erwartet worden. Durch die zu befürchtenden Förderausfällen könnte daraus schnell ein Angebotsdefizit werden. „Allerdings hat der Markt auf dem derzeitigen Niveau ein entsprechendes Szenario weitestgehend eingepreist", sagt Achim Wittmann, Rohstoffanalyst bei der LBBW, dem Portal Finanzen.net. Zudem hätten sich sehr viele Investoren für weiter steigende Kurse positioniert, die Wahrscheinlichkeit einer Preiskorrektur sei folglich hoch, und die scheint überfällig, nachdem der Kupferkurs im November in die Höhe geschnellt ist. Haupttreiber waren dabei die von Donald Trump angekündigten Investitionen in die US-Infrastruktur; damit wäre, wenn diese kämen, eine größere Nachfrage nach Kupfer verbunden. Zugleich gibt es positive Konjunkturindikatoren aus China; der fernöstliche Industrieriese steht für die Hälfte des globalen Kupferverbrauchs.

Finetrading ist eine Einkaufsfinanzierung ist hierzulande noch nicht besonders bekannt – obwohl sie einfach zu verstehen ist und große Vorteile bietet. Es handelt sich um eine bankenunabhängige Finanzdienstleistung für Unternehmen, die Waren und Rohstoffe für ihre Produktion oder Leistungserbringung benötigen. Hierbei tritt der Finetrader als Zwischenhändler auf und finanziert die verhandelte Bestellung vor. Fintetrading macht Firmen zahlungskräftiger. Und der Lieferant, der die Ware an den Einkäufer liefert, profitiert vom Wegfall des Zahlungsrisikos, da der Finetrader umgehend die Ware für den Einkäufer bezahlt. Der Fintetrader gewährt dem Unternehmen für die Rückzahlung einen Zeitraum von bis zu 150 Tagen. Dafür erhebt er eine Gebühr, die von der Bonität des Einkäufers und der Dauer der Nutzung abhängt.

Die Vorteile für alle Beteiligten liegen auf der Hand: Der Käufer entlastet seine liquiden Mittel. Er nutzt die gewonnene Rückzahlungszeit, um Umsätze zu generieren. Der Lieferant braucht sich um die Bonität des Käufers keine Sorgen zu machen, da der Zwischenhändler (Finetrader) unmittelbar nach der Warenlieferung die Rechnung für den Einkäufer bezahlt. Dadurch verbessert sich im Übrigen auch die Verhandlungsposition des Käufers gegenüber dem Lieferanten. So können Unternehmen gegenüber ihren Lieferanten als Sofortzahler auftreten und Skonto in Anspruch nehmen. Der Finetrader vereinnahmt für die Vorfinanzierung eine Gebühr, Firmen können aber über die Einkaufsfinanzierung ihre Waren genau dann bestellen, wenn sie entweder produzieren wollen oder wenn der Preis günstig ist. Es geht jedoch erst dann ans bezahlen, wenn bereits Umsatz erzielt ist.

Für die Metallbranche bedeutet das: Rohstoffe kaufen, solange sie bezahlbar sind. Beim Kupfer sind führende Analysten derzeit jedoch der Meinung, dass der Kupferpreis eher sinkt. Der Grund: sie rechnen mit einer Verzögerung des von Donald Trump angekündigten Konjunkturprogramms, ja, dessen kompletter Ausfall wird sogar für möglich gehalten. Doch nicht nur für den Rohstoffhandel gilt: Trump ist immer für eine Überraschung gut.

Dirk Oliver Haller ist Gründer und Vorstand der DFT Deutsche Finetrading AG.

01.03.2017 | 13:42

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