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Infrastruktur ist unverzichtbar, und der Staat ist ein guter Schuldner: A 72 bei Wilkau-Haßlau (Bild: Youtube)

Rainer Fritzsche (Bild: Ovid Partners)

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Infrastruktur: ein sicheres Investment

Marode Brücken und Straßen, kaputte Schulen und Kindergärten sowie zum Teil völlig unzureichende Versorgungsnetze – die westlichen Industriestaaten haben jahrzehntelang aus der Substanz ihrer Infrastruktur gelebt. Gleichzeitig müssen die Schwellenländer massiv in ihre Infrastruktur investieren, um ihr Wirtschaftswachstum zu gewährleisten. Anlegern bieten sich dadurch attraktive Investitionschancen.

Von Rainer Fitzsche

Allein in Deutschland gibt es rund 2.500 sogenannte Problembrücken. Diese befinden sich in einem derart schlechten Zustand, das die zulässige Höchstgeschwindigkeit beziehungsweise das Fahrzeuggewicht reduziert werden müssen. LKWs und PKWs stehen im Stau oder müssen kilometerlange Umwege fahren. Die volkswirtschaftlichen Schäden sind erheblich. In den USA und anderen westlichen Staaten befindet sich die Infrastruktur in einem noch deutlich schlechteren Zustand als in Deutschland.

Jahrelang wurde viel zu wenig Geld in die Erneuerung und den Ausbau der Verkehrs- und Versorgungsnetze investiert. Der Investitionsstau ist gewaltig. In den Schwellenländern ist der Investitionsbedarf ebenfalls beträchtlich. In Indien, China & Co. müssen regelmäßig Fabriken die Produktion einstellen, weil es keinen Strom gibt. Gleichzeitig sind die Bahn- und Straßennetze völlig überlastet.

Weltweit belaufen sich die Investitionen in Transportwege sowie Strom-, Wasser-, Gas- und Telekommunikationsnetze pro Jahr auf 2,5 Billionen Dollar - so das McKinsey Global Institute (MGI). Hört sich viel an, ist es aber nicht. Nur um das gegenwärtige Wirtschaftswachstum sicherzustellen, wären nach McKinsey-Schätzungen jedes Jahr 3,3 Billionen Dollar notwendig. Die Investitionen müssten weltweit um rund ein Drittel aufgestockt werden. In den kommenden 15 Jahren summiert sich der Bedarf laut MGI auf knapp 50 Billionen Dollar. Die Citigroup kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Sie rechnet sogar mit fast 60 Billionen Dollar, die es in den kommenden 15 Jahren in die weltweite Infrastruktur zu investieren gilt.

Investitionsstau eröffnet Anlagechancen

Angesichts dieser enormen Beträge und der bereits heute zu stark verschuldeten Staatshaushalte ist klar, dass die notwendigen Investitionen zum Teil auch von der Privatwirtschaft geschultert werden müssen. Für Anleger ergeben sich daraus höchst attraktive Anlagechancen.

Generell sind Investitionen in Infrastruktur weitgehend unabhängig von Konjunkturzyklen. Vereinfacht gesagt müssen die Menschen auch dann heizen oder zur Arbeit fahren, wenn die Wirtschaft einmal etwas langsamer wächst. Außerdem verfügen Infrastrukturinvestitionen über eine hohe Wertbeständigkeit. Beispielsweise werden Konzessionen für Mautstraßen oder Bahntrassen in der Regel für mehrere Jahre vergeben. Ein Totalverlust ist sehr unwahrscheinlich, vielmehr erhalten Investoren einen regelmäßigen Cashflow, was bei entsprechenden Investments für eine geringe Volatilität sorgt.

Für Anleger gibt es eine Reihe unterschiedlicher Vehikel, um in Infrastruktur zu investieren. Direktinvestments kommen aufgrund der hohen Investitionssummen eigentlich nur für institutionelle Anleger wie Versicherungen oder Pensionskassen infrage. Auch Private Equity, also nicht börsennotierte Beteiligungen, sind für Privatanleger kaum geeignet. Zum einen sind auch hier größere Beträge erforderlich – meistens ist Private Equity erst ab mehreren tausend Euro möglich. Zum anderen ist das Geld jahrelang gebunden, weil die Anteile nicht gehandelt werden.

Für private Anleger sind Aktien am gängigsten. Diese werden börsentäglich gehandelt und können auch mit überschaubaren Beträgen erworben werden. Typische Infrastruktur-Aktien sind zum Beispiel Hapag-Lloyd oder Liberty Global. Bei Hapaq-Lloyd (WKN HLAG47) handelt es sich um die weltweit viertgrößte Linienreederei. Liberty Global (WKN A1W0FN) ist die Mutter von Unity Media, die in Deutschland 12,5 Millionen Haushalte mit Internet, Telefon und Kabelfernsehen versorgt. Von beiden Unternehmen gibt es auch Anleihen, die sich durch hohe Coupons auszeichnen und deutlich weniger als die entsprechenden Aktien schwanken.

Auf niedrige Ausfallraten achten

Gerade in High Yield Bereich bieten Anleihen-Emittenten attraktive Verzinsungen von fünf, sechs oder sogar noch mehr Prozent pro Jahr. Hintergrund ist, dass der Geldbedarf von privaten Infrastrukturunternehmen und damit ihre Verschuldung regelmäßig hoch sind, was zu schwachen Ratings führt. Tatsächlich sind aber aufgrund der stabilen und gut planbaren Barmittelzuflüsse die Ausfallraten extrem gering. Anleihen haben allerdings häufig den Nachteil, dass sie häufig nur in großen Stückelungen von beispielsweise 100.000 Euro angeboten werden, da sich dadurch die Emittenten einen Verkaufsprospekt sparen können.

Um das Einzelwertrisiko zu reduzieren kommen schließlich Fondslösungen infrage. Bekannte Infrastrukturaktienfonds sind beispielsweise der Deutsche Invest Global Infrastructure (WKN DWS0Q2), der First State Global Infrastructure (WKN A0QYLC) oder der Partners Group Listed Infrastructure (WKN A0KET4). Vor gut zwei Jahren hat zudem die OVIDpartner GmbH den ersten und bislang einzigen Infrastrukturanleihenfonds, den OVID Infrastructure HY Income (WKN A112T9), aufgelegt. Dieser verspricht eine jährliche Ausschüttung von 3,5 bis fünf Prozent.

Interessant ist schließlich die Kombination aus einem breit gestreuten Aktien- und Anleihenportfolio. Dadurch lassen sich mittelfristig ausgesprochen attraktive Rendite bei vergleichsweise niedrigen Schwankungen erzielen.

Rainer Fritzsche ist Geschäftsführer OVID Partner GmbH.

07.04.2017 | 01:50

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