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Die Gruppe Glashaus (Bild: WMG / Signs Award)

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Glashaus: Mit „Kraft“ zurück auf die Bühne

Moses Pelham, Cassandra Steen und Martin Haas sind nicht nur bald wieder auf Tour, sie haben nach zwölf Jahren auch ein neues Album „Kraft“ auf den Markt gebracht. Und mit ihrem erfolgreichen Comeback gleich mal den SignsAward2017 in der Kategorie Nachhaltigkeit gewonnen.

Nachdem Steen im Zuge ihrer Solokarriere lange Zeit ihren eigenen Weg ging, brachte am Ende das neue Xavier Naidoo-Album das Glashaus Trio wieder zueinander. Weiterhin bewegen sich die drei Musiker zwischen R&B und Soul, geben aber auch elektronischen Einflüssen eine Chance. Mit seinen Texten präsentiert Moses Pelham Glashaus weiter nachdenklich, aber dann doch um einiges hoffnungsfroher als früher. Wer es zulässt, dem kann „Kraft“ auch tatsächlich Kraft geben. Im Interview mit Wirtschaftskurier philosophieren Moses Pelham und Cassandra Steen über ihr erneutes Zusammenfinden, ihr Album und ihre Musik und auch ein wenig über sich selbst.

Wirtschaftskurier: Glashaus ist nach zwölf Jahren wieder zurück. Wie fühlt sich das an?

Moses Pelham: Gut! Wir (Haas und Pelham, Anm. d. Red.) waren ja nie wirklich außer Kontakt. Wir haben hier und da auch Stücke für die Soloalben von Cassandra gemacht. Und sie hat auf meinem letzten Album gesungen. Und als Martin und ich unser letztes Album produziert haben, nämlich „Nicht von dieser Welt 2“ für Xavier Naidoo, war Cassandra ein paar Tage mit im Studio. Das war eigentlich der Punkt, an dem wir sagten: Komm, wir sind doch eigentlich auch eine Band, wollen wir nicht mal ein paar Stücke machen. Und es hat sich sofort angefühlt wie zuhause. Also überhaupt: Ich genieße es gerade tatsächlich sehr mit Leuten zu arbeiten, denen ich mich nicht mehr groß erklären muss. Wo man einfach weiß, wer der andere ist und was man voneinander braucht. Da kann man sich vielmehr auf die Dinge, die wirklich wesentlich sind, konzentrieren, als wenn man immer bei Adam und Eva anfangen muss. Wir profitieren schon sehr davon, dass wir ein eingespieltes Team sind.

Cassandra Steen: Ja, der Grund für diese Réunion war ganz grundsätzlich die Zusammenarbeit an „Nicht von dieser Welt 2“ von Xavier. Da hatte mir Moses auch schon ein paar Lieder gezeigt.  Und es ging immer mehr in diese, ja, nicht unbeschwerte Richtung, aber etwas leichtere Richtung. Womit ich dann gesagt habe: Komm wir probieren es einfach nochmal, wenn noch mehr davon kommt. Und davon hat Moses auf jeden Fall auch nochmal was abgeliefert.

Wirtschaftskurier: Cassandra, was macht Glashaus zu Glashaus. Was ist der größte Unterschied zwischen deiner Solokarriere und Glashaus?

Steen: Glashaus macht glaube ich diese Kombination zwischen Moses, Martin und mir so besonders. Es hat einen sehr eigenen Stil und es hat seinen Sound, den niemand kopieren kann. Wenn ich solo arbeite, dann kommt schon sehr viel mehr von mir rüber, ich schreibe dann auch viel mehr selber oder schreibe noch anders mit Leuten zusammen. Bei Glashaus sind die Texte schon längst da. Und ich beeinflusse dann den Gesang. Das sind die größten Unterschiede. Und ich glaube man kann sehr schnell erkennen wann Glashaus dran ist und wann ich dran bin.

Wirtschaftskurier: Euer neues Album „Kraft“ ist seit Ende März im Handel. Was wollt ihr mit der neuen Platte erreichen?

Pelham: So ein Album ist ja immer eine Ansammlung von Stücken. Da hat jedes einzelne dieser Stücke schon etwas ganz eigenes, was es formulieren will. Aber ich glaube, auch wenn das ein bisschen platt klingt, dass das Album insgesamt das will, was der Name andeutet, nämlich Kraft sein für den geneigten Hörer.

Wirtschaftskurier: Kraft inwiefern?

Pelham: Ich sehe unsere Musik in so einer Tradition von Stücken, die Kraft dadurch spenden, dass sie formulieren, was jemand anderes vielleicht empfindet, aber nicht selbst auszudrücken vermag. Oder das vielleicht schon, aber eben auf eine andere Art und Weise, wie er es von uns formuliert bekommt. Und das er sich nicht alleine fühlt , weil er denkt: Hoppla, da ist ja jemand anderes noch in der gleichen Situation und hat sogar ein Lied darüber gemacht. Wenn so ein Stück dem ein oder anderen auch mal so ein bisschen Hoffnung, Kraft und Mut schenken kann, dann macht mich das sehr glücklich.

Wirtschaftskurier: „Kraft“ ist alles in allem „fröhlicher“ geworden. Dabei hattest du, Moses, als dich Cassandra vor einiger Zeit genau danach gefragt hatte, noch geantwortet: „Kann ich nicht.“

Pelham: Ja, ich komme schon so aus einer Tradition der blusartigen Musik, die sich mit den größeren Dingen beschäftigt. Und die Sachen sehr ernst sieht, eben nicht witzig sein will, kein Schlager und auch nicht ironisch sein will. Sondern vielmehr den Mut haben will, sich zerbrechlich zu zeigen. Ich habe mich damit so lange und so viel beschäftigt, dass sich das vielleicht auch ein bisschen verselbstständigt hat. Damit habe ich irgendwann vielleicht Tiefe mit Schwere verwechselt. Es gibt einen Satz von mir, der ist glaube ich von 1998, da sagte ich so etwas wie: „Wenn es mir gut geht, dann schreibe ich nicht, dann gehe ich feiern.“ Im Nachhinein halte ich diese Formulierung für eine große Dummheit. Ich sehne mich insgesamt als Mensch und auch als Künstler nach einer Hoffnung und es ist einfach ungerecht das zu unterschlagen. Da bin ich sehr froh, dass uns das immer mehr gelingt auch an solchen Stücken zu arbeiten.

Wirtschaftskurier: Cassandra, hast du ein Lieblingslied auf eurem neuen Album?

Steen: Also mein absolutes Lieblingslied ist tatsächlich Kraft. Das ist einfach ein sehr schönes und kraftvolles Lied, wird seinem Titel mehr als gerecht. Und passt nicht nur zu dieser Zeit. Es passt zu jeder Situation in der man Kraft braucht. In der man hoffnungslos ist und regelrecht vor einer Wand steht. Egal ob seelisch oder tatsächlich physisch. Und „Kraft“ sagt, das man niemals aufgeben soll. Und das ist auf jeden Fall eine Message, die ich schon immer sehr wichtig fand.

Wirtschaftskurier: Wen wollt ihr mit eurer neuen Platte ansprechen

Pelham: Wenn du an so einem Stück arbeitest, geht es erstmal um dich. Und darum, das festzuhalten, was du empfindest. Das ist so ein bisschen der Unterschied zwischen Kunst und einer Dienstleistung, glaube ich. Aber natürlich geht damit auch eine Hoffnung einher, dass es nicht für den Rest der Welt irrelevant ist, was man da macht. Ich habe wirklich schon wunderbare Momente gehabt, als Menschen kamen und Sachen sagten wie: „Das Lied hat mein Leben gerettet.“ Das ist natürlich brutal, extrem aufbauend und ermunternd. Und macht vor allem Mut weiterzumachen. Aber ich kann nicht mehr machen, als nach bestem Wissen und Gewissen zu versuchen so ein Stück zu Tage zu fördern. Und das dann zu veröffentlichen. Und die Menschen die es in ihrem Leben haben wollen, müssen es dann eben finden. Ich wüsste nicht, was ich sonst machen sollte.
Wirtschaftskurier: Eure Stücke sind elektronischer geworden. Wieso?

Steen: Ach, das kann ich gar nicht sagen. Da ist kein Konzept oder sowas dahinter. Sondern das ist ganz einfach immer das, was mich gerade so begeistert und interessiert. Ich glaube, dass ich mit „Nicht von dieser Welt 2“, „Kraft“ und meinem Soloalbum, das in zwei Monaten kommt, musikalisch mit denselben Mitteln produziert habe. Da hat man so ein paar neue Lieblingssounds, die es im Moment eben für mich sind. Immer so ein Phasending. 2012 wollte ich, dass da ein Schlagzeug spielt. Und jetzt will ich eben nicht, dass da ein Schlagzeug spielt. Unsere Arbeit besteht ja auch darin, viel zu experimentieren. Es klingt vielleicht hart, aber wir verbringen auch viel Zeit im Studio und dann komme ich abends nach Hause und habe etwas, was mir nicht gefällt. Auf den LPs sind am Ende dann immer nur die Sachen, die gepasst haben. Aber wir leben vom Experimentieren. Und wenn du dann was gefunden hast, was es einfach ist, wo du sagst: „Puh, das ist so ein Geschenk, dass ich das entdeckt habe!“ Dann willst du auch weiter experimentieren. Das ist so ein bisschen wie Jugend forscht. Gut, bei uns jetzt eher Alter forscht. Aber wir forschen.

Wirtschaftskurier: Dürfen eure Fans auf eine längere Glashaus-Zeit hoffen?

Pelham: Wie das weitergeht, kann ich überhaupt nicht sagen. Jetzt sind wir erstmal noch eine Weile mit der jetzigen Platte unterwegs, ab Januar gehen wir auf Tour. Und wie es danach weitergeht, mal sehen.
Wirtschaftskurier: Cassandra, hast du Lust auf ein weiteres Album mit Glashaus?

Steen: *lacht* Ach, mal sehen. Das machen wir alles spontan. Es ist auf jeden Fall noch viel Luft nach oben.

Die Fragen stellte Oliver Götz.

12.06.2017 | 23:53

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