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Niclas Castello bei der Preisverleihung auf dem SignsAward 2017. (Bild: Andrea Rexhausen)

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Niclas Castello: Künstler und Visionär

„Ich würde nur mit einer einzigen Person auf der Welt tauschen wollen, und das ist Justin Bieber.“ Das und noch viel mehr erzählt der Künstler Niclas Castello, der vor kurzem den SignsAward2017 in der Kategorie „Vision in der Kommunikation“ verliehen bekam, im Interview mit dem Wirtschaftskurier.

Dass er den Visions-Award verdient hat, beweist der international aufstrebende Künstler nicht nur mit seinen beeindruckenden Gemälden und Skulpturen, die inzwischen zu den meistgesichteten und begehrtesten der Welt zählen. Er ist in allem, was er tut, wie er redet und was er ist, ein Visionär. Und einer, der eigentlich nur vor einer Sache Angst hat: stehen zu bleiben und sich nicht weiterzuentwickeln. Im Interview mit ihm gewährt er spannende Einblicke in seine kreative Gedankenwelt, seinen Werdegang und spricht nicht zuletzt über Kunst und deren Wirkung.

Wirtschaftskurier: Herr Castello, Sie sind überall auf der Welt unterwegs. Ihre Bilder verkaufen sich sehr gut. Artnet zählt Sie regelmäßig zu den Top 300 der Most-Visited-Artists der Welt. Nicht nur deshalb gehören Sie zu den gefragtesten Gegenwartskünstlern des Planeten. Sind Sie auf dem Höhepunkt Ihrer Karriere?  

Niclas Castello: *lacht* Nein, noch lange nicht! Ich möchte noch viel mehr erreichen. Und auf dem Weg dorthin sind schon viele neue Projekte geplant. Derzeit arbeite ich an einer Skulptur mit sehr hohem Materialwert. Es wird das exklusivste Kunstwerk sein, das es jemals ab.  

Wirtschaftskurier: Was muss man sich darunter vorstellen?

Niclas Castello: Das darf ich leider noch nicht sagen.

Wirtschaftskurier: Dann zur nächsten Frage. Wann war Ihnen klar: Ich werde Künstler?

Niclas Castello: Ich war schon immer ein sehr kreativer Mensch. In jungen Jahren, als ich in Paris war, habe ich mit Mode experimentiert. Und ja, ich war schon als Kind fasziniert von Farben und davon, wie aus diesen Bilder entstehen. Später habe ich begonnen, mit Skulpturen zu experimentieren.

Wirtschaftskurier: Was war schlussendlich Ihr Durchbruch?

Niclas Castello: Mein endgültiger Durchbruch als Künstler kam dann, als ich bei Arleen Schloss in New York untergekommen bin, die bereits Mentorin von Keith Haring und Jean-Michel Basquiat war. Eigentlich wollte Frau Schloss niemanden mehr annehmen. Aber sie mein Potenzial erkannt und zu mir gesagt, dass ich mit der richtigen Einstellung das Zeug dazu habe, ein großer Künstler zu werden. Was mich seither auszeichnet ist, dass ich mich durch nichts aufhalten lasse. Glücklicherweise habe ich auf meinem Weg bis heute noch keine bedeutenden Rückschläge erleiden müssen.

Wirtschaftskurier: Sie haben Ihr Kunst-Studium abgebrochen und sind nach New York gezogen, anschließend durch die Welt gereist. Muss man aus gegebenen Pfaden ausbrechen, um als Künstler erfolgreich zu sein?

Niclas Castello: Ja. Sogar ganz eindeutig. Für mich war das sehr wichtig. Sonst hätte ich nicht meinen Weg gehen können. So habe ich kurzerhand mein theorieorientiertes Studium abgebrochen, um mehr malen zu können. Für mich war ein Gedanke immer schon besonders wichtig: Wenn ich etwas erreichen will, kann ich es auch schaffen. Man muss von seinem Tun überzeugt sein, dann kann man auch Erfolg haben.  

Wirtschaftskurier: Wie muss man sich so ein internationales Künstlerleben, was Ihres ja ohne Frage ist, vorstellen? Wenn man so viel unterwegs ist, wo bleibt da eigentlich noch Zeit für die Kunst?

Niclas Castello: Ganz einfach: dran bleiben. Oft mache ich noch Zeichnungen, wenn ich nachts in mein Hotelzimmer komme. Es gibt bei mir keinen Stillstand. Irgendwie bin ich immer am Arbeiten. Wenn einmal ein bis zwei Tage nichts los ist, dann werde ich unruhig. Und was ich mache, mache ich aus Lust und Überzeugung. Sowieso würde ich, wenn überhaupt, nur mit einer einzigen Person auf dieser Welt tauschen wollen. Und das ist Justin Bieber.

Wirtschaftskurier: Wieso ausgerechnet Justin Bieber?

Niclas Castello: *lacht* Nicht wegen seinem jugendlichen Unfug, sondern weil er schon in jungen Jahren sehr erfolgreich war.

Wirtschaftskurier: Sie sprechen vom Arbeiten im Hotelzimmer. Wo sind Sie am produktivsten?

Niclas Castello:  Am produktivsten bin ich eigentlich zuhause. Dort habe ich ein großes Studio und kann ungestört arbeiten.

Wirtschaftskurier: Gehen wir mal den Schritt von Ihnen als Person hin zu Ihrer Kunst. Was bedeutet für Sie überhaupt Kunst?

Niclas Castello: Das ist eine sehr wichtige Frage. Eigentlich kann alles Kunst sein. Eine strenge Definition gibt es für mich nicht. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass jeder Mensch auf seine ganz spezielle Art und Weise ein Künstler ist.

Wirtschaftskurier: Damit einhergehend liegt Kunst bekanntlich im Auge des Betrachters. Wie schaffen Sie es, so vielen Betrachtern auf einmal zu gefallen?

Niclas Castello: Ich glaube, dass ich mit meinen Sachen einfach den Zahn der Zeit treffe, dabei aber qualitätsvoll und vielfältig arbeite. Der Mix aus Bildern und Skulpturen ist für mich besonders wertvoll und bereichernd. Vielleicht findet ein Sammler zuerst Gefallen an meinen Skulpturen. Und dann verfolgt er weiter, was ich tue und erwirbt weitere Werke, auch Bilder. Am meisten Spaß macht mir die Malerei. Da kann ich mich völlig frei entfalten. Bis zum ersten Strich, weiß ich nicht, wohin die Reise führt. Da ich sehr großformatig und auf dem Boden arbeite, sehe ich oft nur Ausschnitte meines Bildes direkt vor mir. Es ist nach wie vor faszinierend für mich, am Ende das gesamte Bild zu sehen. Mindestens genauso faszinierend sind übrigens auch die Interpretationen eines solchen Gemäldes. Auf Ausstellungen stelle ich mich am liebsten hinter die Leute, die meine Kunst betrachten, und höre ihnen heimlich zu, was sie dazu sagen.

Wirtschaftskurier: Sie sind durch Ihre „The Kiss“-Skulpturen berühmt geworden. Wie kam es dazu?

Niclas Castello: Halt, das muss ich kurz richtig stellen: Bekannt geworden bin ich durch meine Bilder die Kiss-Skulptur kam erst später. Wie ich die Idee dazu hatte, weiß ich tatsächlich nicht mehr genau. Auf jeden Fall hatte ich die Lippenform 2007 schon einmal in einem Gemälde benutzt. Später dann habe ich die Idee wieder aufgegriffen. Dann ergab eines das andere. Insgesamt habe ich die Lippen über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren entwickelt.  Dabei hatte ich fast den Garten meines Vaters abgebrannt, als ich für ein Modell mit einem selbst hergestellten Schmelzofen Aluminium goss.

Wirtschaftskurier: Woher nehmen Sie solche Ideen und ganz allgemein Ihre Kreativität?

Niclas Castello: Das sind hauptsächlich Dinge, die mir im Alltag begegnen und auffallen, die ich oft nur im Unterbewusstsein wahrnehme.  Ein ganz wichtiger Faktor ist Musik, da sie die Stimmung beeinflusst. Ansonsten versuche ich spielerisch mit Worten umzugehen. Und wie gesagt: Oft habe ich zu Beginn keine Ahnung, dann male ich den ersten Strich und plötzlich ist es da.

Wirtschaftskurier: Wo kann man Ihre Bilder und Skulpturen derzeit bestaunen?

Niclas Castello: Aktuell leider nur in London, was an der großen Nachfrage liegt. Meine Ausstellungen sind in der Regel alle schnell ausverkauft. Und falls doch einmal ein Gemälde oder eine Skulptur übrig bleiben, dann behalten diese die Galeristen gerne für sich. Grundsätzlich habe ich schon an vielen Orten ausgestellt. Kürzlich beispielsweise in Hongkong, Los Angeles und Miami. Die besten Märkte sind bisher die USA und Asien. Dort kaufen die Leute kurzentschlossen ein Kunstwerk, wenn es ihnen gefällt. Egal, was es kostet. Die Deutschen sind bei ihrer Kaufentscheidung ein bisschen langsamer.

Wirtschaftskurier: Herr Castello, haben Sie zum Abschluss unseres Interviews noch einen Tipp für Menschen, die in der Künstler-Szene Fuß fassen wollen?

Niclas Castello: An seine Sache glauben. Nicht zu viel grübeln und hadern. Man muss überzeugt sein sowie fokussiert und präzise arbeiten.  

Das Interview führte Oliver Götz

21.06.2017 | 13:49

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