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Viel Wind, wenig Kunden: Tesla geht es nicht anders als dem Rest der Stromer. (Bild: Teslamotors)

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Autoindustrie unter enormem Druck

Die Einschläge kommen näher, und von vielen Seiten: Die deutsche Autoindustrie befindet sich einer klassischen Kesselschlacht. Die Motive der Angreifer könnten unterschiedlicher nicht sein, aber gemeinsam ist ihnen allen: Sie sind potentiell tödlich.

Von Reinhard Schlieker

Die deutsche Autoindustrie ist einfach zu erfolgreich. Das Ziel ist zu lohnend. Zu hoch sind die Prämien auf geschleifte Bastionen. Und nun sind die Heere aufmarschiert, und zwar von unterschiedlichen Seiten – nicht verbündet, aber vereint in ihrem Ziel: Zerstörung.

Gleich mehrere Bataillone haben die Ermittler in Sachen Abgasmanipulation aufgefahren. Das Herumfummeln an der Motorsteuerungs-Software dürfte manch einer in dem Business schon bitter bereut haben. Was sich anließ als scheinbar pfiffige Idee verspielter IT-Ingenieure und zwischenzeitlich von den Urhebern als Dummer-Jungen-Streich angesehen wurde, wächst sich zum Existenzrisiko aus. VW-Aktionären ist längst das Lachen vergangen; die Eigentümerfamilien via Porsche können von hinten anfangen, Nullen an ihrem Vermögenswert wegzustreichen.

Staatsanwälte bei Daimler, dem über jeden Zweifel erhabenen Flaggschiff der Industrie? Amerikanische Aufpasser direkt im Management von Volkswagen? Fiat, Spitzname: „Fehler In Allen Teilen“, darf wohl feststellen, dass Chuzpe allein nicht reicht. Selbst Renault muss mit jenen kulturell doch weit unter seinem Niveau stehenden Amerikanern sprechen – ein stolzer französischer Konzern kann kaum stärker gedemütigt werden.

Verzauberte Kommunisten

An der linken Flanke greift eine Phalanx von selbsternannten Weltrettern an, die Diesel nicht zu mögen vorgeben, in Wahrheit aber Autofahrer nicht leiden können. Am Individualverkehr stört sie der Wortbestandteil des Individuellen, denn nur die große Gleichheit aller bringt die Erlösung vom westlichen Konsumwahn, und eine berüchtigte Abmahnvereinigung namens „Deutsche Umwelthilfe“ verdient ihr Geld wie schon gewohnheitsmäßig mit Erpressung, Denunziation und Strafverfahren gegen Kommunen, die jene Grenzwerte nicht einhalten (können), welche in Brüssel auf Grundlage eben der Lobbyarbeit jener Aktivisten erlassen und niemals einer sinnvollen Überprüfung des Notwendigen unterzogen wurden. Diese „Umwelthilfe“ geriert sich dabei, als sei sie von der Umwelt irgendwie gerufen worden und so eine Art Sanitäter in Grün.

Mag das alles verwerflich sein, für die Autobranche schafft es bedrohliche Szenarien. Da hilft es auch nicht, dass ein modernes Dieselaggregat über die extrem lange Lebensdauer hinweg gerechnet weniger Schadstoffemissionen verursacht als ein Elektrofahrzeug – es geht ja um Schlachten und nicht um Fakten. Als kürzlich die Bundesregierung eingestehen musste, dass die subventionierte Steigerung der Zahl von E-Mobilen im gewünschten Ausmaß wohl nichts mehr werden wird, heulten natürlich jene auf von Greenpeace bis BUND, denen wirtschaftliche Zusammenhänge egal und das Wohlergehen von Menschen schnuppe sind.

Die Autofahrer sind nicht blöd

Dabei erweisen sich die Bürger gerade angesichts des Elektro-Unsinns als realistischer und schlauer: Wo es keine Ladestationen  gibt, die Reichweite nicht reicht und die Kosten auch nach Subvention noch völlig irre sind, klinkt sich jeder aus, der das kleine Einmaleins gelernt hat. Es sei denn, man erachtet den vermeintlichen Nutzen für die Umwelt – und das Wohlgefühl für’s mutmaßlich übersteigerte Ego an der „Spitze der Bewegung“ – als wichtiger denn die kühle Rationalität.

Den Autobauern hierzulande bleiben nur wenige Wege aus der Umklammerung. Der Vertrieb im Ausland, wo die Ideologen teils noch nicht die Macht übernommen haben. Der unmissverständliche Wille, spielende Ingenieure auf den Hof zu schicken. Und die Entwicklung moderner Technologien für den Fahrzeugantrieb, die ohne Subvention zu überzeugen vermögen. In allen anderen Fällen wäre selbst Schwarzseherei noch viel zu viel Optimismus.

30.05.2017 | 14:06

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