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Eine gefährliche Baustelle für Anleger: der Bitcoin (Bild: Fotolia / Promesaartstudio)

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Bitcoin-Ausverkauf nimmt kein Ende

Die große Kryptotalfahrt geht weiter. In dieser Woche fiel der Bitcoin zweitweise bis auf 6.100 US-Dollar und auch seine nach Marktkapitalisierung dichtesten Verfolger Ethereum und Ripple standen zwischenzeitlich mit 31 und 28 Prozent deutlich im Minus. Ist das nach den immensen Anstiegen 2017 immer noch eine temporäre Korrekturphase oder platzt vor unseren Augen eine gewaltige Blase?

Können Kryptowährungen wie der Bitcoin im Falle eines Ausverkaufs an den Börsen als sicherer Hafen gelten? Nach den weltweiten Kursstürzen, die in einem zwischenzeitlichen Dow-Jones-Minus von 1.600 Punkten am Montag und einem weiteren von etwas über 1.000 Punkten am Donnerstag ihre aus Anlegersicht traurigen Höhepunkte fanden, kann diese Frage wohl klar mit „Nein“ beantwortet werden. Die Kurse der meisten Digitalwährungen nämlich profitierten nicht etwa von der Unruhe am Finanzmarkt, sie purzelten mit in die Tiefe. So fiel der Bitcoin zu Wochenbeginn um mehr als 27 Prozent, landete zwischenzeitlich beinahe unter der 6.000-Punkte-Marke. Auch wenn er zum Wochenschluss einen Großteil der Verluste wieder wettmachte, hat der Bitcoin seinen Kurswert nach seinem Dezemberhoch bei über 20.000 US-Dollar inzwischen weit mehr als halbiert. Zirka 6.700 Dollar bekommt man derzeit nur noch für einen Coin der größten Kryptowährung der Welt.

Mit Ripple, Ethereum, Bitcoin Cash, Cardano oder Litecoin hatten und haben auch weitere große Digitalwährungen zuletzt mit starken Verlusten zu kämpfen. Nach Angaben von coinmarketcap.com ist die Markkapitalisierung aller Kryptowährungen von 800 Milliarden Dollar im Dezember des vergangenen Jahres über die letzten Wochen auf nunmehr 385 Milliarden Dollar gesunken. Nennenswerte Erholungen scheinen nicht in Sicht. Zu sehr überwiegen derzeit die negativen Nachrichten. So sperrten beispielsweise kürzlich die US-Banken JP Morgan Chase, Capital One, Discover, Citigroup und Bank of America ihre Kreditkarten für den Kauf von Kryptowährungen. Kurz darauf tat es ihnen die britische Lloyds Banking Group gleich. Man wolle das mit den Transaktionen verbundene Kreditrisiko nicht mehr länger schultern, kam es von JP Morgan Chase.

Infolge der bei Kryptowährungen zur Tagesordnung gehörenden hohen Schwankungen ist die Gefahr gerade für Privatanleger groß, über kreditfinanzierte Spekulationen hohe Schulden aufzubauen, die sie jahrelang abtragen müssen. Und auf denen, wenn sie in die Zahlungsunfähigkeit rutschen, letztlich die Banken sitzen bleiben. Daher runzelt die Mehrzahl der Bankberater auch die Stirn, wenn Anleger Bitcoins ordern.

Staatliche Regulierung belastet Bitcoin

Neben den Geldhäusern geht auch die chinesische Regierung weiter hart gegen den Krypto-Boom vor. Nach einem Bericht der South China Morning Post verwehrt China inländischen Anlegern inzwischen den Zugang zu sämtlichen Handelsplattformen. Investments in Kryptobörsengänge, sogenannte ICOs, sind dort ohnehin schon längst verboten. „Um finanzielle Risiken zu vermeiden, wird China seine Maßnahmen verstärken und jegliche Onshore- und Offshore-Plattformen für den Handel mit virtuellen Währungen oder ICOs entfernen.“, kam es von der chinesischen Volksbank.

Zudem hat China vor kurzem darüber nachgedacht auch das Schürfen von Bitcoins zu verbieten. Südkorea will Kryptowährungen womöglich ebenfalls mit einem Handelsverbot belegen. Das Problem: 15 Prozent des weltweiten Bitcoin-Handels entfallen auf Südkorea und 80 Prozent aller neuen Bitcoins entstehen in China. Ausgerechnet die beiden Staaten, in denen Cyber-Währungen bisher so erfolgreich und populär waren, denken nun also in besonders rigoroser Art und Weise darüber nach regulierend einzugreifen und dem Boom ein Ende zu bereiten.

Auch von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, der BIZ, kommt nun erstmals deutlicher Gegenwind. "Was vielleicht ursprünglich als alternatives Zahlungssystem ohne staatliche Beteiligung gedacht war, ist inzwischen zu einer Mischung aus Finanzblase, Schneeballsystem und Umweltkatastrophe geworden", sagte ihr Generaldirektor Agustin Carstens am Dienstag in Frankfurt. Die japanische Notenbank forderte derweil mit Kryptowährungen in Verbindung stehende Dienstleister dazu auf, für mehr Sicherheit zu sorgen. Auch Anleger müssten eindeutiger vor den Risiken eines Investments in Cyber-Geld gewarnt werden.

Die deutsche Bundesbank hatte in Person von Vorstand Joachim Wuermeling schon vor längerer Zeit mehr Regulierung angedeutet: „Der Staat hat die Aufgabe, schützenswerte Interessen des Einzelnen und des Gemeinwohls zu bewahren“, hatte Wuermeling gesagt und angefügt: "Kryptowährungen werden deshalb über kurz oder lang Gegenstand von Gesetzgebung werden, ob zum Beispiel zum Verbraucherschutz oder zu Steuerfragen."

Eine klassische Blase

Warnungen, Regulierungen, Verbote. Es kommt ein wenig so, wie es nach der Meinung vieler Experten kommen musste. Ursprünglich waren die digitalen Münzen als Währungsalternative für die Zukunft konzipiert worden. Dahinter stand vor allem die Idee eines Zahlungsmittels, das keinen Regulierungsbehörden unterstellt ist. Gerade in Zeiten der von vielen Börsianern zunehmend kritisch beäugten hyper-expansiven Politik der Notenbanken, schien das nicht nur revolutionär, sondern auch eine echte Alternative zum Zentralbankgeld zu sein. Eine Währung, die politischen und wirtschaftlichen Interessen von Staaten nicht ausgesetzt ist. Das klang – und klingt zugegebenermaßen immer noch – vielversprechend. Mit zunehmender Popularität wurde der Bitcoin dann 2017 zum Spekulationsobjekt. Die Hoffnung, der Bitcoin könnte zur digitalen Weltwährung der Zukunft werden, trieb den Kurs.

Ende 2017 war der Hype um die Digital Coins so groß, dass ausgewählte Börsen sogar damit begannen Bitcoin-Futures, sprich Terminkontrakte auf das Cyber-Geld, anzubieten. Zudem verfielen immer mehr Privatanleger in Goldgräberstimmung und investierten. Das derzeitige Preisniveau habe nur erreicht werden können, da Anleger davon ausgingen, dass der Bitcoin sich global durchsetzen werde. Das aber würden Regierungen in dem Ausmaß, in dem es sich gerade im Preis der Währung wiederspiegele, nicht zulassen, hatte Mohamed El-Erian, Chefberater der Allianz, damals schon gewarnt. Und so kam es: Regierungen, Notenbanken und viele weitere Behörden traten immer stärker auf den Plan, ehe sie kurze Zeit später zwar nur teilweise durchgriffen, zumindest aber anfingen deutlichere Warnungen auszusprechen. Nun, 2018 und nur wenige Wochen später, sind Einbruch und sicher auch der ein oder andere Anlegerschaden groß.

Geplatzt dürfte die Krypto-Blase zwar lange noch nicht sein – schließlich stecken immer noch knapp 400 Milliarden Dollar in Währungen, denen kein echter Wert zu Grunde liegt und von denen zudem kaum einer wirklich weiß, welchem Zweck sie einmal dienen können. Nur eine Korrektur sind die Verluste von Bitcoin, Ripple und Co. aber auch nicht. Zu lange dauern sie nun schon an und zu gut begründet scheinen sie durch immer neue Negativschlagzeilen. Ihre Entwicklung wird weiter spannend zu beobachten sein. Und das bei den derzeitigen Schwankungen ohne eigenes Investment wohl deutlich entspannter. OG

09.02.2018 | 11:49

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