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(Graphik: Campo Data / WMG)

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Wo landen die wirtschaftsliberalen Kräfte?

In der Schlussphase des Wahlkampfs zeigen die Parteien des linken und rechten Randes spürbare Zuwächse. Im Kampf um die drittstärkste Partei in Deutschland haben sie nun FDP und Grüne hinter sich gelassen. Insbesondere bei der AfD messen die Meinungsforscher wachsende Gefolgschaft. Sollte sich das Momentum bis zum Wahltag weiter so entfalten, dann dürfte die AfD drittstärkste Partei im Bundestag werden. Unter den Volksparteien verschiebt sich nur wenig. Die Werte der Union bröckeln etwas ab, doch der Vorsprung zur SPD bleibt gewaltig.

Sollte die SPD unterhalb der nun erreichten Marke von 23 Prozent landen, dann wäre das das schlechteste Ergebnis für die deutsche Sozialdemokratie seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland. CDU und CSU stabilisieren mit ihrem ruhigen Wohlfühlwahlkampf offenbar die Stimmung. Das Leitmotto der Union: „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“. Doch das Maß an Autosuggestion, das hier sichtbar wird, ist erheblich. Die Sehnsucht nach Mitte, Sicherheit und einem Aufgehobensein scheint enorm stark. Der einzige Faktor, der dieses Netz wahrscheinlich zerreißen könnte, trägt jedoch keinen Colt, sondern Schnellfeuergewehr und Sprengstoffgürtel – und fährt Lieferwagen. Mit 80 km/h in belebten Einkaufszonen westeuropäischer Großstädte, wohlgemerkt.

Auch in der Sommerpause stand der Schulz-Zug still auf einem Abstellgleis eines beliebigen politischen Provinzbahnhofes, und die Sozialdemokratie muss ordentlich zusehen, dass ihr nicht kurz vor der Bundestagswahl die fünfte Regierungsbeteilitung in einem Bundesland innerhalb dieses Jahres abhanden kommt: Erfurt wackelt – die Linkskoalition unter Bodo Ramelow, dem niedersächsischen Gewerkschafter, der ungeniert unter die SED-Bettdecke der Linken krabbelte, steht gewaltig unter Druck.

Weder die Dieseldebatte noch der Fipronilskandal beflügeln die Zustimmungswerte für die Grünen. Vielleicht schwant es vielen Menschen, dass sie zugleich eine Gender-Schulpolitik erhalten, wenn sie der erklärten Umweltpartei die Stimme geben. Und Reglementierungen aller Art anstatt wirksamer Umweltschutzmaßnahmen. Der legendäre Satz von Claudia Roth schließlich könnte die Grünen auch wieder Stimmen kosten: „Ihr Ausländer, lasst uns nicht mit den Deutschen allein!“ Derartige Beschimpfung kommt eben nicht überall gut an, und seit September 2015 hat dieser Stoßseufzer ein ganz neues Geschmäckle bekommen. Vielleicht erscheint eine Koalition, in der Angela Merkel und Claudia Roth gemeinsam die Flüchtlingsströme lenken, vielen Wähler auch nicht ganz ideal zu sein.

07.09.2017 | 11:09

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