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Ihr Völker, schaut auf dieses Auto.... Volkswagen baute 2016 weltweit die meisten Autos. (Bild: Volkswagen)

Speziell in Osteuropa ist VW mit seiner Marke Skoda erfolgreich, der Golf dagegen ist weiter Nr. 1 in Deutschland. (Bild: Volkswagen)

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VW ist trotz Gegenwind Weltmarktführer

Natürlich ist bei den Abschaltvorrichtungen für die Abgasreinigung bei den Dieselmotoren aller Hersteller mehr oder weniger Vorsicht angebracht, was die veröffentlichten Werte betrifft. Natürlich hat VW sozusagen den Vogel abgeschossen. Natürlich wird zu Recht ermittelt. Aber warum nur begann die ganze notwendige Aufarbeitung der schon jahrelang schwelenden Affäre just zu dem Zeitpunkt, als sich VW erstmals anschickte, Weltmarktführer bei Autos zu werden? Auch dieses große Rätsel ist wieder von Interesse angesichts der Meldung, dass Toyota es nun bestätigt hat: VW ist Weltmarktführer.

Kein Konzern hat 2016 mehr Autos verkauft als VW. Der Autobauer Toyota, zu dem auch der Kleinwagen-Anbieter Daihatsu Motor und der Nutzfahrzeug-Hersteller Hino Motors gehören, hat im vergangenen Jahr weltweit insgesamt 10,17 Millionen Autos abgesetzt. Das ist ein Anstieg um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der deutsche Erzrivale aus Wolfsburg setzte dagegen 10,31 Millionen Fahrzeuge ab. Das ist ein Plus von 3,8 Prozent gegenüber 2015.

Es ist das erste Mal seit fünf Jahren, dass der japanische Branchenprimus damit die Führung als größter Autobauer abgeben musste. Das hat sich bereits im letzten Jahr, unmittelbar vor dem Aufkommen der Dieselaffäre, abgezeichnet. Warum diese Affäre genau damals ausbrach, werden Doktoranden der kommenden zwei Jahrzehnte ergründen. Die Fakten zählen, und sie sind nun aber von Toyota offiziell bestätigt worden. Mit knapp unter zehn Millionen verkauften Autos liegt General Motors (GM) aus den USA übrigens auf dem dritten Platz.

Es ist keine Glaskugel nötig, es muss keine Wahrsagerin befragt werden: Volkswagen wird auch weiterhin Milliardensummen für Dieselverstöße in den USA zahlen müssen, prinzipiell übrigens nicht zu Unrecht. Es ist alles eine Frage des Maßes. Vergleiche mit anderen Unternehmen, die diesen Beitrag sprengen würden, zeigen deutlich, daß nicht nur mit zweierlei Maß gemessen wird - nein. dass für jeden Einzelfall eine neue Elle angefertigt wird. Und im Falle VW, wo ein Marktführer seine zweifelsohneen frechen Fälschungen von Abgasdaten zu büßen hat, da ist diese Elle eben ein kleines Stückchen größer.

Der japanische Autokonzern spielte nach Angaben des Handelsblattes die Bedeutung des ersten Platzes bei den Verkaufszahlen herunter. „Wir bei Toyota sind nicht darauf fokussiert, nach Volumen zu jagen“, teilte das Unternehmen mit. Ziel sei es vielmehr, die Nummer Eins bei den Kunden mit der technischen Entwicklung und Produktion immer besserer Autos zu sein.

Demut als wichtigste Attitüde

Volkswagen gibt sich selbst sehr bedeckt, stellt die Finanzzeitung weiter fest. Angesichts der noch immer nicht abgeschlossenen Dieselaffäre dominiere in der öffentlichen Außendarstellung die Zurückhaltung. Der Konzern agiere in der Öffentlichkeit vielmehr nach der Devise der „stillen Demut“. Außerdem seien die Verkaufszahlen nicht die wichtigsten Kenndaten. Am Ende entscheide die Rendite über die wichtige Gretchenfrage der Profitabilität. In Sachen Ertragsstärke hat Volkswagen – insbesondere die Kernmarke VW – gerade gegenüber Toyota noch einigen Nachholbedarf.

Das Handelsblatt weiter: „Die Dieselaffäre hat Volkswagen sicherlich im vergangenen Jahr geschadet. Aber eben nicht überall, sondern nur in einzelnen Regionen der Welt. Besonders betroffen von dem Skandal sind etwa die USA, wo der Konzern 2016 große Einbußen bei den Verkäufen hinnehmen musste. Auch in Deutschland ging es für den Konzern wegen der Dieselaffäre im vergangenen Jahr kaum voran, die Verkaufszahlen liegen ungefähr auf dem Ergebnis des Vorjahres. Nicht wegen des Abgasskandals, sondern vor allem aus konjunkturellen Gründen sei das Verkaufsergebnis zudem in Südamerika und Russland sehr schlecht ausgefallen.“

Der Volkswagen-Konzern konnte diese Ergebnisse 2016 jedoch kompensieren und andernorts überproportional wachsen. In Europa außerhalb Deutschlands hat das Wolfsburger Unternehmen deutlich zulegen können, das gilt ganz besonders für die osteuropäischen Länder (ohne Russland). Der Erfolg für das vorherige Jahr wäre allerdings ohne China nicht möglich geworden. Auf dem chinesischen Markt werden keine Dieselmodelle verkauft, deshalb hatte die Abgasaffäre dort auch keine Auswirkungen. Im Gegenteil: Bis Ende November sind dort fast 3,6 Millionen Autos abgesetzt worden, was ein Plus von fast zwölf Prozent bedeutet. „2016 dürfte die Marke VW erstmals in ihrer Geschichte mehr als die Hälfte ihrer Autos nur in China verkauft haben“, sagte Evercore-Autoexperte Arndt Ellinghorst.

03.02.2017 | 14:05

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