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Ein Miniteilchen könnte den Spritverbrauch verringern: Der Thermogenerator wurde mit Geldern aus dem Programm einer Förderbank entwickelt.

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Die heimlichen Konjunkturmotoren

Förderbanken: Manche Innovation würde ohne die staatlichen Institute nicht serienreif werden. Denn bei der Kreditvergabe zeichnet sich ein Paradoxon ab: Der ifo-Kredithürde-Index misst einen Dauertiefstand, während die Förderbanken über neue Rekorde berichten.

Ein millimetergroßes Teil soll die Industrie revolu­tionieren. Es nutzt Abwärme zur Erzeugung von elektrischer Energie und kann in vielen Bereichen eingesetzt werden: in Industrieanlagen, Heizkraftwerken, Abwasser- und Müllverbrennungsanlagen sowie im Auto. Dabei handelt es sich um ein Dünnschicht-Halbleiterbauteil, einen sogenannten Thermogenerator.

Seit 2006 forscht ­Ralph Teu­nissen mit seinem Unternehmen O-Flexx Technolgies daran – und hat es inzwischen weit gebracht. In den Jahren 2010 und 2011 ­wurde die Firma unter die „Global Top 100“-Unternehmen im Cleantech-Bereich gewählt. Im Januar 2013 zog O-Flexx in größere Räumlichkeiten mit 600 Quadratmetern Büro- und 1 000 Quadratmetern Produktionsfläche. Mittlerweile haben mehrere große Unternehmen aus den Branchen Automotive, Sensorik und Heiztechnik Prototypen erworben und arbeiten an einer Integration der Komponenten in ihre Produkte. Für das Jahr 2014 plant O-Flexx einige große Projekte, durch die ab 2015 Seriensysteme für industrielle und private Endnutzer angeboten werden sollen. „Die Thermoelektrik wird in Zukunft eine ähnlich revolutionäre Rolle spielen wie die Solartechnik seinerzeit“, meint Teunissen.

Das alles wäre nicht möglich gewesen ohne eine Förderung durch die NRW.Bank. Dafür hatte die Förderbank von Nordrhein-Westfalen einen Zuschuss von ­einer halben Mio. Euro aus dem „Regionalen Wirtschaftsförderungsprogramm“ bereitgestellt. Jetzt steht das Unternehmen kurz davor, den Sprung zur Marktreife und damit zur finanziellen Selbstständigkeit zu schaffen.

Der Thermogenerator ist ein Bauteil, mit dem die Energieeffizienz gesteigert wird. Dieses Thema steht ganz allgemein für alle Mittelständler im Mittelpunkt. Investitionen in neue, energiesparendere Maschinen stehen ganz oben auf der Agenda der mittelgroßen Unternehmen – und dafür werden besonders viele Förderanträge gestellt. Praktisch alle Institute berichten von einer starken Nachfrage nach Förderkrediten in diesem Bereich.

„Die Unternehmen berücksichtigen bei ihren Vorhaben stärker die langfristige Perspek­tive“, erläutert Christian Brand, Vorstandsvorsitzender der L-Bank, der baden-württembergischen Förderbank, die Hintergründe. „Wenn neue Produktionsanlagen angeschafft werden, entscheiden sie sich immer häufiger dafür, mehr zu investieren, um dann in Zukunft weniger Energie zu brauchen.“

„Vor dem Hintergrund auch mittelfristig zu erwartender Energiepreissteigerungen ist die Erschließung von Energieeffizienzpotenzialen ein wichtiger Beitrag zur Standortsicherung“, führt Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW, aus. „Die sparsame und effiziente Energienutzung hilft, die unter Druck stehende internationale Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands zu sichern.“

Neue Maschinen sparen Energie

Aber nicht nur in puncto Energieeffizienz – die staatlichen Förderbanken spielen ganz allgemein eine wichtige Rolle für die Steigerung der Wirtschaftskraft des Mittelstands. Während sich der Kredithürde-Index des ifo Instituts, der die Kreditvergabe der privaten Banken misst, einem histo­rischen Tiefpunkt genähert hat und namhafte Wirtschaftsinsti­tute eine zu geringe Investitionsquote bemängeln, berichten die Förderbanken von einer sehr lebhaften Kreditvergabe im vergangenen Jahr.

Bei den Förderkrediten für den Mittelstand stieg das Vergabe­volumen bei der L-Bank um 11 % auf 2,1 Mrd. Euro. Und die LfA Förderbank Bayern spricht von einem Zuwachs um 14 % auf 1,95 Mrd. Euro. Die NRW.Bank, die noch keine Jahreszahlen vorgelegt hat, steigerte das Fördervolumen in den ersten drei Quartalen 2013 um 11 % auf 6,4 Mrd. Euro, und bei der deutschlandweit tätigen KfW stiegen die inländischen Förderungen in diesem Zeitraum auf 38,1 (35,3) Mrd. Euro. Durch attraktive Zinsen, die sie aufgrund ihres Status als staatliches Institut mit Billigung der EU gewähren, können die Förderbanken die durchaus vorhandene Investitionsbereitschaft bei den Unternehmen anschieben.

Russischer Bär und bayerischer Löwe

Kein Wunder, dass sich auch ­andere Länder für das deutsche Fördersystem interessieren. Im Herbst 2013 traf „der russische Bär den bayerischen Löwen“, wie die LfA in einer Pressemitteilung titelte. Der Vorstandsvorsitzende der russischen Bank für die Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen, Sergej Krjukow, und der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der russischen Bank für Entwicklung und Außenwirtschaftstätigkeit, Prof. Mikhail Kopejkin, kamen nach München, um sich das Geschäftsmodell ­eines staatlichen Spezialinstituts anzusehen – eine Erfolgsgeschich­te, die vor gut 65 Jahren mit der Gründung der KfW im November 1948 begann.

Damals ging es darum, mit der Durchleitung von Hilfsgeldern aus dem Marshallplan den Wiederaufbau Deutschlands zu unterstützen. In der Folge bestand die Hauptaufgabe der KfW darin, den Strukturwandel zu begleiten sowie zukunftsweisende Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft zu identifizieren und dafür Gelder bereitzustellen – ­seien es Exportfinanzierungen in den 60er- und 70er-Jahren, die ­Finanzierung des Aufbaus Ost in den 90er-Jahren oder spezielle Konjunkturprogamme während der Finanzkrise. Heute liegen die Schwerpunkte auf Finanzierungen für den Mittelstand, die Bewältigung des demografischen Wandels und von Umwelt- und Klimaschutzvorhaben.

So wie die Entwicklung des kleinen Thermogenerators, der mit Unterstützung der NRW.Bank zur Serienreife gelangen soll. Dieser Technologie wird nämlich von Experten branchenübergreifend ein großes Wachstumspotenzial zugesagt. „Es ist nur ein winziges, einige Millimeter großes Bauteil, aber es kann die Welt verändern“, meint O-Flexx-Gesellschafter Teunissen.

 

fr

17.03.2014 | 10:33

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