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Die EZB errichtet ihr neues Gebäude auf dem Gelände der ehemaligen Großmarkthalle in Frankfurt.

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Frankfurt bleibt attraktiv

Finanzplatz: Nach vielen Meldungen über Entlassungen bei den deutschen Großbanken und die Abwanderung ausländischer Institute dreht sich das Blatt. Dabei spielen vor allem drei Akteure eine Rolle.

Auch wenn die Zahl der Finanzinstitute seit Ausbruch der Finanzkrise im europaweiten Langfristtrend spürbar zurückgegangen ist: Frankfurt ist davon nicht betroffen. Trotz des anhaltenden Konsolidierungsdrucks in der Branche und der damit verbundenen Wiederbesinnung auf den Heimatmarkt zeigen zahlreiche ausländische Banken in der Main-Metropole weiterhin Präsenz, wie eine Studie der Helaba ergab.

Aber nicht nur das: Die Attraktivität der größten hessischen Stadt hat nach der krisenbedingten Delle in den Jahren 2008 bis 2010 sogar zugenommen. Mitte 2013 gab es insgesamt 223 Hauptsitze von Banken in Frankfurt, rund drei Viertel davon ausländischer Herkunft. Auslandsbanken unterhalten am wichtigsten deutschen Finanzplatz 160 ausländische Hauptsitze und 36 Repräsentanzen – das bedeutet einen signifikanten Zuwachs an internationalen Akteuren innerhalb der vergangenen beiden Jahre, wie die Helaba ermittelt hat. ­Aufgrund der attraktiven Geschäftspotenziale kommen weitere Marktteilnehmer neu nach Frankfurt oder werten ihre hiesigen Büros durch eine Umwandlung in eine geschäftstreibende Niederlassung auf. Dies spiegelt die wichtige Rolle Frankfurts im weltweiten Finanzgeschehen wider. Schließlich gilt die Main-Metropole vielen als „place to be“, um Geschäfte in Deutschland und den umliegenden Ländern zu betreiben. Trotz der Auswirkungen der globalen Finanzkrise steht die Beibehaltung des Standorts daher für viele außer Frage.

Die EZB wächst und wächst

Die Bedeutung Frankfurts wird dabei durch zentrale Finanz­institutionen geprägt. Die bereits stark am Main präsente Deutsche Bundesbank befindet sich im anhaltenden Zentralisierungsprozess, und auch die Deutsche Börse hat an keinem anderen Standort auf der Welt nur annähernd so viele Mitarbeiter wie in der fünftgrößten deutschen Stadt. Die mit ihrem wachsenden Aufgabenspektrum expandierende Europäische Zentralbank (EZB) konzentriert sich einzig auf die Main-Metropole, was durch den Umzug 2014 in den schon jetzt als Wahrzeichen geltenden Neubau im Frankfurter Ostend symbolisiert wird.

Die Bedeutung der EZB wird durch die europäische Bankenaufsicht, die derzeit unter ihrem Dach eingerichtet wird, noch weiter gestärkt. So plant sie zur Übernahme ihrer neuen Rolle bis Ende nächsten Jahres rund 1 000 weitere Mitarbeiter einzustellen, davon etwa 800 speziell für Aufsichtsaufgaben. Das Gewicht der EZB im internationalen Finanzgeschehen wächst weiter und stärkt das Profil des deutschen Finanzzentrums als europäische Aufsichtsmetropole. Mit dem signifikanten Image-Gewinn für den Finanzplatz Frankfurt erhöht sich seine Anziehungskraft auf in- und ausländische Akteure, die am Main präsent sein und den unmittelbaren Austausch in der hiesigen „banking community“ pflegen wollen. Auch bei den deutschen Großbanken scheint die Stimmung allmählich wieder zu drehen.

Am deutschen Finanzzentrum sind die Commerzbank und die Deutsche Bank die beiden mitarbeiterstärksten Banken, gefolgt von der DZ Bank und der Helaba. Allein diese vier Banken kommen am Main zusammen auf einen Personalbestand von rund 34 000 – mehr als die Hälfte der gesamten Frankfurter Bankbeschäftigung. Zwar wird weiterhin von Stellenstreichungen bei einigen Großbanken berichtet, die mit Bilanzschrumpfungen einhergehen. Doch gleichzeitig mehren sich die Meldungen, dass Finanzinstitute Geschäftsbereiche nach Frankfurt verlagern oder ihre Aktivitäten hier ausbauen. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach hoch qualifiziertem Fachpersonal, denn die anspruchsvollere Regulierung erfordert mehr Spezialisten. Zumindest in diesem Sinne ist der Finanzplatz Frankfurt ein Profiteuer der globalen Krise.

17.02.2014 | 16:56

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