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Großreinemachen bei den Banken

Die Bilanzsaison 2013 ist weitgehend vorüber. Der europäische Bankensektor ist auf dem Weg der Gesundung. Doch sind die Institute – wenige Monate vor dem Megastresstest der EZB – weit genug?

Der Umbau des europäischen Bankensektors in eine schlankere, stabi­lere Branche schreitet voran. Die Banken reduzieren die Bilanzsummen, senken Kosten und stärken ihre Kapitalquoten. Allerdings gingen auch die Erträge 2013 – bereits im dritten Jahr in Folge – zurück und die Belastungen durch Problemaktiva und Rechtsstreitigkeiten, beispielsweise bei der Deutschen Bank oder der Commerzbank, blieben hoch. Trotzdem verbesserten sich die Gewinne ein Stück weit, gegenüber einem sehr niedrigen Vorjahreswert, und dürften auch 2014 weiter steigen. Denn viele Institute haben das vergangene Jahr genutzt und Tabula ­rasa bei den Altlasten gemacht.

Erlöse gehen zum dritten Mal zurück


Wenn man die Ergebniskomponenten im Einzelnen betrachtet, wird sichtbar, dass der Zinsertrag der 22 größten europäischen Banken – die etwa die Hälfte der gesamten Branche bilden – zum dritten Mal in Folge sank, nämlich im Schnitt um 7%. Damit hat sich der Rückgang sogar noch beschleunigt. Ursachen waren die Reduzierung des Geschäftsvolumens sowie geringere Margen aufgrund der niedrigen Zinsen und wegen des intensiven Wettbewerbs. Auch der Provisionsüberschuss nahm im dritten Jahr in Folge ab, auch wenn das Minus von 1 % relativ gering war. Vor diesem Hintergrund ist die Steigerung des Handels­ergebnisses, der kleinsten und volatilsten Ergebniskategorie, um 8 % nicht wirklich tröstlich. „Die ­Gesamterlöse gingen mit minus 3 % nun das dritte Jahr in Folge zurück, was die schwierige Lage der Branche unterstreicht“, schreibt Jan Schildbach, Leiter des Bereichs Banken, Finanzmärkte und Regulierung bei Deutsche Bank Research, in einem Kommentar.

In der Hoffnung, dass wieder bessere Zeiten kommen würden, hatten die europäischen Banken lange gezögert, ihre Pro­bleme anzugehen. Doch die Jahresabschlüsse 2013 zeigen, dass sie jetzt ernst machen. Die Verwaltungsaufwendungen, inklusive der Personalaufwendungen, wurden um 4 % gegenüber dem Vorjahr reduziert. Positiv auf die Gewinn- und Verlustrechnung wirkte sich auch eine um 3 % niedrigere Risikovorsorge aus. Unterm Strich konnten die Euro-Banken ihre Gewinne gegen­über dem miserablen Vorjahresniveau um ein Fünftel steigern. Allerdings erzielten die 22 größten europäischen Banken damit zusammen einen Jahresüberschuss von nur 21 Mrd. Euro – bei einer Bilanzsumme von 20 Bill. Euro. Zum Vergleich: Alle US-Banken zusammen kamen auf 155 Mrd. US-Dollar Gewinn bei einer Bilanzsumme von insgesamt 14,7 Bill. US-Dollar. Zumindest die Zahl der defizitären Großbanken in Europa sank auf nur noch fünf, gleichzeitig erreichten sechs Institute ohne Berücksichtigung von Einmal­effekten eine Rendite nach Steuern (ROE) von über 8 %.

Im Rahmen des Restrukturierungsprozesses bauen die europäischen Banken in erheblichem Umfang Risikoaktiva ab. Dass die Bilanzsumme bei den 22 größ-
ten Banken um erstaunliche 10 % oder 2,3 Bill. Euro sank, im ­gesamten Bankensektor in der Europäischen Union dagegen nur um 7%, deutet darauf hin, dass der Anpassungsbedarf und der regulatorische Druck bei den großen Instituten größer sind als bei den kleineren Banken. Mittlerweile haben die meisten Großbanken aber keine Probleme mehr, die Kapitalanforderungen nach Basel III zu erfüllen. Die harte Kernkapitalquote stieg auf durchschnittlich 10,8 %.

Börse honoriert die Tabula rasa

Für viele Banken scheint es fast zur Regel geworden zu sein, im letzten Quartal eine Art Großreinemachen durchzuführen, so Analyst Schildbach. Sie packen viele außerordentliche Belastungen, zum Beispiel Rückstellungen für Altlasten oder Rechtsstreitigkeiten, in die Q4-Ergebnisse, statt sie ins neue Jahr mitzuschleppen. Besonders gründlich „durchgewischt“ hat zum Beispiel die italienische Unicredit: Das Bankhaus hat wegen Pro­blemen in der heimischen Wirtschaft und bei ihrem Osteuropa-Engagement im vierten Quartal milliardenschwere Abschreibungen und eine hohen Risikovorsorge vorgenommen. Das führte allein im Schlussquartal zu einem Verlust von 15 Mrd. Euro und im ganzen Geschäftsjahr von fast 14 Mrd. Euro. Die Unicredit-Tochter HypoVereinsbank verarbeitete die Rückstellungen für die Schließung von etwa der Hälfte ihrer ­Filialen plus eine Reduzierung der Belegschaft um 1 500 Mitarbeiter, die in den kommenden zwei Jahren durchgezogen wird, komplett im Jahresabschluss 2013 und ist nun weit­gehend unbelastet ins Jahr 2014 gegangen. Die Börse finde Gefal­len an solchen Aktionen. Die ­Aktie der Unicredit ging seit der Bekanntgabe der Tabula-rasa-Maßnahmen steil aufwärts.

hp

10.05.2014 | 14:10

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