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Jürgen Herter, Leiter Private Banking und Sprecher der Niederlassungsleitung Deutschland der Walser Privatbank.

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Mit Risikoprofiling zum Anlageerfolg

Unter Risiko versteht jeder Anleger etwas anderes. Aber nicht nur das: In der Regel überschätzen sich die Investoren dabei. Die Walser Privatbank versucht, mit einem ausgefeilten Instrument, die Beurteilung zu objektivieren.

Wahrlich, die Situation ist verfahren. Auf der einen Seite klettern der Deutsche Aktien­index und die wichtigsten US-amerikanischen Aktienindizes Dow Jones und S&P 500 auf neue Höchststände. Mit dem Anziehen der Konjunktur und der weiter-hin sehr expansiven Geldpolitik kommt das Vertrauen in die ­Finanzmärkte langsam zurück. Auch in Europa scheint das Gröbste vorüber zu sein. Spanien konnte mit einem Miniwachstum im dritten Quartal überraschen, nachdem Spaniens Wirtschaft neun Quartale hintereinander schrumpfte. Auch wenn noch viele Herausforderungen bewältigt werden müssen, scheint die schwierigste Phase in Europa ausgestanden zu sein.

Auf der anderen Seite geht dieser Börsenaufschwung laut den letzten Statistiken vom Deutschen Fondsverband (BVI) am Großteil der Anleger vorbei. So ziehen Anleger im Jahr 2013 sogar Geld aus Aktienfonds ab. Im Jahresverlauf flossen bis zum 31. August 2013 1,7 Mrd. Euro aus Ak­tienfonds in Deutschland ab, was so gar nicht zu der aktuellen Ak­tienmarktentwicklung passt. Bei rekordniedrigen Zinsen bevorzugen Anleger Renten, die einen Mittelzufluss von mehr als 9 Mrd. Euro verzeichnen können. Dabei liegt die Verzinsung von zehnjährigen deutschen Staatsanleihen seit dem Jahr 2011 unterhalb von 2 % und bietet demzufolge nur noch wenige Renditechancen. Nach fünf Jahren Niedrigzinspolitik der Zentralbanken könnte sich mittelfristig auch ein Ende der ­expansiven Geldpolitik ankündigen, was die Rendite von festverzinslichen Wertpapieren ansteigen und bei lang laufenden Anleihen zu Kursverlusten führen kann. Deshalb bevorzugen wir seit geraumer Zeit kurz laufende Anleihen von Ländern mit hoher Bonität.

Der Blick auf die Kapitalmärkte macht wieder einmal deutlich, dass eine breite Streuung über verschiedene Anlageklassen von zentraler Bedeutung ist. Im Augenblick profitieren Anleger noch von der guten Vergangenheitsperformance von Anleihen, die jedoch nicht ins Unendliche weitergeschrieben werden kann. Aktien hingegen stechen mit moderat günstigen Bewertungen und einer sich verbessernden Konjunktur hervor. Aber es gilt, nicht kopflos in Aktien zu investieren und Anleihen abzustoßen, sondern es gilt, Portfolios gemäß der Risikobereitschaft des Anlegers zusammenzustellen. Mit einem Portfolio aus Aktien, kurz laufenden Anleihen sowie einer Beimischung alternativer Anlagen können Anleger ihre Vermögenswerte mittel- bis langfristig vor Wertverlust schützen.

Die tägliche Beratungspraxis hat uns gezeigt, dass die tatsäch­liche Risikobereitschaft häufig von der angegebenen abweichen kann. Unter der Risikobereitschaft wird die Kursschwankungs­toleranz verstanden, die ein Anleger bereit ist zu akzeptieren, um Gewinn zu erwirtschaften. Eine fehlerhafte Bestimmung der Risikobereitschaft kann fatale Folgen für den Anleger haben. Gerade in Phasen des Börsenabschwungs waren selbst risikoaffine Anleger nicht vor Panikverkäufen gefeit. Deshalb nutzen wir schon seit dem Jahr 2010 ein besonderes Online-Tool, den RiskProfiler von FinaMetrica, der nach einem wissenschaftlich fundierten Ansatz die individuelle Risikobereitschaft misst. Der RiskProfiler ist ein fragebogen­basiertes Instrument, das seit 15 Jahren im englischsprachigen Raum erfolgreich eingesetzt wird.

Die Messung der individuellen Risikobereitschaft ist deshalb sinnvoll, da viele Anleger ihre ­eigene ­tatsächliche Risikobereitschaft überschätzen. Das aus der Verhaltensökonomik bekannte Phänomen führt dazu, dass An­leger ihre Toleranzschwellen gegenüber Kursschwankungen zu großzügig setzen. Daher gilt: Wenn der Risikograd des Depots zur persönlichen Risikobereitschaft passt, werden sich die Kunden mit der Anlage wohlfühlen. Die Anleger werden dann im Fall des Falles eben nicht emotional reagieren und zum falschen Zeitpunkt panikartig verkaufen. Dies ist ein Verhalten, das dem mittel- bis langfristigen Vermögensaufbau und -erhalt entgegenwirkt.

So erstaunt es nicht, dass der RiskProfiler nicht nur nach Risikoneigung bei Investments fragt, sondern auch auf ganz andere Bereiche der finanziellen Lebenssphäre des Kunden abzielt. Dabei geht es um die Gemütslage nach Entscheidungen, um Verunsicherung bei Wertverlusten, aber auch um die Einstellung zum Spannungsfeld Arbeitsplatzsicherheit versus Gehaltssteigerung. Aus diesen Daten entsteht ein Gesamtbild der individuellen finanziellen Risikobereitschaft.

Konkret erfolgt die Einordnung in eine von sieben Risikoklassen, für die dann jeweils produktneutrale Musterportfolios hinterlegt werden. Die niedrigste Klasse 1 besteht zum Beispiel ausschließlich aus Investments mit geringer Risiko- und Ertragserwartung. Portfolio 5 umfasst 50 % Anlagen mit hoher, 40 % mit mittlerer und 10 % mit niedriger Risiko- und Ertragserwartung. In der aktuellen Niedrigzinsphase kommen Anleger nach unserer Meinung an einer Aktienbeimischung nicht vorbei. Mit der Anwendung des RiskProfiler lässt sich der optimale Anteil der Ak­tienquote bestimmen, der zur individuellen Risikobereitschaft passt. Nach unserer Erfahrung haben Anleger mit der richtigen Einschätzung der tatsächlichen Risikobereitschaft langfristig einen höheren Anlageerfolg und sind deshalb mit ihren Investitionen zufriedener. Die Kenntnis der individuellen Risikobereitschaft bereitet gründlicher auf mögliche Entwicklungen der Vermögensanlage vor.

Jürgen Herter, Leiter Private Banking und Sprecher der Niederlassungsleitung Deutschland der Walser Privatbank.

03.02.2014 | 17:53

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