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Am aktuellen Goldrausch sind Zweifel angebracht

Die Coronakrise lässt Anleger in Gold flüchten. Die Preise für das Edelmetall steigen immer weiter. Doch Gold taugt als Geldanlage nur bedingt. Zunächst einmal ist es totes Kapital.

Das goldene Metall, es ist wieder in aller Munde. Und damit zurück, in allerhand Depots. Der Corona-Pandemie sei Dank – zumindest im Hinblick auf erstere Feststellung. Anleger schließlich haben Gold schon seit längerem neu für sich entdeckt. Nachdem der Preis für eine Feinunze über Jahre hinweg in einer volatilen Seitwärtsbewegung festhing, es nie über die 1.400-US-Dollar-Marke schaffte und gleichzeitig oftmals nach unten, in Richtung der 1.000 Dollar, wanderte, begann im September 2018 ein bis heute ungebrochener, steiler Anstieg. Nur der Corona-Crash zwang auch den Goldpreis kurzzeitig in die Knie, doch nach wenigen Wochen war das Vorkrisenniveau übertrumpft. In Euro markierte der Goldkurs im Mai ein neues Allzeithoch. In Dollar kletterte der Preis Ende Juni auf den höchsten Wert seit 2012. Mit einem hohen Goldanteil im Depot kam man – da gibt es keine zwei Meinungen – exzellent durch die Krise.

Damit ist das Edelmetall seinem Ruf als Krisenwährung und sicherem Hafen einmal mehr gerecht geworden. Wer zum Crash-Tief an den Märkten Gold kaufte, der hat die großen Aktien-Indizes alle geschlagen. Ausgehend von September 2018 und in Dollar gerechnet, ist der Preis für das Edelmetall inzwischen sogar um 47 Prozent gestiegen. Auch das ist eine weit bessere Wertentwicklung, als beispielsweise die des Dax im gleichen Zeitraum, welche in etwa bei null Prozent liegt. Auch ohne den Corona-Einbruch wären Anleger mit Gold zuletzt besser beraten gewesen, als mit einem ETF auf den Dax.

ETFs halten so viel Gold wie nie zuvor


Das schafft Aufmerksamkeit und so sehen immer mehr Experten den Preis schon bald weitere Rekordhöhen erklimmen. Ray Dalio, Gründer von Bridgewater Associates, dem größten Hedgefonds der Welt, hält Kursgewinne bis 2.000 US-Dollar für wahrscheinlich. Der Lichtensteiner Vermögensverwalter Incrementum hat in seiner „In Gold We Trust“-Studie sogar einen Preis von 4.800 US-Dollar bis zum Jahr 2030 errechnet. Und mit dem wohl auf absehbare Zeit sehr niedrigen Realzinsniveau, einer Weltwirtschaft in der Rezession und einem mittelfristig steigendem Inflationsrisiko, gibt es freilich auch genügend logische Gründe für positive Preisexplosionen.

Der US-Investmentbank Goldman Sachs gilt die Inflation sogar als Schlüsselfaktor. Steigt die Rate über zwei Prozent, erwartet die Bank einen deutlichen Sprung des Goldpreises auf über 2.000 Dollar. Andernfalls könnte diesem jedoch auch wieder eine starke Korrektur wie im Jahr 2013 folgen. Alles in allem ist man aber auch bei Goldman Sachs optimistisch und traut dem Goldkurs auf Sicht von sechs Monaten einen Anstieg auf 1.900 Dollar zu.

Das World Gold Council vermeldete jüngst einen Rekord, was die Zuflüsse in Gold hinterlegte ETFs angeht. In den ersten fünf Monaten des Jahres sollen diese 154 Tonnen Gold erworben haben. Und damit schon mehr, als in allen Gesamtjahren zuvor. Insgesamt hielten die Indexfonds Ende Mai 3.510 Tonnen Gold im Wert von 195 Milliarden Dollar – auch das ist ein Rekord.

Die Euphorie überstrahlt die Risiken


Am Goldmarkt herrscht Euphorie. In dieser drohen Anleger jedoch zu übersehen, dass Gold zunächst einmal totes Kapital ist. Wer bei dem Edelmetall zugreift, ob nun in Form von Münzen, Barren oder Schmuck, kauft einen Wertgegenstand. Und bei einem ETF eine Wette auf den Goldpreis. Nicht mehr, nicht weniger. Gold wirft keine Dividenden oder Mieten ab und damit auch keine planbaren Renditen. Dazu kann ein Rohstoff nicht „wachsen“, seinen Wert von innen heraus also nicht steigern, womit die Wertentwicklung zu einem großen Teil von der Stimmung am Markt abhängt. Freilich auch von Angebot und Nachfrage, die neben dem Verbrauch in der Industrie aber auch wieder von der Stimmung am Markt geprägt werden. So lässt sich zwar herrlich spekulieren, im Negativszenario verpasst man jedoch jahrelang anderswo Renditen. Bliebe die Möglichkeit auf Goldminenkonzerne zu setzen. So kauft man sich jedoch immer auch das allgemeine Aktienmarktrisiko mit ein und investiert am Ende in ein Bergbauunternehmen, nicht in den Rohstoff Gold.

Notenbanken könnten den Goldpreis erneut abstürzen lassen


Einmal davon abgesehen hatten Christine Lagarde, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) und Federal Reserve-Chef, Jerome Powell, mit der Coronakrise ihren Whatever-It-Takes-Moment. Wenn diese Krise eines klar gemacht hat, dann das, dass die beiden Notenbanken stets ihr möglichstes tun werden, um das Finanz- und Wirtschaftssystem vor dem Kollaps zu bewahren.  Diesmal eilte zudem die Fiskalpolitik mit Rekord-Rettungspaketen zur Hilfe. Auch deshalb konnten sich die Märkte so schnell erholen, was dem Goldpreis zunehmend gefährlich werden könnte. Als Mario Draghi 2012 sagte, die EZB werde alles tun, was nötig sei, um den Euro zu erhalten, rauschte der Goldpreis in den Monaten darauf fast im freien Fall nach unten. Hinzu kommt: Obwohl die Corona-Pandemie global gesehen ihren Höhepunkt noch immer nicht erreicht haben dürfte, macht sich vielerorts Optimismus breit, dass die Krise – zumindest aus wirtschaftlicher Sicht – schneller überwunden werden könnte, als noch im März oder April gedacht. Der Krisenbonus könnte Gold peu à peu etwas abhanden kommen.

Bei den gegenwärtig hohen Preisen noch zu kaufen, bringt entsprechend Risiken mit sich. Dazu finden sich ob des Goldrauschs nun auch allerhand unseriöse Prognosen und Studien am Markt, da viele Händler, aber auch Investoren, das große Geschäft wittern. Wo viele Privatanleger Sicherheit sehen, könnten am Ende wieder einmal Großinvestoren kräftige Gewinne auf deren Kosten machen. Wo Emotionen wie Angst und Furcht die Geldanlage dirigieren, ist es Spekulanten oder Hedgefonds oft ein leichtes, Preise nach oben zu treiben um dann – bevor sie vor fallenden Kursen warnen – auf dem Höhepunkt zu verkaufen.

Gold ist nicht sicher – Nur sicherer

Apropos Sicherheit. Die gibt es nie, auch nicht bei Gold. Da ist zum einen die Gesetzeslage. Regierungen können Goldbesitz verbieten oder ihn nur noch in bestimmten Mengen zulassen. Auch eine saftige Besteuerung ist denkbar. Die Geschichte kennt zahlreiche Beispiele. So wurden Goldverbote beispielsweise 1923 in der Weimarer Republik verhängt, 1933 in den USA und 1936 in Frankreich, aber auch in Indien 1963. 1973, vor nicht einmal 50 Jahren also, galten in 120 Ländern Restriktionen. Greift der Staat ein, ist das Gold auch im Bankschließfach nicht sicher. Dazu besagt das Kreditwesengesetz, dass „bei Gefahr“, insbesondere der „Insolvenzgefahr“ eines Geldhauses, dieses sein Bankgebäude schließen darf. Wann der Kunde in einem solchen Fall wieder an seine Wertgegenstände darf, entscheidet die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). So wäre es zumindest temporär nicht möglich seinen Goldbesitz zu veräußern.

Goldkauf: Das „Warum“ entscheidet

Wer Gold kauft, sollte sich im Klaren sein, wieso er es tut. Trotz der genannten Unsicherheiten bleibt das Metall im Vergleich ein „sicherer Hafen“ und hat durch seine natürliche Knappheit im Gegensatz zu Papiergeld immer einen Wert. Wer Gold also zum Schutz des eigenen Vermögens kauft, der braucht sich nicht darum scheren, dass Gold historisch gesehen nur halb so viel Rendite eingebracht hat wie Aktien. Dazu schwindet in Zeiten niedriger Zinsen der Nachteil des geringen Ertrags. Wer jedoch Gewinne erzielen oder planbare Ausschüttungen generiert haben will, der sollte ein Gold-Investment gut durchdenken. Der Preis des Edelmetalls bleibt im Großen und Ganzen eine Glaubensfrage.   

OG

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03.07.2020 | 13:17

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