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Das Gipfelkreuz auf dem Chemie-Olymp. (Bild: Bayer)

Nun hat Bayer das Sagen: Monsanto hat der Übernahme zugestimmt. (Bild: Monsanto)

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Bayer schnappt sich Monsanto

Jetzt ist Bayer eigentlich auf dem Chemie-Olymp. Wie das Unternehmen bekanntgab, hat Monsanto ein neues Übernahmeangebot akzeptiert. Bayer muss dafür noch einmal tief in die Tasche greifen – und schreibt Geschichte. Doch die Anleger sehen das bislang anders. Die Bayer-Aktie kommt nicht vom Fleck, nachdem sie direkt nach Bekanntgabe des Monsanto-Deal mit knapp zehnprozentigem Verlust abgestraft worden war..

Vier Monaten dauerten die Verhandlungen zwischen dem Chemieriesen Bayer und dem amerikanischen Saatguthersteller Monsanto. Doch zur Wochenmitte ist den Deutschen ein Durchbruch gelungen. Beide Konzerne haben den Kauf bestätigt, aber noch keine Einzelheiten zum weiteren Vorgehen mitgeteilt.

Auslöser für die neue Entwicklung ist ein weiteres, verbessertes Angebot von Bayer. Demnach bietet Bayer nun 128 Dollar in bar je Anteilsschein und damit noch einmal 0,5 Dollar mehr als beim bisher letzten Angebot. Das entspricht einem Gesamtvolumen von 66 Milliarden Dollar. Zudem hat Bayer zugesichert, Monsanto zwei Milliarden Dollar Entschädigung zu zahlen, sollten die Kartellbehörden dem Deal nicht zustimmen. Das erste Angebot von Bayer lag bei 122 Dollar pro Anteilsschein.


Ein historischer Deal

Entscheidend für die abermalige Erhöhung des Angebots könnte sein, dass Bayer nach dem vergangenen Angebot Einsicht in die Bücher von Monsanto erhalten habe, was das amerikanische Unternehmen davor strikt verweigert hatte. Die Übernahme indes ist historisch: Sie ist nicht nur die größte Unternehmensübernahme im laufenden Jahr, sondern auch die größte Übernahme eines Unternehmens überhaupt, die rein mit Barmitteln bezahlt werden würde.

Bevor die Übernahme bekanntgegeben werden konnte, mussten noch die Verantwortlichen der beiden Unternehmen ihre Zustimmung zu dem Deal geben. Der Monsanto-Verwaltungsrat hat bereits gestern seine Zustimmung gegeben. In einer Sitzung des Bayer-Aufsichtsrates heute wurde der Deal besiegelt.

Zuletzt war die Erhöhung des Übernahmeangebots von den Bayer-Aktionären nicht gut aufgenommen worden. Viele halten die Übernahme insgesamt für zu kostspielig, obwohl Experten den Deal aus strategischer Sicht für sinnvoll halten. Mit dem Kauf von Monsanto wird Bayer zum Weltmarktführer in der Agrarchemiebranche und sichert sich weitere Absatzmärkte. Der Preis von 128 Dollar spricht zudem für das Verhandlungsgeschick der Leverkusener. Analysten hatten zuletzt gemutmaßt, dass Bayer mindestens zwischen 130 und 135 Dollar je Aktie zahlen müsste, damit die Amerikaner einer Übernahme zustimmen. Am Morgen legte die Bayer-Aktie daher auch mit 2,75 Prozent auf 96,05 Euro zu und war damit Spitzenreiter im DAX.

Nach der Übernahme droht dem Konzern nun allerdings ein schlechteres Kreditrating. Die Agentur Standard & Poors hatte Bayer bereits nach Bekanntwerden der Übernahmepläne auf die sogenannten Creditwatch-Liste mit negativer Implikation gesetzt. Das bedeutet, dass die Agentur eine Herabstufung prüft. Wie es in einer aktuellen Mitteilung heißt, werde S&P Bayer wieder von der Beobachtungsliste nehmen, sobald man sich über die Auswirkungen der heutigen Fusion im Klaren sei. Aktuell wird Bayer mit A- bewertet. Sollte es zu einer Herabstufung kommen, würde diese sich laut den Experten von S&P im Rahmen von zwei Stufen bewegen. Bayer selbst hatte bei Abschluss der Verhandlungen allerdings betont, weiter ein Rating im Investment-Grade-Bereich anzustreben. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass der hohe Cashflow des zusammengeführten Geschäfts das Finanzprofil von Bayer verbessern wird. Robin Schenkewitz

14.09.2016 | 14:41

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