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BIZ warnt vor Fehlentwicklungen auf Kapitalmärkten

In ihrem aktuellen Bericht warnt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich vor Fehlentwicklungen an den Kapitalmärkten. Diese würden sich zunehmend von der Realwirtschaft abkoppeln. Droht ein zweiter Crash?  

Die wirtschaftlichen Aussichten bleiben schlecht. Und trotzdem erholen sich die Kurse an den Aktien- und Anleihenmärkten seit dem Corona-Crash im Frühjahr fast flächendeckend. Laut dem aktuellen Quartalsbericht der in Basel ansässigen Bank für Internationalen Zahlungsverkehr (BIZ) sei vor allem die expansive Geld- und Fiskalpolitik für die Entwicklung an den Finanzmärkten verantwortlich.  

Nach Ansicht der BIZ-Ökonomen passen die Entwicklungen an den weltweiten Aktienmärkten, aber auch an den Märkten für Unternehmensschulden, nicht zu den nach wie vor existierenden großen Risiken in der Realwirtschaft. In vielen Staaten ist das Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Quartal um 20 bis 30 Prozent geschrumpft. Berechnet auf das Gesamtjahr wird die Weltwirtschaft laut OECD bis Ende 2020 um sechs Prozent geschrumpft sein – so stark wie nie in Friedenszeiten seit mehr als 100 Jahren.

Unternehmen viel zu gut bewertet

Vor allem in China und den USA sind die Aktienkurse besonders stark gestiegen. So hat der S&P500 bereits im August sein bisheriges Allzeithoch vom Februar übertroffen. Weil es an realwirtschaftlichen Grundlagen fehlt, die eine derart hohe Bewertung rechtfertigen würden, schlägt die BIZ jetzt alarm: „Angesichts zahlreicher Indikatoren fällt es schwer, die deutliche Diskrepanz zwischen den Preisen riskanter Vermögenswerte und den wirtschaftlichen Perspektiven nicht zu erkennen“, so BIZ-Chefvolkswirt Claudio Borio. Jüngste Kurseinbrüche seien darauf zurückzuführen, dass immer mehr Anlegern das Auseinanderdriften von Unternehmensbewertungen und der wirtschaftlichen Verfassung gleicher Unternehmen realisierten. Die jüngsten Kurskorrekturen an den Aktienmärkten bewertet die BIZ positiv.  

Ebenfalls ungewöhnlich seien die Entwicklungen auf den Märkten von Unternehmensschulden. Die Zinsaufschläge aller Schuldnerkategorien sind deutlich gesunken, während das Risiko gestiegen ist. Gewöhnlich wäre diese Entwicklung bei niedrigeren Risiken. Die Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen, sogenannte Spreads, seien so niedrig wie noch nie – obwohl die Kreditqualität deutlich gesunken sei.

Börsen von wenigen Titeln abhängig

In erster Linie werden die Kurse vom Technologiesektor in den USA getrieben, insbesondere von Apple, Amazon, Microsoft, Alphabet, Facebook und Tesla. Seit Mitte Februar haben die Kurse dieser Tech-Firmen rund 40 Prozent zugelegt. Zu den Gewinnern zählten außerdem Pharmawerte, während die Titel von Banken, Immobilienunternehmen oder Energieversorgern die Verluste seit damals noch immer nicht aufgeholt haben.

Zudem verstärke der massive Einsatz sogenannter Call-Optionen den aktuellen Trend. Bei einer Call-Option hat der Optionsnehmer das Recht auf den Kauf von Wertpapieren zu einem festgelegten Preis zu einem festgelegten Zeitpunkt. Wie die BIZ im Bericht festhält, führen die massenhaften Käufe dieser Optionen zu einem sich noch verstärkenden Aufwärtstrieb bei den Aktienkursen. Was nach oben funktioniert, funktioniert aber genauso nach unten. Heißt: Auch bei Kursstürzen können diese sich selbst verstärkenden Effekte eintreten und damit starke Kurseinbrüche nach sich ziehen. Allein die aller Voraussicht nach lange anhaltenden Tiefstzinsen dürften den Ansturm auf die riskanten Call-Optionen weitertreiben. Denn viele Anleger gehen aktuell davon aus, dass Kurse ohnehin nur steigen können. Das Risiko scheint gering. Diese Annahme könnte gefährlich sein.

BAS

 

 

17.09.2020 | 09:40

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