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Daimler-Chef Dieter Zetsche und Xu Heyi, Chairman der BAIC Group, besiegeln einen umfangreichen Deal zum Ausbau der Fertigung in China. (Foto: Daimler)

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China-Fantasie für Daimler-Aktie

Die Geschäfte laufen glänzend. Doch der Aktienkurs schwächelt. Nun macht Daimler die große Tür nach China auf. Ein strategischer Schritt nach vorn.

China ist der größte Automarkt der Welt – und für die deutschen Hersteller ein Wachstums- und Gewinngarant. Nur Daimler hat sich bisher schwergetan im Reich der Mitte – und damit entwickelt sich auch die Aktie relativ schwächer als die der Konkurrenz. Damit sich das endlich ändert, wagt der Autokonzern nun einen Riesenschritt nach Osten und will seine Position in China mit einem neuen Milliarden-Deal festigen. Die Stuttgarter und ihr chinesischer Partner Beijing Automotive (BAIC) haben eine Vereinbarung zum Ausbau der Kompaktwagen-Fertigung im Gemeinschaftsunternehmen Beijing Benz (BBAC) unterschrieben. Bei BBAC werden bis 2015 insgesamt rund 4 Mrd. Euro investiert, davon rund 1 Mrd. Euro allein in die Lokalisierung weiterer Mercedes-Benz-Kompaktmodelle.

Dieter Zetsche, Vorsitzender des Vorstands der Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars: „Die nun unterschriebene Vereinbarung zeigt unser langfristiges Bekenntnis zur strategischen Partnerschaft mit BAIC sowie unser Zukunftsvertrauen in den Schlüsselmarkt China, der enormes Potenzial für Premium-Kompaktfahrzeuge hat. Mit unserer Investition in die lokale Fertigung ebnen wir den Weg für weiteres nachhaltiges Wachstum.“ Mit über 2 Mio. abgesetzten Fahrzeugen 2013 ist die BAIC Group Chinas fünftgrößtes Automobilunternehmen und wird in den Fortune 500 der weltgrößten Unternehmen geführt.

Auf den Weltmärkten brummt es

Mit der neuen China-Offen­sive wollen die Stuttgarter verhindern, dass die guten Zahlen der jüngsten Quartale nun nicht abreißen. Im September feierten sie einen neuen Verkaufsrekord. Niemals zuvor verkaufte der Stuttgarter Automobil- und Nutzfahrzeughersteller so viele Autos in einem Monat. Der Absatz der Marke Mercedes-Benz steigerte sich im Vergleich zum Vorjahresmonat um knapp 14 % auf 162 746 Fahrzeuge. Besonders das starke China-Geschäft trug maßgeblich zum Erreichen der Rekordmarke bei. So konnte das schwäbische Traditionsunternehmen im September ein Absatzplus von fast 24 % in China verzeichnen. Aber auch in Europa sowie Nordamerika läuft es derzeit richtig rund. In den vergangenen neun Monaten realisierte die Daimler-Pkw-Sparte Zuwachsraten von 8 %.

Einen nicht unerheblichen Anteil am derzeitigen Erfolg haben die neuen Modelle der Stuttgarter. Die Erfolge der neuen E-Klasse, des CLA oder des GLA beweisen, dass die innova­tive Designsprache sehr gut angenommen wird. Kunden können sich durch diese optisch von der Masse abheben. Außerdem spricht das neue Design gerade jüngere Menschen an und öffnet die Marke für neue Zielgruppen. So gelang es mit den Modellen der Kompaktklasse, zu denen neben dem CLA und dem GLA auch die neue A- und B-Klasse gehört, das Durchschnittsalter der Mercedes-Käufer um rund zehn Jahre zu senken. Diese Frischzellenkur war dringend nötig, drohte Daimler doch zur Rentnermarke zu werden, da die Käufergruppe im Schnitt über 50 Jahre alt ist.

Nun peilt Daimler durch die Erhöhung der Modellattrakti­vität für jüngere Kunden ­eine Steigerung der langfristigen Kundenbindung an. Mercedes-Benz-Kunden sind nämlich die loyalsten in der Autobranche. „Wenn sich also ein 30-Jähriger für einen CLA entscheidet, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er bei Mercedes-Benz bleibt und sich später mal eine C- oder E-Klasse leistet“, hofft Mercedes-Vertriebschef Ola Källenius.

Die Öffnung der Marke für jüngere und neue Zielgruppen beschert Mercedes-Benz einen Top-Platz in dem jüngst veröf­fentlichten Ranking des renommierten US-Markenberatungsunternehmens Interbrand. Demnach steigt die Marke mit dem Stern auf Rang 10 der wertvollsten Marken weltweit. Kein anderes europäisches Unternehmen ist so weit oben platziert. Damit untermauert Daimler seinen Anspruch, die wertvollste Premium-Automobilmarke der Welt zu sein. Der Markenwert wuchs im Vergleich zum Vorjahr um 8 % auf 34,34 Mrd. US-Dollar und ist somit seit 2009 kontinuierlich gestiegen.

Die Anleger haben Angst vor den Krisen

Die Aktie allerdings kann diese Steilvorlage derzeit nicht aufnehmen. Der gesamte Dax befindet sich auf dem Weg nach unten, und auch die Daimler-Aktie hat den Rückwärtsgang eingelegt. Anleger befürchten durch die politischen Krisenherde und die unsichere Konjunktur in Europa negative Auswirkungen auf die Automobilbranche. In Russland etwa wurden in diesem Jahr deutlich weniger Autos verkauft. Allerdings konnte Mercedes-Benz dort trotz des rückläufigen Gesamtmarkts 20 % mehr Autos als im Vorjahreszeitraum absetzen. Dennoch ist auch der schwäbische Weltkonzern vor künftigen Absatzeinbrüchen nicht gefeit, sollten die globalen politischen Spannungen weiter anhalten.

Die Analysten werden trotzdem nicht müde, neue Kaufempfehlungen für die Daimler-Aktie auszusprechen. Die Deutsche Bank hat die Einstufung für Daimler auf „Buy“ mit einem Kursziel von 75 Euro gesetzt. Der US-Markt entwickle sich weiterhin sehr stark. Daimler sei derzeit in der Branche wohl am besten positioniert. Die französische Investmentbank Exane BNP Paribas hat die Einstufung mit einem Kursziel von 76 Euro belassen. Die Marktschätzungen für die europäischen Automobilkonzerne dürften in den kommenden Monaten sinken, schrieb Analyst Stuart Pearson. Doch der Zeitpunkt, Kursschwächen zum Kauf zu nutzen, sei inzwischen nah. Also bleibt die Aktie trotz der unwägbaren politischen Risiken und des schwächelnden Gesamtmarkts in den Augen der meisten Experten dank der aktuellen operativen Erfolge, der gigantischen Markenkraft und der neuen Perspektiven in China attraktiv.

WIM

19.11.2014 | 10:29

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