Anzeige
Eon gliedert Uniper aus

Goodbye, gute alte Zeit: Eon ist aufgespalten (Bild: Fotolia / were)

Anzeige

Eon vollzieht Kernspaltung

Der Energieriese Eon hat die Aufspaltung in zwei Teile mit einer überwältigenden Mehrheit von 99,7 Prozent beschlossen. Kernkraft und alte Energie hier, grüne und erneuerbare Energie dort. Die Anteilseigner sehen zu dem kühnen Plan keine Alternative – zu groß ist die existenzielle Not des Konzerns.

Während seiner Rede auf der Hauptversammlung richtete Eon-Chef Johannes Teyssen einen eindringlichen Appell an die Aktionäre: „Unterstützen Sie uns heute mit Ihrer Zustimmung! Stimmen Sie der Abspaltung zu!“ Und die Anteilseigner folgten dem Aufruf mit einer geradezu überwältigenden Mehrheit. Letztlich sicherte sich Teyssen 99,7 Prozent der Stimmen der anwesenden Aktionäre. Sie haben dem wohl größten Experiment zugestimmt, das die deutsche Wirtschaft derzeit zu bieten hat: die Aufspaltung eines DAX-Konzerns in zwei Teile. Und der kühne Plan dürfte die Eon-Eigner überzeugen.

„Es ist der einzig richtige Schritt“, sagte Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung Institutioneller Privatanleger. Noch vor wenigen Jahren habe es kaum Hoffnung für Eon gegeben. „Heute haben wir ein Unternehmen, von dem ich den Eindruck habe, es fängt wieder an zu leben“, erklärte Buhlmann. Thomas Deser, Portfoliomanager von Union Investment, hält die Zweiteilung von Eon für „alternativlos, um beide Unternehmensteile für die nächsten Jahre über Wasser zu halten“. Deshalb erhalte die Strategie von Eon-Chef Teyssen seine volle Zustimmung. Und Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz erklärte: „Ich sehe auch keinen besseren Plan.“

Die Zäsur in Essen ist damit besiegelt. Für je zehn Eon-Aktien erhält jeder Aktionär ein Wertpapier von Uniper. Bereits im Dezember 2014 wurde der Strategiewechsel initiiert. Die Eon SE wird sich künftig voll auf das Geschäft mit der Energiewende (Sonne, Wind, Netze und Vertrieb) fokussieren, während sich die neue Gesellschaft Uniper, um das darbende Geschäft mit konventioneller Energie (Kohle, Gas, Energiehandel) kümmert.

Operativ arbeiten Eon und Uniper schon seit Jahresbeginn getrennt voneinander. Die Spaltung erfolgt aus einer Situation der Not heraus. Der Energieriese durchleidet die größte Krise in der Unternehmensgeschichte. Für das abgelaufene Geschäftsjahr meldet Eon einen Rekordverlust von rund sieben Milliarden Euro.

Das Kerngeschäft ist weg

Seitdem Solar- und Windkraft per Gesetz vorrangig ins deutsche Stromnetz eingespeist werden, bricht Energieversorgern wie Eon nichts weniger als das einstige Kerngeschäft weg: der Betrieb großer Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke. Schlimmer noch: Die Flut an grüner Energie lässt die Großhandelspreise für Strom erodieren. An der Leipziger Strombörse erhält Eon aktuell für eine Megawattstunde, die der Konzern im nächsten Jahr liefert, kaum mehr als 27 Euro. Ein Preis, bei dem sich der Betrieb großer Kraftwerke kaum noch rechnet. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren bekamen die Energieversorger noch gut 60 Euro für eine Megawattstunde Strom.

Eon und Uniper sind damit unter äußerst schwierigen Umständen gestartet. Vor allem die konventionellen Kraftwerke, die Uniper übernommen hat, müssen kämpfen. Die Renditen schmelzen und es ist kaum Besserung in Sicht. „Uniper ist eine riskante Wette auf steigende Strompreise“, kritisierte Aktionärsschützer Hechtfischer. Und Winfried Mathes von Deka Investments wollte wissen: „Wo liegt der Sexappeal von Uniper?“

Eon-Chef Teyssen hielt dagegen: „Wir sind überzeugt vom Potenzial und den Chancen von Uniper.“ Ohne ein stabiles Rückgrat, wie es die Uniper-Aktivitäten ermöglichen, funktioniere laut Teyssen das Energiesystem auch in den nächsten Jahrzenten nicht. „Allgemein wird anerkannt, dass beide Unternehmen selbständig weitaus bessere Zukunftsperspektiven haben als in der bisherigen Struktur.“ Kritik erntete Teyssen aber nicht nur wegen der mauen Perspektive für Uniper.

Aktionäre haben bis zum Schluss gezweifelt

„Der Verbleib der deutschen Atomkraftwerke bei Eon konterkariert die grüne Wachstumsstory“, sagte Portfoliomanager Thomas Deser. Dabei hätte Teyssen nur zu gerne die Kernenergiesparte ebenfalls auf Uniper übertragen. Doch die Politik machte ihm hier einen Strich durch die Rechnung. Die ansonsten grüne Eon bleibt für den Weiterbetrieb und Rückbau der Atommeiler verantwortlich. Zwischen- und Endlagerung des radioaktiven Mülls übernimmt allerdings der Staat. Dagegen protestierten vor dem Eingang der Grugahalle Umweltschützer.

„Alles spricht gegen Atomkraft außer die Aktionäre“, stand auf einem Plakat der Demonstranten. Oder: „Keine Dividende für Zechpreller.“ Denn trotzt des Rekordverlustes 2015 erhalten die Eon-Aktionäre 50 Cent pro Aktie als Dividende ausgeschüttet. Doch zu viel mehr Widerspruch kam es auf der Hauptversammlung von Eon nicht. Aufsichtsratschef Werner Wenning, der zum Ende der Hauptversammlung aus dem Gremium ausscheidet und an Ex-Merck-Chef Karl-Ludwig Kley übergibt, stärkte Eon-Chef Teyssen den Rücken.

„Mir ist während meiner langen beruflichen Tätigkeit kein Industriesektor bekannt geworden, der durch politische Einwirkungen derart in Mitleidenschaft gezogen wurde, wie die Energiewirtschaft“, ätzte Wenning. Er wolle zwar den „gesellschaftlich gewollten“ Atomausstieg nicht in Frage stellen. Aber die deutsche Politik habe mit „Aktionismus“ reagiert und „überstürzt“ die Energiewende herbeigeführt. Eon hätte auf diese Entwicklung allerdings als erstes Unternehmen reagiert.

Konzern-Chef Teyssen machte den Aktionären dennoch kaum Hoffnung auf sprudelnde Gewinne in naher Zukunft. Auch aufgrund der „enormen Belastungen“ des Atomausstiegs und dem Rückbau der Meiler müsse Eon geplante Zukunftsinvestitionen verschieben und „zusätzliche Kosteneinsparungen vornehmen“. Die Neuausrichtung des Energieriesen werde sich, so Teyssen, noch „ein Stück verzögern“. Handelsblatt / Jürgen Flauger / Franz Hubik

10.06.2016 | 20:16

Artikel teilen: