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Lars Brandau ist Geschäftsführer des Deutschen Derivate-Verbandes.

Lars Brandau ist Geschäftsführer des Deutschen Derivate-Verbandes.

Die Bayer AG sorgte zuletzt mit ihren Plänen zur Übernahme von Monsanto für viel Aufregung. (Foto: Bayer)

Die Bayer AG sorgte zuletzt mit ihren Plänen zur Übernahme von Monsanto für viel Aufregung. (Foto: Bayer)

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Chancen und Risiken im Übernahmefieber

Größe symbolisiert Stärke. Sie ist Ausdruck von Agilität und Schaffenskraft. Unternehmen wachsen, um sich im Wettbewerb zu behaupten und / oder dem Ziel der Marktführerschaft näher zu kommen. Insbesondere chinesische und US-amerikanische Unternehmen drehen am großen Fusionsrad. An diesem Trend lässt sich mitunter auch mit Hilfe spezieller strukturierter Wertpapiere teilhaben. 

Von Lars Brandau

Die Nachrichten in Sachen Übernahmeinteresse kamen zuletzt Schlag auf Schlag: Die Bayer AG will sich den US-Saatgutkonzern Monsanto einverleiben. Aus einer Fusion beider Konzerne würde dann wohl der größte Agrochemie-Konzern im Bereich Pflanzenschutzmittel werden; mit einem Weltmarktanteil von 24 Prozent. Ob es letztlich zu einer Übernahme kommt, weiß momentan noch niemand. Es geht um viel. Der Leverkusener Konzern ist global aufgestellt, beschäftigt weltweit mehr als 100.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete im zurückliegenden Geschäftsjahr einen Jahresumsatz von circa 46,3 Milliarden Euro. Ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 12 Prozent. Der Fusionskandidat Monsanto setzte im gleichen Zeitraum weltweit rund 15,0 Milliarden US-Dollar um. Zweifellos ein Kampf unter den Großen.

Bewegung bei den weltweiten M&A-Aktivitäten zeigt sich auch an anderer Stelle. So erhitzt die geplante Übernahme des Roboterherstellers Kuka durch den chinesischen Midea-Konzern die Gemüter. Der Kuka-Aktienkurs profitierte. Er ist zuletzt über die 100 Euro-Marke geklettert. Noch Ende Januar lag er bei unter 70 Euro. Die angestrebte Übernahme der Augsburger rief prompt Berliner und Brüsseler Politiker auf den Plan. Der deutsche Roboterhersteller sei „strategisch bedeutend für die europäische Industrie“. Nicht zum ersten und sich auch nicht zum letzten Mal, dass die Chinesen in Deutschland auf Einkaufstour gehen. So erwarb die chinesische Beteiligungsgesellschaft Fosun International im vergangenen Jahr 80 Prozent der Anteile an der Frankfurter Privatbank Hauck & Aufhäuser (H&K). Die Übernahme muss allerdings noch von der deutschen Finanzaufsicht Bafin abgesegnet werden.

Chinesen kaufen Europas Unternehmen

Deutsche Unternehmen sind beliebte Übernahmeziele, da sie oftmals sehr fair gepreist sind. Und insbesondere Chinesen erkennen ihre Chancen, günstig zuzugreifen. Allein 2015 gab es, laut Ernst & Young, 179 chinesische Akquisitionen in Europa, rund 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Seit einigen Jahren sind deutsche Unternehmen immer stärker im Fokus chinesischer Investoren. Noch in 2009 wechselten lediglich zwei deutsche Unternehmen in chinesische Hände. Der Wert der weltweiten Fusions- und Übernahmetätigkeiten (M&A) kletterte im zurückliegenden Jahr auf den höchsten je verzeichneten Stand. Insgesamt 89.440 Transaktionen im Wert von rund 6,0 Billionen US-Dollar wurden abgeschlossen. Ob die Übernahmen glücken und angestrebte Synergieeffekte tatsächlich eintreten, ist längst nicht immer garantiert. Unternehmen sind gewachsene Strukturen, die sich nicht von heute auf morgen ändern lassen. Und der kulturelle Einfluss in der Unternehmenslandschaft ist nicht zu unterschätzen. 

In jedem Fall können auch Privatanleger mit Hilfe von strukturierten Wertpapieren an diesen Mega-Fusionen zumindest indirekt teilhaben. Bereits vor mehr als zehn Jahren wurde beispielsweise das Partizipations-Zertifikat der Société Générale auf den SG M&A–Index aufgelegt. Das Ende 2009 emittierte Zertifikat auf den Corporate Event II Index der Deutschen Bank kann für Anleger durchaus eine Alternative sein; ebenso wie auch das Index-Zertifikat der UniCredit auf den Solactive M&A Europe Total Return Index. Dieser umfasst 40 Titel. Im Top-Ranking potenzieller Übernahmekandidaten finden sich aktuell insbesondere deutsche, französische und Schweizer Unternehmen. Anleger sollten grundsätzlich das Gespräch mit ihrem Berater vor Ort suchen, um sich über das jeweilige Chance-Risiko-Profil eines solchen Investments aufklären zu lassen.

Lars Brandau ist Geschäftsführer des Deutschen Derivate-Verbandes.

06.06.2016 | 15:25

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