Anzeige

Pikachu sitzt seit neuestem unter Parkbänken und neben Alleebäumen. (Bild: Nintendo)

Mega-Hype: Pokémon-Go (Bild: Nintendo)

Anzeige

Werkzeuge, Seltenheit und Pokémon Go

Es gibt zwei fundamentale Gründe, warum Vermögensgegenstände wie Aktien, Immobilien oder Anleihen einen Wert besitzen. Eine erfolgversprechende Vermögensanlage beginnt mit dem richtigen Verständnis hierüber. Eine Betrachtung von Björn Siegismund, dem Chief Investment Officer der Laransa PWM GmbH.

Vermögensgegenstände können nach ihrer Rendite-Risiko-Effizienz (Werkzeug) oder nach ihrer Seltenheit gepreist werden. Als Werkzeug dienen sie vorrangig dazu, nachhaltig Erträge zu erzielen. Assets mit dem Prädikat Seltenheit sollen vor allem durch weitere Nachfrage und damit durch steigende Preise einen positiven Beitrag liefern. Die Präferenz der Investoren für das eine oder das andere wechselt im Zeitablauf. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass Seltenheit nicht dauerhaft zu ökonomischem Wachstum führen kann.

Phänomen Pokémon Go und die Börsen

Mit Pokémon Go ist dem Hersteller Nintendo ein Coup im digitalen Spielemarkt gelungen. Seit dem Erscheinen Anfang Juli dieses Jahres kam es zu einem weltweiten Hype, bereits zwei Wochen nach dem Start in den USA wurde das Spiel von ungefähr 10,5 Millionen Amerikanern heruntergeladen. Gleichzeitig setzte ein Kaufrausch bei den Aktien des Herstellers Nintendo ein. Vor Veröffentlichung des Spiels notierten deren Aktien bei umgerechnet rund 125 Euro, keine zwei Wochen später waren sie mehr als doppelt so viel wert. Das Spiel hat damit in kürzester Zeit seinem Eigentümer einen größeren Zuwachs an Marktkapitalisierung beschert, als beispielsweise die Deutsche Bank mit seinen knapp 100.000 Vollbeschäftigten in 71 Ländern wert ist. Nintendo Aktien wurden zur Seltenheit, was zu dem enormen Kurssprung führte.

Was für Nintendo gilt, kann auch auf den ganzen Aktienmarkt zutreffen. Derzeit versuchen die weltweiten Notenbanken das aktuelle Wirtschaftssystem mit immer gigantischerem Gelddrucken am Leben zu erhalten. Diese Gelder fließen in die Kapitalmärkte und verursachen dort bei ganzen Anlageklassen einen Seltenheitseffekt. Besonders deutlich ist das bei Anleihen zu beobachten, wo heute ein Drittel aller globalen Staatsanleihen mit einer negativen Rendite handeln. In der Schweiz notieren sogar sämtliche Anleihen mit Minuszins, sogar diejenige mit 50-jähriger Laufzeit. Ein Werkzeug zur Einkommensgenerierung sind diese Anlagen schon lange nicht mehr. Aber auch in die weltweiten Aktienmärkte ist das billige Geld der Notenbanken geflossen. Inzwischen haben sich die Aktienkurse von dem nominalen Wirtschaftswachstum deutlich entfernt.

Crack-Up-Boom kann zu einem DAX-Anstieg auf über 20.000 Punkte führen

Einen anhaltenden Anstieg der Märkte, der trotz schlechten wirtschaftlichen Aussichten zu nominal und real stark steigenden Kursen führt, nennt man „Crack-up-Boom“. Eine solche Katastrophenhausse speist sich aus den Ängsten der Investoren vor einem Wertverlust ihrer Papierwährung. Insbesondere institutionelle Investoren versuchen dann, ihre Anleihen zu verkaufen und das Geld in Sachwerte umzutauschen. Dadurch trifft sehr viel Liquidität auf ein begrenztes Angebot von Aktien. Wie beim Beispiel von Nintendo steigen die Kurse dadurch sehr stark an.

Nun ist der Aktienkurs von Nintendo seit den Hochkursen Mitte Juli um aktuell ein Drittel gefallen. Der Faktor Seltenheit ist meist nicht von langer Dauer, die Kurse fallen sobald die Nachfrage beginnt nachzulassen. Gleiches gilt auch für die Katastrophenhausse. Für ein überschuldetes System, in dem wir leben, leitet der Crack-Up-Boom meist die finale Phase des bestehenden Systems ein. In welchem Stadium wir uns an den Kapitalmärkten aktuell befinden, kann niemand mit Gewissheit sagen. Es ist gut möglich, dass wir uns erst am Anfang einer Phase stark steigender Vermögenspreise befinden.

Realwerte wie Aktien und Immobilien sind zwar in historischen Maßstäben bereits teuer, der Faktor Seltenheit kann jedoch noch zu viel höheren Bewertungen führen (im Englischen als multiple expansion bezeichnet). Genauso gut denkbar ist, dass die Überschuldung zu Firmenpleiten und Rezessionen führt, die zu zwanghaften Verkäufen und einem Preisverfall a là Finanzkrise 2008 führt. Die aktuelle Bankenkrise in Italien, umfangreiche Kreditausfälle in China oder ein Auseinanderbrechen des EURO-Währungsraumes wären denkbare Katalysatoren hierfür. Beobachtet man aufmerksam die Finanzpresse, werden diese diametralen Meinungen der Analysten und Wirtschaftsfachleute deutlich.

Robuste Anlagestrategie für alle Szenarien

Wie bereits mehrfach an dieser Stelle erwähnt, steht für uns folgerichtig eine robuste Anlagestrategie an oberster Stelle. In guten Marktphasen wollen wir positive Erträge liefern, berücksichtigen aber auch die langfristigen Risiken. Mittels breiter Streuung bauen wir genügend Risikopuffer auf, um Krisen einigermaßen schadlos überstehen zu können. Neben den oben angesprochenen Realwerten wie Immobilien, Sachwertbeteiligungen und Qualitätsaktien nutzen wir auch Gold und Silber als eine Art Versicherung für die Portfolios unserer Mandanten. Hinzu kommen Absolute Return Bausteine, die in geeigneter Kombination eine stabile Wertenwicklung auch in unruhigen Marktphasen liefern können. Was wir aus guten Gründen vermeiden, ist die einseitige Spekulation auf das eine oder andere Szenario.

07.08.2016 | 12:15

Artikel teilen: