Anzeige

Markus Rieß, Vorstandsvorsitzender der Allianz Deutschland AG

Anzeige

Der neue starke Mann

Allianz: Der Versicherungskonzern stand auf seinem Kernmarkt unter erheblichem Druck. Marktanteile und Margen fielen bedenklich. Unter der Führung von Markus Rieß hat sich das geändert. Seit drei Jahren ist der Vorstandsvorsitzende der Allianz Deutschland im Amt und hat das Geschäft beeindruckend gedreht.

Als er vor drei Jah­ren Vorstandsvor­sitzender der Al­lianz Deutschland AG wurde, da schien das Amt in etwa so attraktiv wie der Job des Zahnarztes des Weißen Hais. Der Versicherungsriese plagte sich nicht nur mit fallenden Margen und Marktanteilen herum, er galt auch intern als vermachtet, ver­wöhnt, überorganisiert und selbstbissig, eigentlich als un­führbar. Markus Rieß sollte dem Haifisch die Zähne ziehen und ihn wieder schneller schwimmen lassen. Und mancher in der Bran­che wollte schon schadenfroh das Abenteuer mit blutigem Ausgang verfolgen.
Heute reiben sie sich ver­wundert die Augen. Denn die Al­lianz hat in Deutschland unter Rieß ein sauberes Comeback hin­ gelegt. Rieß hat mittlerweile eini­ge Kilo abgenommen, sein Institut aber konnte erheblich an Substanz zulegen. Das operative Ergebnis ist im vergangenen Jahr um 47,1 % auf 2,1 Mrd. Euro em­porgeschnellt. Der Jahresüber­schuss sprang sogar um 133,3 % nach oben: Die Allianz Deutsch­land hat die Trendwende vollzo­gen. Rieß hat mit seinen „Wachs­tums­, Schaden­ und Kostensen­kungsmaßnahmen“ auf allen Ebenen Erfolg – und der Haifisch hat ihn nicht gefressen.

Damit wurde die Grundlage gelegt, dass die Allianz Deutsch­land nicht von den Fluten des Hochwassers im Frühjahr erfasst wurde. Insgesamt 600 Mio. Euro kostete dieses Ereignis. Selbst kritische Analysten näseln in­ zwischen seltener und erkennen gequält an, dass die Allianz in Deutschland wieder Stärke zu­rückgewinnt.
Im ersten Halbjahr konnte sie mit einem sehr ordentlichen Umsatzwachstum von 6,7 % auf 15,6 Mrd. Euro aufwarten, zu dem alle Versicherungssparten beitru­gen. Schon im vergangenen Jahr war unter Rieß auch die Sachver­sicherung erstmals seit 2004 wie­ der auf den Wachstumspfad zu­ rückgekehrt. Im ersten Halbjahr 2013 erhöhte sich der Aufwand für Schäden aufgrund der Natur­katastrophen zwar um 6,9 % auf 2,8 Mrd. Euro und die Schaden­-Kosten-Quote, die in der Sachver­sicherung das Verhältnis von Kos­ten und Schadenaufwand zu den verdienten Beiträgen abbildet, stieg auf 101,1 %. Doch die Re­strukturierungsbemühungen zeigen Erfolg: Denn rechnet man die Belastungen durch die Elemen­tarschäden heraus – sie lagen mit 9,3 % deutlich über dem langjäh­rigen Durchschnitt von 4,1 % –, so wäre die Schaden­-Kosten-­Quote von 99,6 % auf 95,1 % gesunken.
Die Allianz gedeiht unter Rieß auch als der unangefochte­ne Marktführer in der deutschen Lebensversicherung. Die im ers­ten Halbjahr 2013 um 11,8% auf 8,1 Mrd. Euro gestiegenen Beitragseinnahmen zeigen, dass das Vertrauen der Allianz­-Kunden in die Lebensversicherung vital ist.

Produktinnovation für Niedrigzinsen

Eine neue Garantiezinsversi­cherung soll nun neue Kunden locken. Was da Anfang Juli als neues Produkt auf den Markt ge­bracht worden ist, ist die Antwort von Rieß auf die Niedrigzins­phase. Marktbeobachtern zufolge wird es das Ende der Ära der klas­sischen Lebensversicherung ein­ läuten: Zugesichert wird den Kunden dabei der Erhalt der ein­ gezahlten Beiträge und später eine Mindestrente. Die bislang übliche Garantieverzinsung von derzeit 1,75 % fällt weg; wie hoch die Rendite bei Auslauf der Police ausfällt, hängt davon ab, wie sich die Kapitalmarktzinsen entwi­ckeln. „Das ist mehr als eine nor­male Produktinnovation. Wir po­sitionieren uns neu. Wir geben nach wie vor eine Garantie, aber der Verkaufsansatz geht über die Frage des Garantiezinses weit hinaus.“ Rieß dynamisiert damit das statische und nun im Zins­keller gefangene Geschäft.

Und was Rieß nicht in den Gewinn dreht, das schließt er auch schon mal. So wurde die Geschäftstätigkeit der im Jahr 2009 gegründeten Allianz Bank kurzerhand eingestellt. Wenn es ums Sparen geht, sollte man Rieß ohnehin nicht unterschätzen. Er ist ein offensiver Kostensenker („Wir sparen überall. Wir verbes­sern unsere Prozesse, ziehen in preisgünstigere Gebäude um, re­duzieren die Anzahl der Arbeits­kräfte in den Stäben. Wir wollen Ende 2014 bei 26% Kostenquote liegen“), allerdings sucht er im­mer die Kombination der Kos­tenthemen mit dem Invest in neue Wachstumsfelder.

Diesen Spagat legt er bislang ohne Blessuren hin und setzt da­ bei auf eine völlig neue, offene Kommunikation nach innen und außen. Dazu holte sich Rieß ei­nen der angesehensten Journalis­ten des Landes (Hermann­-Josef Knipper aus der „Handelsblatt“­ Chefredaktion) als Kommunika­tionschef, der sogleich mal ein völlig neues, unkonventionelles Unternehmensmagazin aus der Taufe hebt und für Furore sorgt. Auch wegen der offenen Art zu kommunizieren (das war bei Al­lianz nun wahrlich nicht immer der Fall) und die Mitarbeiter di­rekt anzusprechen, wird Rieß in den Führungskreisen der Allianz respektiert.

Rieß kennt jeden Winkel des Konzerns

Seine innige Neigung zu Powerpoint­-Präsentation mag zu­weilen auch mit internen McKin­sey-Scherzen begleitet werden – als Chef und Stratege aber hat er alle überzeugt. Dabei hilft Rieß, dass er das Haus und viele der Leistungsträger nicht nur perfekt kennt, sondern dass er vom Fi­nanzmarkt­ bis zum Vertriebsge­schäft alles schon selbst einmal gemacht hat. Ihm machen sie also nichts vor. Und so kann er in Zeitungsinterviews auch eigene Analysen zum Risiko italienischer Anleihen geben und dabei seine kritischen Frager mit der Feststel­lung überraschen, dass die eine durchaus gute Anlage seien. Die neue Kultur der Offen­heit schlägt auch auf die Kunden­wahrnehmung durch, denn Beratungen und Kommunikation der deutschen Allianz werden inzwi­schen als verbessert wahrgenom­men. Im aktuellen Bericht „Er­gebnis für den Kunden“ stellen die Kunden den Leistungen des Unternehmens mit 1,8 (1,9) eine im Vergleich zum Vorjahr bessere Durchschnittsnote aus.

Nach diesem insgesamt be­achtlichen Turnaround­-Erfolg wird Rieß im Allianz­-Konzern nun als Nachfolge­-Kandidat für Michael Diekmann gehandelt, dessen Vertrag in zwei Jahren ausläuft. Auf die direkte Frage der „Süddeutschen Zeitung“ dazu antwortet Rieß in seiner typi­schen Art: „Bitte haben Sie Ver­ständnis, dass ich mich dazu nicht äußere. Ich habe hier viel zu tun. Mein Ziel ist es, die Allianz Deutschland noch erfolgreicher zu machen.“ Ein Diplomat für das ganz große Parkett ist er also schon.

mr

06.10.2013 | 12:00

Artikel teilen: