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Patrick W. Diemer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Lufthansa AirPlus Servicekarten GmbH. (Foto: AirPlus)

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Frauen buchen anders als Männer

Welche geschlechterspezifischen Unterschiede es bei Geschäftsreisen gibt, wie die geopolitischen Unruhen das Reiseverhalten verändern und ob das mobile Bezahlen bald kommt: Patrick W. Diemer, Chef der Lufthansa-Tochter AirPlus, gibt Auskunft.

WirtschaftsKurier: Herr Diemer,­ Ihr Unternehmen ist eine Luft­-
hansa-Tochter und eine Schwesterfirma von Miles & More. Beide Unternehmen sind ja mit Kreditkarten unterwegs. Warum die getrennten Wege und worin besteht der Unterschied?

Patrick W. Diemer: Der Erfolg beider Tochterunternehmen zeigt, dass es richtig war, das B2B-Geschäft vom Privatgeschäft zu trennen. AirPlus ist ein B2B-Dienstleister, der Unternehmenskunden eine umfassende Lösung für das Bezahlen, Abrechnen und Auswerten von Reisekosten bietet. Die AirPlus Corporate Card ist Teil dieser Lösung und bietet Leistungen, die Privatleute nicht benötigen, Unternehmen und ihren Geschäftsreisenden aber große Vorteile bringen.

Wie funktioniert denn Ihre Fir­menkreditkarte und welche Vorteile hat ein Unternehmen, das Ihre Zahlungslösung nutzt?

Unsere Lösung setzt auf eine Kombination aus Firmenkreditkarte für die Mitarbeiter sowie eine zentrale Reisestellenkarte. Damit bieten wir Unternehmen die bestmögliche Transparenz über ihre Reiseausgaben, die so erst steuerbar werden. Hinzu kommt, dass sich mit unserer Lösung die internen Abläufe sowie die Prozesse mit Dienstleistern im Reisesektor – also Airlines, Hotels, Autovermieter, aber auch Reisebüros – effektiver organisieren lassen.

Und die Mitarbeiter? Haben die auch Vorteile? Sie müssen ja im Grunde ihre geschäftlich veranlassten Meilen abgeben, wenn sich die Firma zu einer Firmenkreditkarte entschließt.

Die private Nutzung von Bonusmeilen aus Geschäftsreisen ist ein sensibles Thema, das in den letzten Jahren auch häufig in den Medien aufgegriffen wurde. Meilen, die geschäftlich erworben wurden, privat zu nutzen, wiederspricht heute den Compliance-Vorgaben in vielen Firmen. Insofern trägt unsere Lösung dazu bei, dass diese Vorgaben auch eingehalten werden können. Für die Mitarbeiter bedeutet das konkret: Sie haben weniger Stress mit den Reisekostenabrechnungen, können Privatausgaben und Geschäftsausgaben leichter trennen. Sie müssen dank der Firmenkreditkarte auch nicht mehr in Vorleistung für Reiseausgaben treten. Im Schadensfall haben sie zudem Anspruch auf Versicherungsleistungen, die speziell auf Geschäftsreisen zugeschnitten sind.

Geschäftsreisen sind ja kein Selbstzweck. Sie sollen der Firma konkreten Nutzen bringen. Es gilt also nicht: je mehr Reisen, desto größer der Erfolg. Sondern es gilt: je größer der Erfolg, desto mehr Reisen. Geschäftsreisen dienen besonders im Ausland nicht nur der Anbahnung von neuen Geschäften, sondern vielfach auch der Kundenbindung und dem Management ausländischer Niederlassungen, sie sichern also bereits erzielte Erfolge ab. Aber richtig ist natürlich auch: Wer Kunden gewinnen will, muss sie besuchen.

Wie reagieren Geschäftsreisende auf politische Krisen, etwa in der Ukraine, in Thailand oder im Nahen Osten? Werden dann andere Ziele bevorzugt oder ist das Reiseverhalten recht stabil?

Es hängt davon ab, ob und wie sich Krisen zuspitzen. Wir wissen aus der Vergangenheit, dass am Ende jedes Land eine funktionierende Wirtschaft braucht. Unternehmen können oft die Brücken bauen oder reparieren, die politisch eingestürzt sind. Natürlich lassen Unternehmen ihre Manager nicht ungeschützt in Krisengebiete reisen, bei denen Gefahr für Leib und Leben besteht. Insgesamt ist das Reiseverhalten recht stabil, solange die Wirtschaftsentwicklung positive Perspektiven verspricht.

In vielen Unternehmen gibt es sogenannte Travel Manager, die für die Geschäftsreisen im Haus zuständig sind. Werden sie die zunehmende Digitalisierung überleben? Schließlich kann man heute eigentlich alles im Internet selbst buchen.

Die Frage stellt sich in der Tat, sie ist aber mit einem klaren Ja zu beantworten. Die Komplexität des Reisemanagements macht einen Travel Manager oder eine Travel Managerin ab einer gewissen Unternehmensgröße unentbehrlich. Zunächst einmal buchen Travel Manager keine Reisen für Mitarbeiter, das machen die Mitarbeiter tatsächlich zunehmend selbst oder aber ein Reisebüro oder die Reisestelle des Unternehmens. Der Travel Manager gibt aber die Rahmenbedingungen vor, damit Geschäftsreisen im Unternehmen effizient ablaufen und zur Wirtschaftlichkeit beitragen. In der unternehmensweiten Organisation von Geschäftsreisen und beim Einkauf von Reiseleistungen steckt eine Vielzahl von strategischen Herausforderungen, die eine entsprechende Professionalisierung verlangen. So gehören zum Beispiel die Formulierung von Reiserichtlinien und die Preisverhandlung mit Dienstleistern wie Airlines, Hotels oder Autovermietern inhaltlich unter eine Verantwortung, wenn ich in diesem Bereich Sparpotenziale verwirklichen will. Kurz gesagt macht der Travel Manager Geschäftsreisen für die Mitarbeiter leichter – buchen dürfen sie dann gerne selbst.

Wie kurzfristig buchen eigentlich Geschäftsreisende ihre Flüge? Und werden Flüge oft kurzfristig storniert? 

Frühes Buchen ist bekanntlich meist günstiger als die Last-minute-Aktion. Damit ist allerdings auch das Risiko verbunden, dass sich Termine ändern und umgebucht werden müssen. Interessant ist, dass wir hier Unterschiede feststellen können, ob Frauen oder Männer eine Geschäftsreise planen: Frauen buchen ihre Flüge deutlich früher, im Schnitt sind das 22 Tage vor Antritt der Geschäftsreise, Männer buchen im Durchschnitt 18 Tage vorher. Außerdem gibt es einen leichten Unterschied bei der Stornoquote: Frauen stornieren nur 4 % ihrer gebuchten Flüge, bei Männern sind es schon 5 %. Unsere Zahlen zeigen, dass Frauen für die gleiche Strecke und die gleiche Serviceklasse im Durchschnitt das günstigere Ticket kaufen.

Mobiles Bezahlen nimmt immer mehr Fahrt auf. Die Bezahlung­ mit dem Smartphone scheint ein großes Geschäft zu werden, viele Start-ups und auch große Konzerne arbeiten an neuen Angeboten beziehungsweise sind bereits mit neuen Angeboten auf dem Markt. Mit dem Smartphone kontaktlos zu bezahlen macht ja dann eigentlich Kreditkarten überflüssig? Wie gehen Sie damit um?

Ich denke, dass es bei dieser Entwicklung weniger um die Karte selbst geht, sondern um ihre Funktion: Es geht letztlich ums Bezahlen, ums Abrechnen und um die Vollständigkeit der Informationen, die das Unternehmen für ein strategisches Geschäftsreisemanagement benötigt. Wir sind hier gerade in einem Pilotprojekt mit der Deutschen Telekom, unsere Firmenkreditkarte ist Teil der MyWallet-Lösung für Smartphones. Außerdem haben wir mit „AirPlus Mobile A.I.D.A.“ eine App entwickelt, die mobiles Bezahlen über die zentrale Reisestellenkarte des Unternehmens ermöglicht. Keine ­Frage, hier sind Entwicklungen im Gange, die eines Tages dazu führen können, dass alle Funktionen einer Kreditkarte im Smart­phone verfügbar sind. Aber die Standardlösung gibt es in diesem Bereich noch nicht und es geht jetzt darum, zu sehen, welche Erwartungen Geschäftsreisende an das Bezahlen mit Smart­phone stellen, welche Services sie von mobilen Lösungen erwarten. Außerdem interessieren uns selbstverständlich auch die Anforderungen des Travel Managements an die neuen Möglichkeiten. Fest steht, dass diese Form des Bezahlens die Steuerung von Reiseausgaben optimieren und die Reiseorganisation in Unternehmen effizienter machen kann. Als Marktführer in diesem Bereich wollen wir diese Entwicklung entscheidend mitbestimmen.

02.10.2014 | 08:10

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