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Ob Personal, Steuer oder Nachfolge: Merkur-Bank-Chef Marcus Lingel steht vor den gleichen Herausforderungen wie andere Mittelständler.

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Renaissance der Aktie

Merkur Bank

Über die Herausforderungen der Mittelstandsfinanzierung im aktuellen Marktumfeld sprach Marcus Lingel, Chef einer der wenigen eigentümergeführten Privatbanken in Deutschland, im Interview.

WirtschaftsKurier: Herr Lingel, die Merkur Bank ist mit höheren Gewinnen und wachsendem Geschäft in dieses Jahr gestartet. Welches sind die Erfolgsfaktoren Ihres Hauses?

Marcus Lingel: Unser Erfolgsgeheimnis liegt im Geschäftsmo-dell und der persönlichen Eigentümerschaft. Wir haben nie Eigenhandel oder Spekulationen betrieben: keine Lehman-Wertpapiere, keine amerikanischen Kreditpakete, keine Länderrisiken. Die Merkur Bank baut in den Geschäftsbereichen Privat- und Firmenkunden, in denen sie breit aufgestellt ist, sowie bei der Immobilien-Zwischenfinanzierung gezielt in ihren Regionen Kundenbeziehungen auf. Hinzu kommt der Geschäftsbereich Leasing, wo wir bundesweit mittelständische Leasinggesellschaften refinanzieren. Ehrliche und langfristige Beziehungen sind maßgeblicher Bestandteil unserer Unternehmenskultur. Das kommt beim Kunden an und damit heben wir uns vom Wettbewerb ab. Wir haben auch 2012 wieder kräftig in unsere regionalen Schwerpunkte Bayern, Sachsen und Thüringen investiert.

Bringt Ihnen das Umfeld niedriger Zinsen Vorteile?

Für uns wird dadurch die Refinanzierung günstiger, was angesichts des wegen der Bankenregulierung wachsenden Liquiditätsbedarfs nicht unwichtig ist. Zum anderen sind niedrige Zinsen gut für unseren Geschäftsbereich Immobilien, wo wir die Zwischenfinanzierung wohnwirtschaftlicher Bauvorhaben in München und Stuttgart übernehmen.

Droht am Immobilienmarkt in Ballungsräumen wie München nicht schon eine Überhitzung?

Die Lage in München ist durch einen strukturellen Wohnungsmangel einerseits und durch ein massives Interesse an der Immobilie als Vermögensanlage andererseits geprägt. Eigennutzer wiederum können dank der niedrigen Zinsen leichter finanzieren. Vor fünf Jahren mussten Sie mit einer Annuität aus Zins und Tilgung von 6,5% rechnen. Heute liegt sie zwischen 4% und 4,5%. Das heißt, dass Sie allein aufgrund dieser Differenz 50% mehr für die Immobilie ausgeben können als vorher. Ich rechne am Immobilienmarkt mit einem anhaltenden Aufwärtstrend, wobei die Preissteigerungen allerdings an Dynamik verlieren werden. Es wird viel mit Eigenkapital finanziert und schon deshalb spricht nichts für eine Blasenbildung. Der Markt könnte erst dann drehen, wenn die langfristigen Zinsen deutlich steigen.

Beobachten Sie im Privatkundengeschäft ein verändertes Anlegerverhalten? Rücken Aktien wieder stärker ins Blickfeld?

Ich sehe, dass der Anleger sehr sicherheitsorientiert ist und ein reges Interesse an Gold, Immobilien und nach wie vor an Sparanlagen zeigt. Die Aktie ist auch ein Sachwert wie die Immobilie und ich glaube schon, dass sie als Anlageklasse sehr stark im Kommen ist. Allerdings werden die meisten privaten Anleger nicht in Einzelwerte gehen, sondern einen zu ihrem individuellen Profil passenden Investmentfonds mit breiter Streuung und professionellem Management suchen.

Sie bieten neben der persönlichen Beratung auch den Internet-Vertrieb an. Wie wird das angenommen?

Sehr gut. Wir hatten im vergangenen Jahr über 100 Mio. Euro Einlagen und erreichen in den Bewertungen unabhängiger Beobachter wie n-tv oder FMH Spitzenplatzierungen. Im Online-Wertpapierdepot, mit dem wir 2012 erst begonnen haben, sind wir jetzt ungefähr bei 10 Mio. bis 15 Mio. Euro Depotvolumen. Wichtig ist, dass der Kunde seine Geschäfte online oder in der Filiale abwickeln kann. Er kann somit entscheiden, ob er Beratung braucht oder nicht. Deshalb konzentrieren wir uns in der Filiale auf die individuelle Beratung und sehen darin einen sehr großen Nachholbedarf im Markt, dem wir als Anbieter gerecht werden können. Bei uns gibt es keine Interessenkollisionen.
Wir betreiben weder Eigenhandel noch produzieren wir eigene Produkte. Wir sind vollkommen unabhängig und müssen beispielsweise keine Fonds von Konzerntöchtern verkaufen, sondern holen uns immer nur für den jeweiligen Kunden die besten Produkte von außen rein. Ich bin überzeugt: Wenn man sich im Privatkundengeschäft auf eine ehrliche Beratung fokussiert und nicht auf schnelle Erträge aus ist, dann hat man eine gute Basis, um ordentlich zu wachsen.

Sie legen in Ihrem Geschäftsmodell einen starken Fokus auf Firmenkunden und wollen diesen Bereich weiter aufbauen. Worauf setzen Sie?

Wir suchen in diesem Bereich den Mittelstand, weil wir selbst ein Mittelständler sind und da-mit unseren Kunden auf Augenhöhe begegnen. Ob Personalfragen, steuerliche Aspekte oder Nachfolgeregelung: Wir stehen vor den gleichen Herausforderungen. Unsere Bank ist im Firmenkundenbereich in Bayern, Sachsen und Thüringen breit aufgestellt und steht vom Betriebsmittelkredit bis hin zur Investitions- und Auftragsfinanzierung mit dem gesamten Angebotsspektrum zur Verfügung. Zu unseren Besonderheiten gehört es, dass wir sehr stark die Förderinstitute einbeziehen und geförderte Kredite dem Kunden zugänglich machen. Wir hatten 2012 bei einem Bestand von knapp 300 Mio. Euro ein Neugeschäftsvolumen von ungefähr 70 Mio. Euro und ich sehe für uns sehr große Chancen, noch mehr zu machen. Dafür spricht ein gutes konjunkturelles Umfeld, aber auch die Tatsache, dass strategische Finanzierungsfragen und der Beratungsbedarf im Mittelstand eine immer größere Rolle spielen.

Am Mittelstand zeigen sich derzeit aber auch andere Banken sehr interessiert.

Die Mittelstandsfinanzierung wird als lukrativ betrachtet, weil ja auch die konjunkturelle Situation sehr gut ist und viele Häuser zyklisch agieren. Wir sind da konstant. Ich kann den Unternehmen nur empfehlen, sich bei den Finanzierungsthemen strategisch auszurichten. Wer steht langfristig zur Verfügung? Wer kann was? Wer passt strategisch am besten zu mir? Zu wie vielen Banken man eine Beziehung aufbaut, muss man individuell lösen. Wenn sich ein Industrieunternehmer seine Rohstoffe oder seinen Wareneinsatz von Lieferanten holt, wird er es jedenfalls auch nicht nur über einen machen. Wir suchen ebenso von unserer Seite her eine strategische Partnerschaft, denn ich übernehme ja persönlich ein unternehmerisches Risiko für unsere Firmenkunden. Das heißt aber auch: Bei uns weiß der Kunde, wer entscheidet und wie er tickt.

Wie würden Sie das Image der Merkur Bank mit Blick auf Ihre besondere Stellung als eigentümergeführte Universalbank beschreiben?

Wir sind eine bodenständige Privatbank mit Leistungsorientierung und Transparenz. Es gibt in Deutschland keine 20 Privatbanken mehr im Sinne eigentümergeführter Häuser und es gibt außer uns keine einzige mehr, die ihren Hauptsitz in München hat. Dennoch erleben wir Privatbanken jetzt eine Renaissance und wir werden in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Denn Beziehungsmanagement und Zuverlässigkeit werden immer wichtiger und in der kleineren Einheit kann man die Beziehungsebene eben ganz anders leben.

Norbert Hofmann

21.06.2013 | 14:07

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