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Uwe Fröhlich, Präsident des BVR

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Schutz für Sparer

Ersparnisse: Wie sicher ist mein Geld? Diese Frage treibt viele Deutsche um. Über die Stabilität der deutschen Banken und den Aufbau einer einheitlichen europäischen Einlagensicherung sprach Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), im Interview.

WirtschaftsKurier: Die Finanzkrise kann keineswegs als erledigt betrachtet werden. Die EZB hat versichert, dass die Zinsen für einen längeren Zeitraum auf dem derzeitig niedrigen Niveau bleiben. Begründet wurde das unter anderem mit der schwachen Konjunkturentwicklung im Euroraum. Welche Folgen hat das für die deutschen Sparer?

Uwe Fröhlich: Das Niedrigzinsniveau ist für die Sparer zweifellos katastrophal. Eine Bundesobligation, zum Beispiel mit fünfjähriger Laufzeit, bringt heute nur eine Rendite von rund 0,5 %. Da ist es nicht überraschend, dass Sparen gerade nicht in Mode ist. Die Sparquote ist seit dem Jahr 2008 schleichend zurückgegangen und lag 2012 nur noch bei 10,3 %.

EZB-Präsident Mario Draghi hat angekündigt, den Leitzins der Notenbank notfalls noch weiter senken zu wollen. Was raten Sie dem Sparer, wie kann er sein Geld vor dem Verfall schützen?


Wenn die reale Verzinsung für viele Sparformen unterhalb der Inflationsrate liegen, stellt sich für jeden Bankkunden die Frage: Wie erhalte ich mein Vermögen? Ich kann in dieser Situation nur dazu raten, sich von seiner Genossenschaftsbank vor Ort beraten und Alternativen aufzeigen zu lassen.

Im Frühjahr dieses Jahres sind in Zypern – erstmals innerhalb des Eurolands – Kapitalverkehrskontrollen eingeführt worden. War das ein Sündenfall?


Kapitalverkehrskontrollen passen zweifellos nicht zu den Europäischen Verträgen und zum freien Binnenmarkt. Andererseits war Zypern in einer besonderen Situation: Im Zuge des Rettungspakets für das Land drohte die Gefahr, dass vor allem ausländisches Kapital in enormer Höhe „über Nacht“ die Insel verlassen würde. Zudem ging es um den notwendigen Eigenbeitrag Zyperns und der Banken, um eine Staatspleite zu verhindern. Ich habe daher in diesem speziellen Einzelfall Verständnis für die Einführung kurzfristiger Kapitalverkehrskontrollen.

Bisher galten die Einlagen bei den Banken hierzulande als sicher. Wie sicher sind sie im Ernstfall wirklich?


Deutsche Sparer müssen sich keine Sorgen um ihre Ersparnisse machen – auch nicht um ihr Erspartes jenseits der 100 000-Euro-Marke. Anders als in Zypern sind Staat und Banksystem hierzulande stabil. Wir haben ein wirtschaftlich starkes Deutschland mit florierenden Steuereinnahmen, einem soliden Bankwesen, in dem die beiden dezentralen Verbünde der Genossenschaftsbanken und der Sparkassen gerade in der Finanz- und Wirtschaftskrise ihre besondere Stärke bewiesen und ihren Kunden Sicherheit geboten haben. Darüber hinaus gibt es hierzulande Sicherungs- beziehungsweise Institutssicherungssysteme, die dem deutschen Sparer einen Schutz geben, wie er in Europa – wenn nicht gar weltweit – einzigartig ist.

Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem und EU-Währungskommissar Olli Rehn wollen den Aufbau einer einheitlichen europäischen Einlagensicherung. Laut Dijsselbloem bliebe die Bankenunion ohne ein gemeinsames Sicherungssystem unvollkommen. Rehn spricht allerdings noch von „Zukunftsmusik“. Die deutsche Kreditwirtschaft ist gegen eine einheitliche Einlagensicherung. Warum?

Gerade das Beispiel Zypern zeigt doch, was sich in Deutschland abgespielt hätte, wenn es eine gemeinsame europäische Einlagensicherung gäbe. Es wäre zu einem Haftungstransfer gekommen: Wir hätten gegenüber den internationalen Anlegern auf Zypern haften müssen. Daran sieht man, wie wichtig es ist, dass wir gegenüber der Politik auf nationale Eigenverantwortung pochen. Ein anderer Aspekt ist ebenfalls offen zutage getreten: Bankeinleger sollten sich heute genau anschauen, wem sie ihr Geld anvertrauen. Handelt es sich vielleicht um eine Internet-Bank, deren Eigentümer unbekannt sind, oder handelt es sich um eine deutsche Genossenschaftsbank oder Sparkasse, denen Kunden vertrauen können und bei denen sie sicher sein können, wofür die Einlagen verwendet werden?

Aber einheitliche Standards für die nationalen Sicherungssysteme wären schon erforderlich?

Ja, nach unserer Auffassung sollten die Einlagensicherungsstandards in Europa harmonisiert werden. In allen Ländern müssen Einlagensicherungssysteme geschaffen werden, die ihren Namen verdienen – in denen Sparer durch die Kraft der nationalen Sicherungssysteme und die Einlagensicherungssystemen der Banken vor Ort gestützt werden. EU-Kommissar Barnier ist mit der europäischen Einlagensicherungsrichtlinie bereits auf dem richtigen Weg.

Die Sicherungseinrichtungen des BVR bleiben auf alle Fälle in vollem Umfang erhalten?

Davon gehe ich in jedem Fall fest aus. Ich erwarte, dass die europäische Einlagensicherungsrichtlinie den entsprechenden Freiraum für die Institutssicherung der Genossenschaftsbanken und der Sparkassen in Deutschland belassen wird.

Anfang Juli hat die gesamte Finanzgruppe ihren konsolidierten Jahresabschluss vorgelegt. Wie stellte sich das vergangene Jahr für die deutschen Genossenschaftsbanken dar?

Das Jahr 2012 war auch auf konsolidierter Basis für die genossenschaftliche FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken erfolgreich. Der Jahresüberschuss erreichte 6,9 Mrd. Euro und damit 2,4 Mrd. Euro mehr als im Vorjahr. Die konsolidierte Bilanzsumme erhöhte sich auf 1,09 Bill. Euro. Einen großen Anteil daran hatte neben dem erfreulichen Kundengeschäft die Erholung an den Finanzmärkten.

Die EZB wird, wie gesagt, die Leitzinsen voraussichtlich niedrig halten. Wird das die Ertragslage schwächen?

Natürlich ist es eine große Herausforderung für uns, angesichts dieses Zinsumfelds die Margen noch auskömmlich zu gestalten. Zum Ertrag einer Bank trägt aber nicht nur das Zinsgeschäft mit Kunden bei, ein Teil wird auch durch Eigenanlagen erwirtschaftet, und da schmerzt es natürlich besonders, wenn jetzt auslaufende höher verzinste Papiere durch niedrig verzinste ersetzt werden müssen. Wir sind also gezwungen, einerseits über zusätzliches Kundengeschäft unsere Ertragslage positiv zu gestalten. Andererseits werden wir unsere Kosten noch stärker überprüfen müssen.

2012 wurde von der UN zum Jahr der Genossenschaften ausgerufen. Was hat das den Genossenschaftsbanken gebracht?


Die Erfolge sprechen für sich: Genossenschaftsbanken waren häufig an der Gründung neuer Genossenschaften beteiligt oder als Finanziers notwendiger Investitionen gefragt. Immerhin wurden 2012 über 250 Genossenschaften neu gegründet – vor allem auf dem Energiesektor. Das Jahr der Genossenschaften zeigte einmal mehr, welch hohes Vertrauen sich die Volksbanken und Raiffeisenbanken in der Öffentlichkeit erarbeitet haben. Das häufig diskutierte Misstrauen gegenüber den Banken können wir nicht bestätigen. Im Gegenteil, die Volksbanken und Raiffeisenbanken erleben nach wie vor einen erfreulich hohen Rückhalt in der Bevölkerung. Der beste Indikator dafür ist die Entwicklung der Mitgliedschaften bei den Genossenschaftsbanken: 2012 erhöhte sich die Zahl ihrer Bankteilhaber um fast 350 000. Damit schenken heute insgesamt 17,3 Mio. Menschen in Deutschland den Genossenschaftsbanken ihr Vertrauen. Das wachsende Vertrauen drückt sich aber – wie eben gesagt – auch im Gewinn weiterer Marktanteile aus.

Das Interview führte

Dieter W. Heumann

14.10.2013 | 08:57

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