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Superreiche wie Paris Hilton erwarten von Banken und Vermögensverwaltern umfassende Dienstleistungen. (Foto: Shutterstock)

Superreiche wie Paris Hilton erwarten von Banken und Vermögensverwaltern umfassende Dienstleistungen. (Foto: Shutterstock)

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Wofür Superreiche Millionen ausgeben

Reich ist nicht gleich reich. Es gibt feine Abstufungen: vermögend, reich, superreich – oder doch nur wohlhabend? Klare Definitionen fehlen. Mindestens 1 Mio. US-Dollar muss man aber schon auf der hohen Kante haben, um als reich zu gelten. Wer über so viel Vermögen verfügt, kann es sich leisten, anspruchsvoll zu sein. Wem Superreiche ihr Geld anvertrauen und welche Services sie in Anspruch nehmen.

Wer viel Geld besitzt, der gibt auch viel aus: Die Kosten für Immobilien, Fuhrpark, Yacht oder die Privatschule des Nachwuchses sind gewaltig. Dazu kommen Aufwendungen für die vielen dienstbaren Geister: Haushaltshilfen, Gärtner, Nannys, Köche, persönliche Assistenten, Leibärzte, Bodyguards, Piloten oder das Yacht-Personal. Der Lifestyle der Superreichen sprengt einige Dimensionen.

Wer von sich glaubt, vermögend zu sein, der muss sich daran messen lassen, ob er zu den sogenannten HNWI (High Net Worth Individuals) gehört. Bereits ab rund 1 Mio. US-Dollar an liquiden Mitteln darf man diesen Titel tragen. Wer noch mehr vorweisen kann, den stufen Banken gern in die Kategorie ­UHNWI (Ultra High Net Worth Indivi­duals) ein. Mitglied in diesem exklusiven Zirkel ist man laut Finanzportal Investopedia, wenn man mindestens 50 Mio. US-Dollar verfügbares, das heißt weitgehend liquides Vermögen hat. Immobilien oder Unternehmensbeteiligungen zählen demnach nicht dazu.

Reiche sind eine gefragte Zielgruppe

Die Zahl der Superreichen steigt weltweit. Auch in Deutschland tummeln sich mehr Multimillionäre und Milliardäre als gedacht: Eine neue Schätzung des DIW Berlin geht davon aus, dass das reichste Prozent der Deutschen mehr als 30 % des Privatvermögens besitzt. Die reichsten 0,1 % haben wiederum davon die Hälfte, also 14 % bis 16 %. Reiche sind naturgemäß eine äußerst gefragte Zielgruppe: Ihr Status und das Engagement der Banken steigen mit dem Vermögen, das sie mitbringen. Denn die Verwaltung des Gelds ist ein Fulltimejob, den Finanzinstitute oder Family Offices nur allzu gern übernehmen. Sie ­buhlen um die Gunst dieser elitären Klasse.

Doch je wohlhabender, desto wählerischer sind die Schwerreichen bei der Auswahl ihres Vermögensverwalters. Schließlich geht es um Vertrauen, Reputation, Diskretion und um langfristige Anlageziele. Die Banken bieten im Rahmen des Wealth Managements eigene Services an. Gut Betuchte sehen auch in sogenannten Family Offices eine auf ihre Rahmenbedingungen zugeschnittene Lösung. Family Offices kennen die Bedürfnisse ihrer Kunden, beraten individuell und gehen auf fast alle Sonderwünsche ihrer Klientel ein – oft über das Asset Management hinaus. Damit besetzen sie eine lukrative Nische und treffen den Nerv der Zeit. Lesen Sie weiter auf der nächsten Seite.

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Family Offices gehören deshalb für viele Superreiche zum guten Ton. Sie haben hohe Anforderungen an das Dienstleistungsportfolio der Wealth Manager. Als Reaktion darauf haben die Finanzdienstleister für die gehobene Klientel ihr Servicespektrum um eigene Steuerabteilungen, Rechtsanwälte oder Controlling-Sektionen erweitert. Sie sind in der Lage, Themen wie Schenkungen und Vererbungen des oft verschachtelten Familienvermögens und damit verbundene anspruchsvolle Steuer- und Rechtsfragen zu lösen, und verfügen über Kontakte zu externen Beratern mit hoher Spezialisierung, die sie bei Bedarf hinzuziehen. „Die zunehmende Komplexität und Internationalität führt zu einem erhöhten Beratungsbedarf“, erklärt Kay Klöpping, Leiter des Bereichs Private Clients bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. „Ohne eine Fokussierung auf diese Thematik und ein gutes internationales Netzwerk kann man die hohen Ansprüche nicht kompetent erfüllen.“

Zwar ist die Vermögensverwaltung der Kern der Arbeit der Family Offices, sie erledigen aber auch häufig Sonderaufgaben. Will zum Beispiel die Tochter eines Kunden, die auf Reisen im Ausland ist, ein wertvolles Kunstwerk ersteigern, muss schnell viel Geld zur Verfügung gestellt werden, auch wenn es in Deutschland schon mitten in der Nacht ist. Die Zusatzangebote reichen bis zum Rundum-sorglos-Paket, das den Klienten mit Butler-, Hundesitting- oder Bodyguard-Service zur Seite steht. Solche umfangreichen Concierge-Services haben natürlich ihren Preis.

Eine Grundregel beim Anlagemanagement großer Vermögen: Spekulationsgeschäfte sind tabu, auch in der derzeitigen Niedrigzinsphase. Aber die große Rendite steht bei den HNWIs und UHNWIs dieser Welt sowieso nicht vorrangig im Fokus. Dank guter und international aufgestellter Vermögensberater legen Reiche ihr Geld dort an, wo es sich langfristig in einem vergleichsweise sicheren Umfeld vermehren kann: in Unternehmensbeteiligungen, Immobilien und alternativen Investments. Dazu zählen auch eher exotisch anmutende Investments wie Wald oder Farmland in Osteuropa und Neuseeland. Das bestätigen globale Statistiken: allen ­voran der „World Wealth Report“ von Capgemini und der Royal Bank of Canada sowie der „Global Wealth Report“ von Boston Consulting. Sie gelten als wichtige Indikatoren zur Vermögensentwicklung in der Welt.

Passion Investments sind en vogue

Wo sich mit klassischen Anlagen kaum noch Gewinne machen lassen, da investiert der Geldadel mit Leidenschaft in schöne Dinge. Viele vermögende Menschen sind Sammler – vor allem von Kunstwerken. Diese sogenannten Passion Investments sind en vogue. Neben Kunst wird in Collectibles wie Münzen, Wein, Antiquitäten oder andere Memorabilia investiert. Kunst gilt als wertstabile Anlageform – ein weiterer Pluspunkt bei den in der Regel risikoaversen Superreichen. Klassische Automobile liegen ebenfalls im Trend, auch bei etwas weniger Vermögenden. Durch die erhöhte Nachfrage in den vergangenen Jahren verzeichneten die automobilen Sammlerstücke erhebliche Wertzuwächse.

„Die Anlage in solche alternativen Investments bietet die Chance, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden“, so Klöpping. „Sie setzt aber voraus, dass es sich bei dem investierten Vermögen um tatsächlich langfristig zur Verfügung stehende Mittel handelt, denn eine Fungibilität ist hier nicht zwingend gegeben.“

28.06.2015 | 12:50

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