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Die Oper wird lebendig

Internationale Gluck-Opern-Festspiele: Zum 300. Geburtstag von Christoph Willibald Gluck werden die alle zwei Jahre in der Metropolregion Nürnberg stattfindenden Festspiele mit vielen internationalen Stars gefeiert. Das große Verdienst des Komponisten: Er hat die Oper von ihren Zwängen befreit.

Pünktlich zum 300. Geburtstag von Christoph Willibald Gluck finden in Nürnberg wieder die Internationalen Gluck-Opern-Festspiele (14. bis 27. Juli 2014) statt. Die Veranstaltung steht in diesem Jahr unter dem Motto „ReForm und ReVision“ und präsentiert vier szenische und eine konzertante Opernaufführung, zwei Ballettproduktionen sowie sechs Konzerte und ein Symposium. Internationale Künstler aus Deutschland, Österreich, Frankreich, England, Amerika, Russland, China, Rumänien und Israel sowie Ensembles aus der Region haben sich zur „Gluck-Gemeinschaft“ zusammengeschlossen. Austragungsorte des Festivals sind Theater und historisch bedeutende Orte in Nürnberg, Fürth, Erlangen, Coburg, Berching und Freystadt.

Zu den Höhepunkten des Programms zählen die Premiere von Glucks selten gespielter Oper „Paris und Helena“ (24. 7., Regie: Sebastian Hirn), die konzertante Aufführung von „Iphigenie in Aulis“ in der Fassung von ­Richard Wagner (14. 7., mit dem Orchester der Oper Nizza unter Phi­lippe Auguin), die Uraufführung einer Ballettkreation des chinesischen Choreografen Xin Peng Wang (18. 7.), die Entdeckung einer Oper des Gluck-Zeitgenossen Tommaso Traetta (15. 7.) sowie die Uraufführung einer Auftragskomposition des österreichischen Jazz-Komponisten Franz Koglmann.

Unter den Stars der Festspiele findet sich der Dirigent Andreas Spering, die Sopranistin Christia­ne Oelze und das „Tanzwunder“ Dimitry Semionov sowie renommierte Orchester und Ensembles wie das Orchester von Nizza, die Lautten Compagney Berlin, das L’Orfeo Barockorchester und das ensembleKonstraste.

Glucks Hauptverdienst war es, dem Musikdrama wieder viel von dessen einstiger Lebendigkeit, seiner Ausdrucksvielfalt und seinem Raffinement zurückgegeben zu haben. Als Gluck in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Musikszene betrat, haben die Opera seria und die Opera buffa längst ihre Hoch-Zeiten hinter sich. Die Opera seria ist zu einem Prunk- und Schaustück verkommen. Archetypen statt Menschen aus Fleisch und Blut bevölkern die Bühnen. Ihre Konflikte wirken standardisiert. Um die Opera buffa steht es nicht besser: Diese Form des Musikdramas ist schal geworden, die Story absehbar und der musikalische Esprit pointenlos.

Gluck befreit die Singstimme

Gegen die Verelendung dieser Kunstgattung wendet sich Gluck, indem er vom Musikdrama die Widerspiegelung von Leidenschaften und urmenschlichen Konflikten verlangt. Um nur ein Beispiel zu nennen: Gluck befreite die Singstimme von dem Zwang, ein Pensum von Koloraturen zu absolvieren, mit denen sie nur ihre technische Fertigkeit unter Beweis stellt. Das heißt nicht, dass seine Arien nicht hohen künstlerischen Wert besitzen. Das heißt auch nicht, dass die Melodien Glucks leichter zu singen wären als ausgefeilte Barock-Arien.

Doch der Interpret kann sich nicht allein auf seine Technik verlassen. Er muss mit höherem Einsatz als bisher seiner Rolle gerecht werden: Persönlichkeit wird von ihm verlangt. Er muss schauspielern, er kann nicht mehr lediglich auftreten. Glucks Leistung ist es, dass er die Oper wieder zu dem gemacht hat, was sie ursprünglich war: ein Gebilde, das in der Lage ist, die Erschütterung der menschlichen Seele fühlbar zu machen.

Als einer der maßgeblichen Förderer des Festivals trägt die Nürnberger Versicherung dazu bei, die Gluck’schen Opern- und Konzertreigen zu pflegen: „Es war unser Wunsch, Christoph Willibald Gluck, der fast vergessen schien, dessen zeitlose Melodien dennoch jeder liebt, zu seinem runden Ehrentag wieder zum Gesprächsthema zu machen“, stellt Hans-Peter Schmidt, Aufsichtsratsvorsitzender der Nürnberger Versicherung, fest. „Wir freuen uns, dass dies gelungen ist: Mehr als 254 Aufführungen in 37 Städten weltweit haben in dieser Saison Gluck zum Thema. Einen besonderen Höhepunkt stellen natürlich die Internationalen Gluck-Opern-Festspiele in der Europäischen Metropolre­gion Nürnberg unter der Leitung von Dr. Axel Baisch dar.

12.07.2014 | 20:59

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