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Der E-Dienstwagen: Auch wenn es ein Elektroauto ist – der schicke Tesla ist ein gefragter Firmenwagen. Das Angebot einer Leasingfirma über ein Kontingent von 50 Exemplaren für den Einsatz in Firmenflotten war jedenfalls sofort weg. Foto: Tesla

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Manager wollen E-Autos fahren

Elektromobilität – das riecht meist nach Verzicht, wenig Spaß, viel Vernunft. Aber nicht, wenn es um einen Tesla geht. Das Fahrzeug ist ein echter „Den-will-ich-haben“. Immer mehr Unternehmen stellen ihren Mitarbeitern ein solches Fahrzeug zur Verfügung. Diese Erfahrung hat jedenfalls die Leasinggesellschaft Athlon Car Lease Germany gemacht.

Kaum in Deutschland angekommen, waren sie auch schon wieder weg: Athlon Car Lease hatte als erste Leasinggesellschaft Europas insgesamt 150 Teslas vorbestellt, davon 50 für Deutschland. Der Ansturm auf das deutsche Kontingent hatte schon nach der Ankündigung Anfang dieses Jahres begonnen. Zu dem Zeitpunkt wurden bereits Wartelisten geführt.

Dabei hat sicher auch eine Rolle gespielt, dass die Leasinggesellschaft erstmals Kilometerverträge mit Full-Service anbietet – eine Novität für Elektrofahrzeuge. Das bedeutet: Die Kosten für Wartung, Reifen, Restwerte und Versicherung werden vom Leasinggeber getragen. Damit passt die Tesla-Limousine in viele Dienstwagenordnungen von Unternehmen.

Die Elektromobilität kann in Deutschland solche Schübe durchaus gebrauchen. Bisher sind laut Statistik des Kraftfahrtbundesamts erst rund 6 500 E-Fahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs. Bis 2020 sollen es nach den bekannten Plänen der alten und auch neuen Bundesregierung 1 Mio. E-Autos sein. Ein weiter Weg – auf dem jedes einzelne Elektrofahrzeug zählt. Aber ganz langsam nimmt die Entwicklung Schwung auf. Dazu trägt bei, dass viele Firmen in ihren Flotten diese Antriebstechnologie testen.

Zero-Emission-Paket

Zum Beispiel die Deutsche Post: Auch Pakete kommen in Zukunft mit dem E-Postauto. Die Deutsche Post DHL will 28 Fahrzeuge des Daily Electric von Iveco im Paketzustelldienst einsetzen. 13 Zero-Emission-Fahrzeuge sind bereits an verschiedenen Standorten für den Logistikkonzern unterwegs. Der E-Motor hat 109 PS – ausreichend viel, um sich im Stadtverkehr zügig zu bewegen. Die Reichweite beträgt 100 bis maximal 130 Kilometer.

Aber nicht nur die Post wird grüner. Auch die Berliner Polizei testet seit Juni die Elektromobilität – zunächst allerdings nur im sogenannten nichtpolizeilichen Einsatz. Der BMW ActiveE ist ein vollelektrisches Fahrzeug und bewältigt bis zu 150 Kilometer, bevor er wieder an die Steckdose muss. Der Wagen wird hauptsächlich für Fahrten zwischen den Dienststellen der Bundespolizei in Berlin und Brandenburg eingesetzt werden.

Für die E-Mobilität ist gerade der Flottenbetrieb mit seinen besonderen Belastungen eine große Herausforderung. Da kommt ein Versuch des Stromanbieters Vattenfall gerade recht, der mit einem Vorurteil aufräumen will: E-Autos sind nicht nur keine Gefahr für die Stabilität der Energieversorgung, sondern sie stabilisieren sogar die Netze.

Im Rahmen einer Veranstaltungsreihe stellte der Versorger Ende August 2013 das Forschungsprojekt „Gesteuertes Laden 3.0“ vor, bei dem Teilnehmer fünf Monate lang BMW-Elektrofahrzeuge im Alltagsverkehr testen, um das Zusammenspiel der Fahrzeuge mit dem Stromnetz zu erproben. „Elektrofahrzeuge können durch ihre Speicherkapazität für die Energieversorger zu einem wichtigen zeitlich flexiblen Stromabnehmer der erneuerbaren Energien werden“, meint Gernot Lobenberg, Leiter der Berliner Agentur für Elektromobilität eMO. „Stromnetze werden stabilisiert, wenn Elektroautos Stromspitzen im Netz durch Ladevorgänge entlasten.“

Ulrich Frieser, Leiter Geschäftsentwicklung Elektromobilität bei Vattenfall, bestätigt die besondere Bedeutung der Elektromobilität für die Energieversorger: „Elektrofahrzeuge sind ein entscheidender Baustein im intelligenten Stromnetz der Zukunft. Integration und Stabilisierung sind hier die Stichworte. Das Forschungsprojekt eröffnet uns die Entwicklung spannender neuer Geschäftsfelder.“

Elektromobile Nutzer

Im Detail wird untersucht, wie Ladevorgänge so gestaltet werden können, dass der Energieversorger die Fahrzeugbatterien flexibel lädt, ohne den Nutzer einzuschränken. Dabei wird geprüft, welche Rückwirkungen ein solches Modell auf die Stromnetze hat und welche Anreize vom Netzbetreiber gesetzt werden müssen, um möglichst viele elektromobile Nutzer zu gewinnen.

Neben der Netzsicherheit spielt auch das Thema Kosten im Flottenbetrieb eine besondere Rolle. Dass höhere Stückzahlen in der Produktion dazu führen werden, dass die Preise sinken – das kündigen die Hersteller schon lange an. Allerdings haben sich diese Prognosen bislang meist auf eine fernere Zukunft bezogen, in der die E-Mobilität ein breiter Trend geworden ist. Aber schon jetzt hat ein gewisser Preisrutsch eingesetzt. „Ab sofort gibt es den Innovationsträger Opel Ampera in Deutschland bereits ab 38 300 Euro. Das sind 7 600 Euro weniger als bisher bei identischer Ausstattung“, teilten die Rüsselsheimer mit. Der Automobilhersteller versteht die Preissenkung als „wichtigen Anschub für diese noch immer zu wenig verbreitete umweltfreundliche Art der Mobilität“. Auch Nissan senkte für die zweite Generation seines Leaf den Basispreis um 3 000 Euro auf nunmehr 29 690 Euro. Dabei dürfte auch eine Rolle gespielt haben, dass BMW seinen i3 in der Basisversion mit 35 000 Euro und der Branchenriese VW den E-Up mit ca. 27 000 ins Rennen schickt.

Um die E-Mobilität in Deutschland wirklich auf Trab zu bringen, wünschen sich die Hersteller von der Bundesregierung, dass die Rahmenbedingungen verbessert werden. Denn andere europäische Länder sind in diesem Punkt sehr viel weiter, kritisiert der Bundesverband eMobilität. Die jüngsten Verkaufszahlen zeigten nämlich, dass durch die breite Palette an Serienfahrzeugen zumindest in den europäischen Elektroauto-Markt endlich Bewegung kommt. In Frankreich sind bereits vier von 1 000 neu zugelassenen Fahrzeugen ein Renault Zoe. In Norwegen ist der Nissan Leaf aktuell das zweitmeistverkaufte Auto überhaupt.

Nur in Deutschland will sich der Markt noch nicht so recht entwickeln. „Dass die Weltpremiere des BMW i3 nicht im Heimatland des Automobilherstellers, sondern in New York, London und Peking stattfand, ist bezeichnend und verdeutlicht, dass Deutschland bis dato weder Erst- noch Leitmarkt der neuen Technologie ist“, konstatiert Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbands eMobilität (BEM).

Der i3-Start sowie die damit verbundene Marketingoffensive des Automobilherstellers sei dennoch ein wichtiges Zeichen für die gesamte Branche. Nachdem die Initiative hierzulande zunächst vor allem von französischen und japanischen Elektroautos ausging, nimmt nun die E-Mobilität mit den angekündigten Modellen deutscher Hersteller auch in Deutschland etwas mehr Fahrt auf. Bis Ende 2014 sollen insgesamt 16 neue Elektro-Modelle aus deutscher Produktion bei den Händlern stehen. „Das kann zur notwendigen Initialzündung für den deutschen Markt führen. Aber nur dann, wenn sowohl die politischen als auch die rechtlichen Rahmenbedingungen stimmen. Hier ist nach wie vor die Politik gefragt, konkrete Anreize zu schaffen“, ist Sigl überzeugt.

fr

11.11.2013 | 10:40

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