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Compliance-Kurse sind momentan stark gefragt

Zur Bewältigung des Fachkräftemangels wird die Weiterbildung immer wichtiger. Prof. Dr. Peter Schettgen, Direktor des Zentrums für Weiterbildung und Wissenstransfer (ZWW) der Universität Augsburg, spricht im Interview darüber, welche Themen Mittelständler buchen.

WirtschaftsKurier: Herr Prof. Schettgen, Sie sind selbst Leiter eines Zentrums für Weiterbildung und Wissenstransfer. Auf welche Herausforderungen muss sich der Mittelstand in den nächsten fünf Jahren ­vorbereiten und welche Unterstützung geben da Weiterbildungseinrichtungen?

Prof. Dr. Peter Schettgen: Der Fachkräftemangel wird sicherlich auch weiterhin eine große Rolle spielen. Weiterbildung und Wissenstransfer kommt hierbei eine immer größere Bedeutung zu, da man die passenden Fachkräfte immer weniger auf dem Arbeitsmarkt findet. Also muss man entsprechend qualifizieren – und bindet auf diese Weise gleichzeitig die Fachkräfte stärker ans Unternehmen, sodass weiterem Mangel vorgebeugt werden kann. Darüber hinaus muss der Mittelstand vor allem im strategischen Management, im Prozessmanagement und bei Leadership aufholen. Das hat man in den Unternehmen erkannt und nutzt das Angebot von kompakten Leadership-Development-Programmen, die genau auf diesen Bedarf ausgerichtet sind. Dies geschieht dann in offen zugänglichen Kursen oder auch mit Inhouse-Seminaren für Firmen, wie sie zum Beispiel an unserem ZWW in stark steigendem Maße gebucht werden.

Was sind die aktuellen Trendthemen im Weiterbildungssektor?

Trendthemen sind momentan die moderne Personalentwicklung (PE) und die erfolgreiche Weiterentwicklung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit dem Leadership-Development-Programm. Und ganz stark werden bei uns, aber auch im Markt, die Compliance-Kurse gefragt.

Worauf sollten Interessierte bei der Auswahl des Weiterbildungsangebots achten?

Interessierte an solchen Programmen sollten vorab prüfen, ob der Kursanbieter für die Her­ausforderungen und Bedürfnisse des Markts praxisorien­tierte Lösungen anbietet und ob die Referent(inn)en/Dozent(inn)en die Fähigkeit haben, ihr Wissen praxisgerecht zu vermitteln. Die Weiterbildung kann dann sowohl in präsenz- als auch in onlinebasierten Veranstaltungen erfolgen.

Wann beginnen die Unternehmen mit der Buchung von Weiterbildungsangeboten – und wann sollten sie es Ihrer Meinung nach tun?

Traditionell präsentieren die Einrichtungen/Anbieter ihr Angebot zum Jahreswechsel. Und entsprechend erfolgt die Planung und Buchung in den Unternehmen. Hintergrund ist die Budgetierung dieser Leistungsart und die Aufteilung des eingestellten Budgets. Dies wird sich ändern. Der Stellenwert von Weiterbildung und Wissenstransfer im Wettbewerb um Kunden und Marktanteile steigt deutlich. Es wird dynamischer und zeitlich enger zugehen. Daher müssen für stark nachgefragte Kurse auch kurzfristig ergänzende Termine angeboten werden. Früher hieß es „ausgebucht – nächstes Jahr wieder“. Online-Angebote bieten in diesem Zusammenhang ganz neue Möglichkeiten, denn sie sind „on demand“ nutzbar.

Wie wird sich Weiterbildung und Wissenstransfer bis 2020 verändern?

Seit Überwindung der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2011 wächst die Branche wieder –
unser ZWW hat die Krise bemerkenswerterweise kaum tangiert. Aktuell nehmen rund 4 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an 400 Veranstaltungen mit insgesamt etwa 5 000 Unterrichtsstunden im Jahr teil, die von circa 650 Dozentinnen und Dozenten durchgeführt werden. Ich sehe für die Branche gute Wachstumschancen, denn die Bedeutung des lebenslangen Lernens und der Durchlässigkeit im Bildungssystem – insbesondere zwischen beruflicher und akademischer Bildung – wird weiter zunehmen. Daher ist die Prognose für die Branche prinzipiell günstig – vor ausgesetzt natürlich, die Konjunkturlage spielt mit.

Prof. Peter Schettgen, Direktor des ZWW der Universität Augsburg

10.02.2015 | 16:20

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