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Die gewaltigen Worte der EZB

Ist die EZB militaristisch unterwandert? Oder verfällt sie nur in den Kampfjargon, weil sie meint, anders nicht mehr verstanden zu werden? Jesuitenschüler Mario Draghi verfiel schon früh darauf, sich als Kanonier des Euro zu präsentieren: Neben allerlei Geheimwaffen verfügte er über die "Dicke Berta", jene Kanone aus Zeiten, als Krupp noch nicht Aufzüge wartete oder Hausmeisterdienste anbot.

Drohenden Untertons hieß es nun diese Woche von der Währungskämpfern, man habe Artillerie und weitere Instrumente zur Verfügung. Falls eine Kampfdrohne dabei sein sollte: Die könnte man gerade mal nach Italien und Spanien schicken, wo die Trickserei zwischen Nationalbank und kommerziellen Kreditinstituten derzeit für Empörung sorgen: Noch kurz vor den Stresstests pumpen die Staaten das Eigenkapital der Banken auf, der Vorwurf aus dem Norden: Da werde Eigenkapital aus dem Nichts geschöpft. Nun ja, was die EZB da tut, ähnelt diesem Sachverhalt allerdings verblüffend. Jedenfalls hält die Europäische Zentralbank "ihr Pulver trocken", vermutlich, weil die Dicke Berta sonst nur kurz hustet und nicht schießt, und sieht in der prognostizierten Inflation von bis zu 1,5 Prozent im Euroraum natürlich keine Gefahr.

Sehen wir auch nicht, wohl aber in der Tatsache, dass die EZB einen Denkfehler nur kurz diskutiert, nicht jedoch beseitigt hat: Die Frage der Strafzinsen auf Bankengelder. Die wird es erstmal nicht geben, doch es rumort offenbar in den Köpfen: weil schon mit der Überlegung solcher Maßnahmen zugegeben ist, dass die als Kreditanfeuerung gedachten Maßnahmen der EZB seit Jahren nur verpuffen und nicht knallen - ganz wie bei einer Berta, und sei sie noch so dick, die mit feuchtem Pulver geladen ist. Strafzinsen, so die Logik, würden zumindest das Parken von Geld unerfreulich machen und mithin Kreditvergabe forcieren, geradezu. Falsch gedacht, leider, denn die Banken geben solche Strafmandate gleich an die Kunden weiter – Kredite werden damit sogar teurer.

Wo das Übel seine Wurzel hat, ist in den Südländern, für die die niedrigen Zinsen ja als Geschenk gedacht sind, genau zu beobachten: Das Zukunftsvertrauen ist dahin; eine wirtschaftlich bedeutsame Nachfrage ist nicht zu erkennen, und über künftige Regulierung weiß kein Unternehmer so richtig, wo es langgehen wird. Wie man gerade wieder an den fiskalischen Banken-Stützungstricks der Regierungen sehen kann. Wer investiert unter diesen Bedingungen noch auf Pump? Was größere Unternehmen aufnehmen, nutzen sie wohl eher in ausländischen Niederlassungen, soweit vorhanden. Da kann auch die EZB nichts tun, Pulver hin oder her. Wenigstens gibt man in Frankfurt aber nicht auf: "Wir sind bereit, über alle denkbaren Instrumente nachzudenken", verkündete der Chef. Möge nichts passieren, was die EZB zwingt, auch über das Undenkbare nachzudenken, wünscht sich da der Bürger. Und findet Trost in den Worten des Chefvolkswirts der EZB, Peter Praet, er verstehe die Enttäuschung der Sparer angesichts der niedrigen Zinsen – er sei ja selber auch einer. Geschieht ihm wirklich recht.

Schliekers Woche ist eine Rubrik der Börse am Sonntag.

Reinhard Schlieker

09.12.2013 | 11:09

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