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Auf vieles, was ihre Vorgänger seit Jahren erwartete, muss die Genration Corona verzichten (Bild: shutterstock).


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Generation Corona: Gebt ihnen die Chance

Generation Corona: Niemand anderes trägt diesen Stempel deutlicher mit sich herum als die Generation derer, die jetzt gerade loslegen wollten. Die mit dem ersten Abschluss in der Tasche in die Ausbildung starten wollten. Die ein Studium geplant hatten, zum ersten Mal fern von zu Hause. Die eine Zeit der Orientierung suchten, ein soziales Jahr, ein Jahr bei der Bundeswehr, ein ökologisches Jahr.

Ihre berufliche Existenz wird nicht vernichtet, weil sie noch gar nicht begonnen hat. Die innere Befriedigung, die entsteht, wenn der erste Lohn für ein getanes Werk auf dem Konto gelandet ist, haben sie noch nie erlebt. Die Freiheit, in die eigene Bildung zu investieren, haben sie noch nie genutzt. Es ist eine Generation im Wartestand. Es sind ein oder zwei Jahrgänge, die da auf der Reservebank hocken und mit jedem Tag, an dem sie nicht eingesetzt werden, unzufriedener mit dem Verlauf des Spieles werden.

Auf all das, was ihre Vorgänger seit Jahren erwartete, müssen sie verzichten: Ein Wirtschaftsaufschwung, dessen Ende nicht in Sicht war und ein rasender, digital getriebener Fortschritt, der immer neue Qualifikationen erfordert, sorgten dafür, dass sich Unternehmen geradezu um sie rissen. Satter Tariflohn, Aussichten übernommen zu werden, zusätzliche Ausbildungsmöglichkeiten – all das gehörte zum Normalangebot. Mit Ausbruch der Pandemie war die Herrlichkeit vorbei. Auf trostlos ins Netz gestreamte Abschlussfeiern folgten noch trostlosere Monate, in denen denjenigen, die sowieso schon Orientierung suchen, das Finden einer Idee noch unmöglicher erschien. Welcher Handwerkerin, welcher Gastwirt oder Friseur stellt schon Auszubildende ein, wenn er selbst nicht weiß, ob es seinen Betrieb nach der Krise noch gibt? Welche Studentin beginnt schon das erste Semester mit einer Online-Vorlesung von einem Professor, den sie noch nie zuvor live gesehen hat? Welches Praktikum soll schon funktionieren, wenn Betriebe ängstlich darauf bedacht sind, den Kreis derjenigen klein zu halten, die sich täglich in der Firma treffen müssen?

So, wie wir die Gesundheit derjenigen besonders schützen müssen, mit denen der Virus ein leichtes Spiel hat, so müssen wir die Motivation derjenigen aufrecht erhalten, die jetzt den Schritt zur Gründung einer eigenen beruflichen Existenz wagen wollen. Konkret heißt das: Statt Pauken für den Abschluss muss das letzte Jahr in der Schule mehr als bisher aufs erste Jahr danach ausgerichtet sein. Statt auf Fristen für das Bewerbungsende herumzureiten, ist jeder willkommen, der in dieser lähmenden Zeit die Initiative für eine Bewerbung ergreift. Und statt Noten abzuwägen, schauen wir uns die jungen Menschen an, die dahinterstehen und geben ihnen eine Chance.                    

Julius Jan

30.11.2020 | 09:50

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