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(Quelle: Bundesregierung)


Karrierealle Jobs

Voll daneben

Die Bunderegierung produziert eine Video-Serie, die Nichtstuer als Helden der Krise feiert. All denen, die um ihre Existenz kämpfen, die sich für die Gesundheit von Menschen aufopfern oder die selbst um ihre Gesundheit ringen, bleibt das Lachen im Hals stecken.

Ein Kommentar von Oliver Stock

Ja geht es noch? Die Bundesregierung lässt eine Videoserie zur Haltung in Zeiten von Corona produzieren. Darin werden die Helden dieser Zeit gefeiert: Die Nichtstuer, deren Front die Couch ist. Die „faul sind wie die Waschbären“. „Deren Waffe die Geduld“ ist, die zusehen, sich einschließen und auf Besserung warten.

Diese gedankenlose Video-Serie tritt alle die kleinen und großen Mittelständler in die Kniekehle, die in diesen Monaten um ihre wirtschaftliche Existenz kämpfen. Sie verstört die, die den Kranken, deren Zahl die Bunderegierung täglich hinausposaunt, zur Seite stehen. Sie spottet über jene Menschen, die inzwischen mit Hilfe von Bundeswehrsoldaten in Gesundheitsämtern der Datenflut zur Nachverfolgung der Infektionsketten Herr werden wollen. Und sie verhöhnt jene Patienten, die auf Leben und Tod mit dieser tückischen Krankheit ringen.

2,8 Millionen Menschen sind arbeitslos, knapp noch einmal so viele befinden sich in Kurzarbeit. Sie wissen nicht, ob sie ihren Job jemals wieder antreten können und kämpfen darum, mit knappem Geld sich und ihre Familien über die Runden zu bekommen. Künstler, die nicht gerade von der Bundesregierung als Darsteller in Videos bezahlt werden, wissen nicht, wovon sie leben sollen. Selbständige schließen ihre Geschäfte für immer. Uns wird eingebläut, dass die Intensivbetten knapp sind und das einzige, was noch knapper ist, sind die Pflegrinnen und Pfleger, die die Patienten betreuen, die darin liegen. Und dann kommt sowas.

Dieses Werk kann nur von denen beauftragt, entworfen und ins Netz gestellt sein, die nichts zu verlieren haben, weil es für sie ein Leichtes ist, im bequemen Home Office die Zeitenläufte zu verfolgen.  Weil sie nicht in die Fabrik müssen, wo das Abstand halten schwierig ist. Weil sie nicht im Feierabendregionalzug sitzen, wo nur noch ein Stehplatz frei ist. Weil sie nicht zu den gerade fertigen Schülern zählen, denen die Lebenslust auf Ausbildung und Ausland genommen ist. Weil ihr Geld zum Monatswechsel so sicher aus irgendeiner öffentlichen Kasse kommt, wie die Sonne morgens aufgeht.

Klar, Satire darf alles. Wenn aber der Absender die Bundesregierung und nicht die Heute-Show ist, wird aus dem Lach- ganz schnell ein Würgereiz.
 


16.11.2020 | 14:47

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