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Krimsekt-Poduktion in der Ukraine: Durch diese Art der Lagerung setzt sich die Hefe am Korken ab und kann mit dem Öffnen des Spezialkorkens schnell entfernt werden. In der Fachsprache heißt der Vorgang Degorgieren.

Ein Löffelchen erstklassigen Kaviar zum Krimsekt? Für die besseren Kaviarsorten werden im Einkauf schon mal 600 Euro fällig – für 100 Gramm, wohlgemerkt.

Wichtiger Faktor in der neuen Krimkrise: die russische Schwarzmeerflotte. Hat man auch dort Grund zum Anstoßen?

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Beim Schaumwein ist die Krim schon russisch

Russland will die Krim mit Macht zurückholen. Das gestrige Referendum ist dabei höchst umstritten, das Mäntelchen der Legalität mehr als fadenscheinig. Ganz anders der Krimsekt. Der bekannteste Exportartikel der für ihre Schönheit und ihr mediterranes Klima berühmten Halbinsel wird schon seit jeher mit den mutmaßlichen neuen Herren in Verbindung gebracht. So oder so wird es also heute Abend auf der Krim heißen: „Na zdorovje!“

Die Ukraine ist gespalten – in die westlich und die russisch Orientierten. Einig sind sie sich von Lemberg bis Donezk aber in Sachen Wein. Sie vergleichen ihre Böden auf der Krim, auf denen bereits im vierten Jahrhundert vor Christus Wein angebaut wurde, mit denen in der französischen Champagne-Region. Von der Krim stammt daher auch der Krimsekt, der nicht zufällig Schampanskoje genannt wird. Doch im Vergleich zur Champagne hat die Krim einen wesentlichen Nachteil. Der Begriff Krimsekt weist nicht auf eine bestimmte Herkunftsregion hin, hat also keinen rechtlichen Schutz. Auf dem Korken sollte nur das Jahr der Abfüllung stehen. Die Trauben für Champagner dürfen nur in dieser französischen Region reifen und auch dort abgefüllt werden. Die Trauben des Krimsekts hingegen reifen zum Teil außerhalb der Krim, in den Regionen um Odessa, Kiew, Charkiw und insbesondere in Artemiwsk – gespannt darf man sein, wie lange das noch möglich sein wird.

Der rechtliche Schutz des französischen Perlweins ist ein Grund, warum Champagner erheblich teurer ist. Preise im dreistelligen Bereich sind keine Seltenheit, während Krimsekt, auch wenn er nach der gleichen aufwendigen Methode hergestellt wird, nur zwischen zehn und 15 Euro kostet. Laut Wikipedia werden jährlich 50 Millionen Flaschen Krimsekt produziert und kommen unter verschiedenen Markennamen in den Handel, zum Beispiel unter Krimskoye, Sojus Krim, Zarskoje, Ukrainskoje oder Fürst Alexej. Der Name Krimsekt selbst wird hier in Deutschland in den meisten Fällen nicht mit der Ukraine in Verbindung gebracht, sondern mit Russland. Im Volksmund heißt er „russischer Champagner“. Und laut einer Umfrage während der olympischen Spiele bekundeten Deutsche Fernsehzuschauer, sich verstärkt für russische Lebensmittel und alkoholische Getränke aus Russland zu interessieren. Vorne lag Wodka, gefolgt vom Krimsekt – der bislang aus der Ukraine kommt.

In Deutschland werden nach Daten des Forschungsinstituts Nielsen pro Jahr rund 820 000 Flaschen Krimsekt verkauft, der sich in zwei Marken aufteilt: Krimskoje und Sojus Krim. Marktführer für den ukrainischen Krimsekt ist nach eigenen Angaben das sowjetische Im- und Exportunternehmen Simex mit Sitz in Jülich, das Krimskoje – und die russische Wodkamarke Moskovskaya – vertreibt.

Krimsekt, der in der Flasche gärt

Der erste Krimsekt wurde 1799 erzeugt – anfangs noch in unbedeutenden Mengen und nur für den Zarenhof bestimmt. Internationale Popularität erlangte er, als der Krimsekt in Paris auf der Weltausstellung den Grand Prix bekam. Seither zählt das Getränk zum Kulturgut der Halbinsel, die Parteichef Nikita Chruschtschow 1954 der Ukraine schenkte. Der Sekt wird als Exportschlager in mehr als 20 Länder verkauft – wahrscheinlich auch, nachdem der russische Bär seine Pranke wieder auf die Krim gesetzt hat.

„Unsere Marke Krimskoye wird als einziger Krimsekt nach dem traditionellen Verfahren hergestellt“, sagt Jürgen Gockel, Geschäftsführer von Simex. Traditionelles Verfahren heißt: Krimsekt gärt wie Champagner in der Flasche. Nach der Gärung in der Flasche wird die gefrorene Hefe durch Entkorken (Degorgieren) wieder entfernt, die fehlende Menge durch eine „Dosage” aus Wein, Traubenmost und gegebenenfalls gelöstem Zucker ergänzt.

„Das Besondere an diesem zeitaufwendigen Verfahren ist, dass der Wein vom ersten Füllen über die Gärung bis zum Öffnen in derselben Flasche bleibt“, erläutert Gockel. Krimskoye gibt es in drei Variationen: Rot-mild, halbtrocken und trocken. Für den weißen Sekt werden die Rebsorten Pinot Gris, Riesling, Aligoté und Chardonnay verwendet. Der rote Krimsekt wird aus den Sorten Cabernet Sauvignon, Merlot, Saperawi und Matrassa hergestellt. Je nachdem, welche Qualität gefragt ist, lagert der Wein zwei bis drei Jahre in kühlen Gewölben und reift dort zum Krimsekt heran. Beliebt in Deutschland ist der rote Krimsekt mit einer wuchtigen Süße.

Und wer ist der typische Krimsekt-Trinker in Deutschland? „Krimskoye-Trinker sind überproportional weiblich und mit einem Durchschnittsalter von 30 plus jünger als vielleicht erwartet“, erläutert Gockel. „Sie sind mehrheitlich qualitätsorientiert, besser gebildet und gutverdienend“. Und der Konsum von Krimsekt hat nichts mit einer Ost-Nolstalgie zu tun. „Der Konsum von Krimskoye ist in Deutschland gleichmäßig verteilt mit leichten Schwerpunkten in den bevölkerungsreichen Städten und Regionen wie NRW, Hamburg und Berlin“, sagt der Simex-Geschäftsführer.

Handelsblatt / Jürgen Röder

17.03.2014 | 16:56

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