Debatte um Ehegattensplitting: Steuerprivileg aus den 50ern steht wegen Gleichstellung, Arbeitsanreizen und Fiskalwirkung massiv in der Kritik. (Foto: picture alliance)
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Waum das Ehegattensplitting ersatzlos gestrichen werden sollte - ein Kommentar
Steuerprivileg von gestern?
175.000 neue Stellen, höhere Einnahmen, mehr Gleichberechtigung: Warum das Ehegattensplitting reformiert oder abgeschafft werden sollte.
von Björn Hartmann
Leistung muss sich lohnen. Aber wenn mehr Arbeiten kaum mehr Geld bringt, lohnt sich das nicht. Eines der größten Hindernisse liegt im deutschen Steuersystem: das Ehegattensplitting.
Mehr Arbeit, weniger Anreiz - wer denk sich so etwas aus?
Hier kann der Staat sehr einfach sehr viel bewegen. Die Regelung ist steuerlich besonders interessant, wenn ein Familienteil deutlich mehr verdient als der andere. Das fördert Ungleichheit und bremst vor allem Frauen aus.
Mehr als die Hälfte von ihnen arbeitet Teilzeit. Auch wenn es sich in den vergangenen Jahren verändert hat, kümmern sie sich in der Regel in einer Partnerschaft um Kinder oder pflegebedürftige Eltern. Fallen diese Gründe für Teilzeit weg, erhöhen viele dennoch nicht ihre Stundenzahl: Die Hälfte der verheirateten Frauen im Alter von 45 bis 66 Jahren, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung befragte, sagten, es lohne sich nicht, mehr Stunden zu arbeiten.
Steuergeschenk für Gutverdiener – Fachkräfte bleiben auf der Strecke
Das Ehegattensplitting, übrigens eine deutsche Besonderheit, zementiert eine Situation, die angesichts des Fachkräftemangels nicht tragbar ist. Schon allein der Name verbreitet den Muff der Einverdiener-Frau-am-Herd-Sechzigerjahre. Und das System übervorteilt die Ehe als Wirtschaftsgemeinschaft. Ökonomen errechneten jetzt 175.000 sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen, die Deutschland wegen eines veralteten Steuerrechts nicht aktiviert. Ohne Splitting sänke auch die Zahl der Minijobs, die Steuereinnahmen aus der Einkommensteuer stiegen.
Denn durch das System entgehen dem Fiskus jährlich zweistellige Milliardenbeträge, die effektiver in die direkte Kinderförderung investiert werden könnten. Zudem ist der Steuervorteil bei Paaren mit sehr hohen Einkommensunterschieden am größten, wodurch ausgerechnet wohlhabende Haushalte ohne Kinder besonders profitieren. Ja, es mag einen kurzen Aufschrei bei einigen Wählern geben, wenn dieses Gesetz von 1958 ersatzlos gestrichen wird. So wie Mitte der 70er bei der Anschnallpflicht oder 2008 beim Rauchverbot in Restaurants. Bekanntlich verstummten die Proteste rasch und dem Land ging es danach besser.
13.04.2026 | 16:17
