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Vizeweltmeister ist nicht Weltmeister: Adidas wird an der Börse heruntergehandelt. (Bild: Adidas)

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Adidas: fast erfolgreich genug

Adidas vermeldet erneut erfreuliche Zahlen und kann begünstigt durch die Großveranstaltungen Olympische Spiele und Fußball-Europameisterschaft im Sommerquartal zwischen Juni und September Umsatz und Betriebsergebnis steigern. Doch die Erwartungen der Analysten wurden nicht übetroffen. Die Aktie gibt deutlich ab. Ist das Adidas-Papier trotzdem ein Kauf?

„Ich bin sehr glücklich, CEO eines Unternehmens zu sein, das in so guter Verfassung ist", freut sich der neue Adidas-Chef Kasper Rorsted. Der aus Dänemark stammende ehemalige Vorstandsvorsitzende von Henkel übernahm erst kürzlich, am 1. Oktober, das Zepter vom seinem Vorgänger Herbert Hainer, und blickt auf ein erfolgreiches drittes Quartal zurück. Der Umsatz kletterte um 14 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro und auch das Betriebsergebnis wuchs ebenfalls zweistellig- um 11,5 Prozent auf 563 Millionen Euro. Auch beim Gewinn ging es um 15 Prozent auf 387 Millionen Euro bergauf. Lediglich die Bruttomarge sank wegen negativer Währungseffekte um 0,9 Prozentpunkte auf 47,6 Prozent. Vor allem in Westeuropa, Nordamerika und Fernost konnte Adidas das Tempo erhöhen.

Doch die gute Verfassung, in der Aidas ist, reicht den sportbegeisterten Aktionären offenbar nicht. Sie wollen ein Team in Weltmeister-Verfassung, keinen Vizemeister. Die Adidas-Aktie schmierte heute um mehr als sechs Prozent ab, trotz guter Zahlen, trotz intakter Fundamentaldaten. Außerdem musste sich Rorsted heute für die offenkundig lahmende Fitness bei der Konzerntochter Reebok rechtfertigen. Nur zehn Prozent des Konzerngeschäftes gehe über Reebok, teilte er gleich mehrfach mit.

Und Reebok werde überflüssige Pfunde bald loswerden, weil sich die Marke noch viel stärker auf den Fitnessmarkt fokussieren solle. Zudem soll die Zahl der Mitarbeiter in der Reebok-Zentrale in Boston von 950 auf 650 sinken; 150 dieser Mitarbeiter werden außerdem in die US-Zentrale der Konzernmutter Adidas in Portland wechseln. Das ist eine massive Schrumpfkur. Reebok ist damit nicht existenzgefährdet, aber Rorsted warnt: „Wie in jedem Sportteam muss jedes Mannschaftsmitglied seinen Beitrag zum Gesamterfolg des Teams leisten.“

Gesamtkonzern auf Rekordkurs

Doch Reeboks Formtief scheint nicht die Gesamtbilanz allzu sehr zu stören. Im Hinblick auf das Jahrergebnis steuert Adidas auf einen neuen Rekord zu. Dabei wird ein Umsatzanstieg um knapp ein Fünftel prognostiziert, der Gewinn könnte erstmals in der Unternehmensgeschichte an die 1-Milliarde Euro-Marke heranreichen. „2016 wird ein Rekordjahr, in dem die adidas Gruppe außergewöhnliche Ergebnisse erzielen wird“, blickt Rorsted voraus. „Wir werden sicherstellen, dass die adidas Gruppe ein Wachstumsunternehmen bleibt.“

Ob sich dieses Wachstum auch weiter auf den Börsenkurs niederschlagen wird, bleibt trotz der guten Aussichten erstmal fraglich. Schließlich startete die Aktie zuletzt derart durch, dass es eine Herausforderung wird, den Kurs noch weiter nach oben zu treiben. Erst im vergangenen Monat erreichte der Chart bei einem Wert von über 159 Euro ein neues Allzeithoch, in den letzte zwölf Monaten hat sich das Papier gar beinahe verdoppelt. Die Erwartungshaltung der Anleger ist also weltmeisterlich gestiegen. Momentan sieht es zwar so aus, als könne Adidas weiterhin liefern. Aber wird das genug sein?

Auf längere Sicht sollten die Laufschuhe enger geschnürt werden: Zumindest der Abstand zum großen Konkurrenten Nike muss verringert werden, sonst ist es Adidas die Rolle des Spitzenreiters im DAX, die die Supersportler aus Herzogenaurach eindrucksvoll erobert hatten, schon bald los. Schleppt dann Reebok immer noch unnötige Pfunde mit sich herum? Kommt der große Kontrahent Nike immer noch nicht hinter der Stadionkurve in Sichtweite? Dann könnte Adidas in der nächsten Zeit Schwierigkeiten haben, an das gute Jahr 2016 anzuknüpfen. Dann wären die knappen sechs Prozent, die es jetzt nach unten ging, nur der Anfang einer ausgewachsenen Formkrise. Kriegt Rorsted allerdings Reebok nach zehn Jahren des ständigen Trainierens endlich auf Weltniveau und verringert der Gesamtkonzern mit den drei Streifen den Abstand zu Spitzenreiter Nike, dann sehen die Adidas-Aktionäre bald wieder Bestkurse bei  Deutschlands größtem Sportartikelhersteller. WIM / sig

04.11.2016 | 11:01

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