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Richtig gut im Geschäft: die Neo-Serie von Airbus (Bild: airbus Industries)

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Airbus meldet Rekordauftrag

20 Milliarden hier, 50 Milliarden dort. Im Zuge der Dubai Airshow sammeln die Flugzeugbauer Boeing und Airbus gewaltige Auftragssummen ein. Vor allem Europas Luftfahrt-Krösus Airbus überrascht mit dem größten Einzelauftrag seiner Geschichte. Die Aktie notiert nahe ihrem Rekordhoch.

Die Luftfahrtmesse in Dubai, die sogenannte „Dubai Airshow“, ist für die internationale Luftfahrtbranche so etwas wie ein vorgezogenes und über mehrere Tage andauerndes Weihnachtsfest. Für Airbus dürfte sich das Event in den Vereinigten Arabischen Emiraten in diesem Jahr sogar anfühlen wie Ostern, Weihnachten und ein Geburtstag zusammen. Und das obwohl es zu Beginn so aussah, als würden in diesem Jahr nicht besonders viele Geschenke unter dem Konzern-Weihnachtsbaum landen.

Überhaupt war das Jahr 2017 für Airbus eher eines der durchwachsenen Sorte. Zwischenzeitlich sorgte man sich schon darum, die Bestellungen könnten am Ende nicht mit den Ausfuhren mithalten. Und dann schnappte Erz-Konkurrent Boeing den Europäern auch noch ein bereits fertig geschnürtes Paket mit 40 Langstreckenflugzeugen im Wert von 15 Milliarden US-Dollar vor der Nase weg. Geschnürt hatte es die arabische Emirates-Airline. Mit der war auch Airbus im Gespräch und hatte eigentlich schon fest mit dem Zuschlag gerechnet. Der hätte vor allem dem kriselnden A380 Auftrieb gegeben. Aber so kam es nicht und nicht wenige Anleger und Aktionäre rechneten schon mit vorweihnachtlichen Kursturbulenzen.

Dann kam Indigo Partners um die Ecke. Mit im Gepäck eine Bestellung von 430 Mittelstreckenjets vom Typ A320neo und A321neo für die Billigfluglinien Wizzair, Frontier, Jetsmart und Volaris im Wert von knapp 50 Milliarden US-Dollar. Für Airbus der größte Einzelauftrag der Unternehmensgeschichte. Und so war sie plötzlich doch da, die hellerleuchtete, weiße Vorweihnacht. Auch für Anleger, denn für die Airbus-Aktie ging es nach Bekanntgabe des Deals um über drei Prozent nach oben. Mit einem Kurs von 85,20 Euro steht sie nun wieder nahe des Ende Oktober aufgestellten Rekordhochs von 87,75 Euro.

Mit dem milliardenschweren Auftrag im Rücken könnte es für das Papier nun noch weiter bergauf gehen, denn auch wenn die letzten Quartalszahlen nicht auf ganzer Linie überzeugen konnten, waren sie dennoch im Rahmen der Analysten-Erwartungen. Zudem befindet sich die Airbus-Aktie in einem intakten langfristigen Aufwärtstrend. In den letzten fünf Jahren kletterte der Kurs um zirka 240 Prozent in die Höhe. So rät auch DZ-Bank-Analyst Alexander Hauenstein mit einem Kursziel von 104 Euro weiter zum Kauf. Die Prognosebestätigungen des Flugzeugbauers hätten ihn überrascht, schreibt er in seiner Studie und rechnet mit einer deutlichen Verbesserung in der Erwirtschaftung von Barmitteln. Analystin Milene Kerner von der Deutschen Bank glaubt ebenfalls an weitere Kursgewinne: Die gesamtwirtschaftlichen Indikatoren seien für die Branche im dritten Quartal günstig geblieben, schrieb sie und setzte ihr Kursziel bei 89 Euro.

Nicht vergessen werden sollte auch der Deal mit Bombardier. Airbus übernimmt hier die Mehrheit der Anteile an der Mittelstreckenbaureihe der Kanadier. Bombardier will so wohl die Strafzölle von Donald Trump umgehen, da Airbus die Flugzeuge nun in seinem Werk in den USA produzieren kann. Kosten für den Deal? Keine. Für Airbus also ein Geschäft, von dem man eigentlich nur profitieren kann.

Boeing derweil kann sich ebenfalls über dicke Geschenke in Dubai freuen. Zum einen ist da der bereits erwähnte Deal mit Emirates, zum anderen eine Bestellung von Flydubai über 175 Mittelstreckenjets im Wert von zirka 21 Milliarden US-Dollar. Und bei der Aktie der Amerikaner ging es innerhalb der letzten fünf Jahre sogar um etwas mehr als 300 Prozent nach oben.

Angesichts des recht deutlichen Duopols, das Airbus und Boeing im Flugzeugbau darstellen, dürften die Aktien beider Konzerne für Anleger von Interesse sein. Sowohl bei den Amerikanern als auch bei den Europäern sind die Auftragsbücher prall gefüllt und ernstzunehmende Konkurrenz gibt es nicht. Zudem stimmen bei beiden die Geschäftszahlen. Einzig das Geschäft mit dem A380 sollte Airbus zügig in den Griff bekommen. Sonst läuft man Gefahr in dem Segment der großen Langstreckenflugzeuge immer mehr Marktanteile an Boeing zu verlieren. Nach dem Rekordauftrag aus Dubai kann man sich nun aber wohl trotzdem auf reichlich Weihnachtsgeschenke freuen. Oliver Götz

18.11.2017 | 01:26

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