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Stark steigende Kreditrisiken: Der erneute Lockdown setzt den deutschen Banken zu. (Foto: engel.ac / Shutterstock)


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Banken rechnen mit hohen Kreditausfällen

Weil in den Geldhäusern kaum einer mit einem neuen Lockdown gerechnet hat, steigt jetzt die Risikovorsorge stärker an als erwartet. Die Volksbanken wollen vor diesem Hintergrund Erleichterungen von der Europäischen Zentralbank. Im Sparkassen-Sektor sind die Landesbanken unter Beobachtung. Dort werden Krisenvorbereitungen getroffen.

Mit jedem weiteren Tag, an dem Unternehmen in der Corona-Krise leiden, vergrößert sich die Gefahr, dass auch die Banken in Mitleidenschaft gezogen werden. Privatbanken, Volksbanken und Sparkassen sind bisher vergleichsweise glimpflich durch die Krise gekommen. Sie leiden unter den Null- oder Negativzinsen, die die Europäische Zentralbank verordnet hat, bislang stärker als unter den direkten Auswirkungen der Pandemie. Wie die Stimmung bei den Banken hinter den Kulissen wirklich ist, zeigt sich allerdings an einer Zahl in ihren Bilanzen: der Risikovorsorge. Sie gibt an, wieviel Geld die Banken zurücklegen, weil sie damit rechnen, dass Kredite ausfallen, die sie an Firmen und Privatkunden vergeben haben. Je höher die Risikovorsorge, desto schmaler ist der Gewinn und desto weniger Geld bleibt, um neue Kredite auszugeben.

Den neuen Lockdown hat keiner erwartet

Die Deutsche Bank hat als erste der großen Geschäftsbanken in dieser Woche Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt, und was sich dort zeigt, trägt nicht zur Beruhigung bei: Zwar ist die Risikovorsorge im Vergleich zum zweiten Quartal gesunken, sie liegt jedoch mit 273 Millionen Euro um 56 Prozent über dem Vorjahresquartal. Der neue Lockdown bedeutet, dass im vierten Quartal diese Zahl erneut ansteigen dürfte.

Damit wird die Corona-Pandemie für die Banken zur Belastungsprobe. Je länger die Einschränkungen des Wirtschaftslebens anhalten, desto größer wird das Risiko, dass Kredite in nennenswertem Umfang ausfallen. Das Spitzeninstitut der genossenschaftlich organisierten Volks- und Raiffeisenbanken, die DZ Bank, ist die zweitgrößte deutsche Bank. Sie musste ihre Risikovorsorge im ersten Halbjahr verfünffachen. Insbesondere bei der DZ-Tochterbank DVB, die sich auf die Finanzierung von Transport- und Logistikfirmen spezialisiert hat, erforderten wacklige Schiffskredite eine höhere Risikovorsorge.

Die Präsidentin des Bundesverbands der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken Marija Kolak verlangte vor diesem Hintergrund nach dem Lockdown-Beschluss der Bundesregierung in dieser Woche weitere Hilfen für Banken und Unternehmen: Die staatliche Bank KfW solle die privaten Banken und Sparkassen entlasten und ihre Schnellkredite auch an kleinere Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten ausgeben, sagte sie. Und die Europäische Zentralbank sollte bei ihrer Sitzung heute beschließen, die Freibeträge beim sogenannten Staffelzins zu erhöhen. Dies würde es den Banken und Sparkassen ermöglichen, weniger Strafzinsen auf Einlagen bei der Notenbank zu zahlen. Das wiederum mache es den Banken möglich, mehr Kredite zu vergeben.

Gratwanderung bei den Sparkassen

Auch bei den Sparkassen ist die Stimmung angespannt. Dort haben sich die Chefvolkswirte der unterschiedlichen Banken innerhalb der Sparkassengruppe zusammengetan und eine gemeinsame Stellungnahme veröffentlicht. „Das Kreditrisiko wird perspektivisch zunehmen, die Geldhäuser haben eine Gratwanderung vor sich“, schreiben sie. Sie verweisen auf den jüngsten Stresstest der Bankenaufsicht für die rund 1400 „weniger bedeutenden Institute“ in Deutschland, worunter kleinere Sparkassen und Volksbanken fallen. Dabei habe sich gezeigt, dass auch bei einem schweren Einbruch der Wirtschaft die Geldhäuser „im Durchschnitt ausreichend kapitalisiert“ seien. Dass einzelne Institute unter Druck geraten, von der Gruppe gestützt werden müssen oder mit anderen fusionieren, ist allerdings ein realistisches Szenario. Die zentrale Frage, fügen die Chefvolkswirte hinzu, sei nicht, „ob es eine Belastung der Kreditinstitute geben“, sondern „wie hoch diese Belastung ausfallen wird“. Das Risiko hänge sehr stark vom individuellen Kreditportfolio ab.

LBBW geht in den Krisenmodus

Als Schwachpunkt der Sparkassengruppe könnten sich damit einmal mehr die Landesbanken herausstellen. Die Bayerische Landesbank hatte Mitte Oktober bekräftigt, dass sie sich wegen der steigenden Risikovorsorge auch zehn Wochen vor Jahresende nicht in der Lage sehe, eine Prognose für ihr Ergebnis in diesem Jahr abzugeben. Wie groß die Unsicherheit ist, spiegelt sich auch im Ergebnis anderer Landesbanken: Bei der Nord LB stieg die Vorsorge für Kreditausfälle rasant von einer auf 99 Millionen Euro zum Halbjahresende. Neue Zahlen kommen hier erst Ende November. Das Spitzeninstitut aus Baden-Württemberg, die LBBW meldete zum Halbjahr einen Anstieg der Risikovorsorge von 63 auf 281 Millionen Euro und sagte noch im August ein positives Jahresergebnis voraus. Dabei waren die Autoren des Geschäftsberichts um Bankchef Rainer Neske allerdings davon ausgegangen, „dass kein landesweiter Lockdown mehr erforderlich sein wird“. Genau diese Vorhersage hat sich jetzt als falsch erwiesen, was das Ergebnis weiter belasten könnte. Intern hat die Bank bereits ihre Krisengremien wie das „Notfallcenter“ und den „Krisenstab“ aktiviert, um im Zweifelsfall schnelle Entscheidungen treffen zu können. 

oli

29.10.2020 | 11:05

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