Funken Spühen - Metallarbeiter

Die bayerische M+E-Industrie kämpft 2025 mit strukturellen Herausforderungen, doch es gibt eine erste Erholung nach langer Krise. (Foto: shutterstock)



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Bayerns Metall- und Elektroindustrie 2025: Lage bleibt angespannt – erste Erholungstendenzen erkennbar

Die Sommerumfrage von bayme vbm

Die wirtschaftliche Situation der bayerischen Metall- und Elektroindustrie war im ersten Halbjahr 2025 weiterhin von Zurückhaltung geprägt. Gleichzeitig zeigen sich laut Sommerumfrage der Arbeitgeberverbände bayme vbm erstmals wieder Anzeichen einer konjunkturellen Stabilisierung. „Die Metall- und Elektroindustrie steht noch immer unter erheblichem Druck“, erklärte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer beider Verbände, auf einer Pressekonferenz in München. Während sich die Produktionspläne im Inland wieder leicht ins Positive drehen, bleiben Investitions- und Beschäftigungspläne vorerst rückläufig. „Der Tiefpunkt scheint durchschritten – doch die strukturellen Herausforderungen sind nach wie vor deutlich spürbar“, so Brossardt.

Zuversicht kehrt zurück – aber langsam

Ein Faktor für die verhaltene Zuversicht: Der von der neuen Bundesregierung ausgelöste Stimmungsumschwung. „Entscheidend ist jetzt, dass Tempo und Entschlossenheit nicht nachlassen – nur dann wird sich diese Entwicklung auch in den harten Konjunkturzahlen niederschlagen“, betonte Brossardt. Die Sommerumfrage, die bayme vbm regelmäßig unter ihren Mitgliedern durchführen, gilt als Stimmungsbarometer für Bayerns größte Industriebranche.

Demnach bewerten inzwischen knapp 24 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut. Im Inland liegt der Saldo der Bewertungen bei –7,5 Punkten, im Ausland bei –1,3. Erstmals seit vier Jahren sind die Erwartungen für das Inlandsgeschäft wieder positiv: 36 Prozent rechnen mit einer Verbesserung, nur sieben Prozent mit einer Verschlechterung.

Produktionspläne ziehen leicht an


Besonders bei den Produktionsplänen zeigt sich eine Trendwende: Mit einem Saldo von +4,5 Punkten liegt dieser erstmals seit zwei Jahren wieder im positiven Bereich. „Im ersten Halbjahr blieb die Dynamik verhalten, für die zweite Jahreshälfte erwarten wir aber eine leichte Belebung. Insgesamt dürfte die Produktion 2025 rund ein Prozent über dem Vorjahreswert liegen“, so Brossardt.

Investitionen bleiben zurückhaltend – vor allem im Inland

Während sich die Investitionsbereitschaft leicht erholt, bleibt der Unterschied zwischen in- und ausländischen Investitionsplänen deutlich: Im Inland liegt der Saldo bei –8,3 Punkten, im Ausland bei +18,7 Punkten. „Diese Diskrepanz zeigt: Wir müssen die Standortbedingungen verbessern – durch flexiblere Arbeitszeiten und einen entschiedenen Bürokratieabbau“, forderte Brossardt.

Handelskonflikte belasten – USA im Fokus

Ein wesentlicher Belastungsfaktor bleibt der internationale Handel. Mehr als die Hälfte der bayerischen M+E-Unternehmen exportiert in die USA – und über die Hälfte dieser Betriebe war bereits direkt von Zollerhöhungen betroffen. Bei 13 Prozent kam es zu Stornierungen von Aufträgen. „Zölle und Handelsbarrieren schaden dem Wirtschaftsstandort. Die erzielte Einigung zwischen EU und USA verhindert zwar Schlimmeres, ersetzt aber keine verlässliche und offene Handelspolitik“, kommentierte Brossardt.

Beschäftigung: Abbau verlangsamt sich – Probleme bleiben

Die Beschäftigungspläne bleiben angespannt, auch wenn der Abbau sich verlangsamt. Aktuell gehen noch 17,5 Prozent der Unternehmen von einem Personalabbau aus. Bis Jahresende dürften dennoch rund 20.000 Stellen wegfallen. „Die kritische Ertragslage zwingt viele Unternehmen zu schwierigen Entscheidungen. Rund ein Fünftel schreibt Verluste, ein weiteres Viertel liegt bei einer Umsatzrendite unter zwei Prozent“, sagte Brossardt. Die Entwicklung sei auch Folge einer über Jahre vernachlässigten Industriepolitik.

 

 

 

29.07.2025 | 15:56

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