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Corona-App könnte floppen

Die regelmäßig veröffentlichten Download-Zahlen der App sind nur die halbe Wahrheit. Wie viele Menschen sie aktiv nutzen, bleibt unbekannt. In der Schweiz, wo beide Zahlen veröffentlicht werden, ist die Differenz alarmierend.

Die Zahlen über die Nutzung der Corona-Warn-App in Deutschland könnten deutlich schlechter ausfallen, als bisher errechnet. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) als Herausgeber der Informationen zur Corona-App auf Nachfrage des WirtschaftsKuriers einräumte, werden in Deutschland bisher nur die Downloads gezählt. Wie viele aktive Nutzer sich dahinter verbergen, wird vom RKI derzeit nicht erfasst. „Für konkretere Informationen bitten wir noch um etwas Geduld“, erklärte ein RKI-Sprecher.

Das Problem: Die App arbeitet nur dann effizient, wenn genügend Menschen sie auch korrekt benutzen. Je mehr Menschen in Deutschland die Corona-Warn-App auf ihrem Smartphone aktivieren, desto eher können Infektionsketten durch die Contact-Tracing-Lösung frühzeitig erkannt und unterbrochen werden. 60 Prozent aktive Nutzer gelten als Hürde, die es zu überspringen gilt, damit die App wirklich ihren Zweck erfüllt. Das RKI gibt die Zahlen regelmäßig bekannt: Sie lag am Wochenende bei rund 16 Millionen Downloads was knapp 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland entspricht.

Doch Downloads sind eben nicht gleich aktive Nutzer. Dass viele Menschen eine Corona-Warn-App zwar runterladen, sie dann aber wie eine Karteileiche behandeln und nicht nutzen, zeigt der Vergleich mit dem Nachbarland Schweiz. Bei den Eidgenossen werden vom dortigen Bundesamt für Statistik und von der zuständigen Gesundheitsbehörde regelmäßig beide Zahlen veröffentlicht: die der Downloads und die der aktiven Nutzer. Die Differenz ist beachtlich. Am Wochenende zählten die Schweitzer rund 950 000 aktive Apps bei mehr als 1,8 Millionen Downloads. Daraus wird deutlich, dass von den runtergeladenen Apps nur gut die Hälfte genutzt wird.

Aktive Nutzer werden nicht gezählt

Die Zahlen führen im Nachbarland zu einer regen Diskussion, auch nach möglichen Fehlerquellen bei der Zählung wird derzeit gesucht. Übertragen auf Deutschland bedeutete die Diskrepanz, dass nur acht Millionen aktive Nutzer unterwegs sind – und damit etwa zehn Prozent der Bevölkerung. Das RKI kennt das Problem, wann die Zahlen der aktiven Nutzer auch hierzulande ausgewiesen werden, bleibt jedoch unbekannt. „Ein genaues Datum können wir zum jetzigen Zeitpunkt leider nicht mitteilen“, heißt es aus dem Institut.

Die Statistiker in beiden Ländern geben sich dennoch entspannt. Die App sei nicht geplant gewesen, um innerhalb von Wochen schon einwandfreie Resultate zu liefern, sondern sei auf die Nutzung von mehreren Monaten ausgelegt. „Wir reden von einem Zeitraum von über einem Jahr, in dem wir diese App nutzen werden – eher noch länger“, heißt es vom Schweizer Gesundheitsamt. Allerdings sei noch „Überzeugungsarbeit“ notwendig.  

Oliver Stock

20.07.2020 | 11:23

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