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Christian Nemeth (Bild: Zürcher Kantonalbank AG)

Ist das Projekt euro doch etwas zu groß? (Bild: Fotolia / Powell83)

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Droht der EZB-Geldpolitik der Schiffbruch?

Wie lange kann das gutgehen? Die Europäische Zentralbank (EZB) möchte ihrer expansiven Politik auch 2017 treubleiben. Die in diesem Quartal erhöhte Teuerung stellt aus Sicht der Notenbank keinen Grund zur Sorge dar, da es sich um keine stabile, sich selbst tragende Aufwärtsbewegung in der gesamten Eurozone handele und auch die Konvergenz zum Inflationsziel von knapp zwei Prozent nicht erkennbar sei. Besonders in Deutschland reagiert man allerdings traditionell sensibel auf steigende Inflationsraten.

Von Christian Nemeth

Die in diesem Jahr anstehenden Wahlen in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden bergen Risiken, auch wenn die aktuelle durchschnittliche Teuerung in Europa eher unkritisch ist. Denn für die Wähler ist der europäische Durchschnittswert irrelevant, vielmehr zählt die nationale Teuerung. Besonders in Deutschland reagiert man traditionell sensibel auf steigende Inflationsraten. Und wie von der Zürcher Kantonalbank Österreich AG erwartet, zog die Inflation in der Eurozone im Dezember deutlich an. Die Privatbank geht davon aus, dass die Teuerung auch im laufenden Quartal erhöht bleibt, danach jedoch wieder sinkt. Der konjunkturelle Rückenwind hat in den vergangenen Wochen noch einmal leicht zugenommen. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, könnte unsere Wachstumsprognose von 1,5 Prozent für den Euroraum zu konservativ sein.

Europa: Nationale Teuerung wird bei Wahlen zum Thema

Entwickeln sich Wachstum und Inflation nach oben, wären das prinzipiell Argumente für einen Kurswechsel der EZB. Allerdings sieht diese weder einen wirklich stabilen Aufwärtstrend, noch sei die Konvergenz zum Inflationsziel von knapp zwei Prozent erkennbar. Diese Einschätzung lässt sich zwar nicht von der Hand weisen, sie birgt allerdings auch Risiken. Denn mit Deutschland, Frankreich und den Niederlanden stehen dieses Jahr gleich in drei wichtigen EU-Ländern Wahlen auf dem Programm. Dabei denken die Wähler nicht an europäische Durchschnittswerte, sie interessieren sich für die nationale Teuerung, die sie im täglichen Leben spüren.

Gerade Deutsche reagieren traditionell besonders sensibel auf steigende Inflationsraten. Es ist davon auszugehen, dass EU-kritische Parteien dies im Vorfeld der Bundestagswahlen thematisieren werden. Die EZB werde die weiteren Inflationserwartungen sicher mit Argusaugen beobachten, spätestens Mitte des Jahres erwartet die Zürcher Kantonalbank Österreich AG neue Spekulationen über eine Reduktion der expansiven Politik im Jahr 2018.

US-Wachstumsprognose nochmals angehoben

In den USA sind die Wahlen bekanntlich bereits geschlagen. Sollte sich die Stimmungsaufhellung bei Konsumenten und Unternehmen fortsetzen, ist auch von einer Erholung der Investitionen auszugehen. Angesichts dessen haben wir unsere Wachstumsprognose für 2017 nochmals auf 3,1 Prozent angehoben. Die ersten 100 Tage der Trump-Administration werden wohl für den weiteren Verlauf entscheidend sein. Auch für die Schweiz erwartet die Zürcher Kantonalbank Österreich AG zufriedenstellendes, nämlich leicht höheres Wachstum als im vergangenen Jahr. Darauf deuten die aktuell sehr soliden Vorlaufindikatoren sowie die sich bessernde Stimmung in der Industrie hin. Zum Jahresende 2016 näherte sich die Inflationsrate in der Schweiz der Nulllinie. Die SNB dürfte vorerst kaum Druck verspüren, restriktiver zu werden, ohne politischen Stress in Europa sind aber auch keine weiteren Leitzinssenkungen zu befürchten. Das Mittel der Wahl bleibt die Devisenmarktintervention.

Aktien: Gute Aussichten für Gewinnwachstum

Mit den globalen Aktienmärkten ging es seit der Kurskorrektur Anfang letzten Jahres überwiegend bergauf. Der Kursanstieg ist dabei, anders als in den Jahren zuvor, nicht mit einem höheren Kurs-Gewinn-Verhältnis verbunden, dieses bewegt sich seitwärts. Die Wachstumsrate steigt und ist seit August letzten Jahres wieder im positiven Bereich. Unser aktueller Konjunkturausblick spricht dafür, dass sich dieser Trend noch einige Monate fortsetzen wird. Insofern sind die Voraussetzungen für weiter steigende Aktienmärkte intakt. Das größte Risiko bleibt kurzfristig die politische Agenda in Europa. Vor diesem Hintergrund hält die Zürcher Kantonalbank Österreich AG die Übergewichtung bei Aktien aufrecht.

Christan Nemeth ist Vorstandsmitglied und Chief Investment Officer der Zürcher Kantonalbank Österreich AG.

10.02.2017 | 15:27

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