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Ende der Windkraftförderung könnte Strompreis drücken

Windkraftanlagen werden vom nächsten Jahr an weniger gefördert. Der Ausbau dieser Energieträger ist bereits ins Stocken gekommen. Profiteure sind die Stromverbraucher, denn die Energiepreise könnten sinken.

Der Strompreis hat sich seit der Jahrtausendwende mehr als verdoppelt. Über 30 Cent kostet die Kilowattsunde inzwischen für private Kunden. Ein Vier-Personen-Haushalt kommt so schnell auf 1500 Euro im Jahr, die an Stromkosten zu begleichen sind. Das ist teuer. Auch die Industrie stöhnt. Erst jüngst forderte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Holger Lösch, eine deutliche Entlastung bei den Strompreisen. Und kein Zweifel: Private Kunden wie Unternehmen können zu Recht auf Nachbarländer in Europa verweisen, wo Strom deutlich günstiger zu haben ist. Deutschland belegt in diesem unbeliebten Wettbewerb einen der nicht begehrten Spitzenplätze. Im Schnitt kostet Privatleute der Stromverbrauch in der EU ganze zehn Cent pro Kilowattstunde weniger als in Deutschland.

Wer jetzt ins Ausland umziehen will, sollte allerdings warten. Denn es kündigt sich eine Wende an. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat bereits eine Entlastung bei den Strompreisen angedeutet: „Wann, wenn nicht jetzt, ist der Zeitpunkt gekommen, den Menschen zu sagen, Energie und Stromkosten werden auch in Zukunft bezahlbar bleiben", sagte der CDU-Politiker jüngst im Bundestag, als es um Konjunkturhilfen in der Pandemie ging. Möglicherweise muss Altmaier gar nicht selbst Hand anlegen, um die Preise zu senken. Denn seine Ankündigung erfüllt sich zum Teil von allein. Ein mehr als 20 Jahre alter Beschluss der damaligen rot-grünen Bundesregierung hilft dabei. Es geht um die sogenannte EEG-Umlage – die Summe also, die auf den Strompreis aufgeschlagen wird, um erneuerbare Energien zu fördern. Diese Umlage fällt für tausende von Windkraftanlagen vom nächsten Jahr an weg.

Liberalisierung des Strommarkts gescheitert

Aus Sicht der Windkraftbetreiber und auch einiger Politiker ist das ein Problem. Kunden, die nur auf den Preis achten, können allerdings hoffen. Um zu verstehen, wieso der Wegfall von Stromproduzenten und damit ein sinkendes Angebot den Preis drücken könnte, ist ein Blick auf den deutschen Strommarkt notwendig, an dem die Kräfte der Marktwirtschaft längst ausgehebelt sind.

Eigentlich war es 1998 genau andersherum gedacht: Die Liberalisierung des Strommarkts sollte damals dafür sorgen, dass die Marktwirtschaft endlich auch in diesem Bereich Einzug hält. Doch gleichzeitig mit der Liberalisierung des Marktes und dem Aufkommen neuer Stromanbieter beschloss die Regierung unter Gerhard Schröder, Ökostrom den Vorzug zu geben. Den Erzeugern von Ökostrom wurde garantiert, dass sie ihren Strom ins Netz einspeisen können und dieser auch abgenommen wird. Mehr noch: Die Einspeisevergütung sah 20 Jahre lang einen Festpreis vor, mit dem jede eingespeiste Kilowattstunde Ökostrom besser bezahlt wird, als die auf herkömmlichen Weg erzeugte Energie.

Finanziert wird diese Garantie über die sogenannte EEG-Umlage, die die Energieversorger zahlen müssen, aber deren Kosten sie auf die Verbraucher umwälzen. Durch den rapiden Ausbau der erneuerbaren Energien, der durch Atom- und Kohleausstieg noch beflügelt wird, steigt der Anteil der garantierten Vergütungen. Die Energiewende hat damit den Strom für die Endkunden verteuert.

Börsenpreise für Strom sinken

Die Preise an der Strombörse, wo Energie wie anderswo VW-Aktien gehandelt wird, sinken dagegen häufig sehr stark ab, denn die Stromerzeugung hat mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien zugenommen. Um eine Überlastung der Netze zu vermeiden, müssen die Netzbetreiber den Strom irgendwo unterbringen. Dies geschieht meist in ausländischen Stromnetzen, wofür allerdings wiederum Kosten anfallen, denn die anderen Länder nehmen den Strom nicht ohne Gegenleistung auf. Daher kann es zu der absurden Situation kommen, dass der Beschaffungspreis an der Strombörse stark sinkt, der Endkunde aber dennoch mehr zahlen muss, weil mehr eingespeister Ökostrom auch mehr Einspeisevergütung bedeutet. Da diese in ihrer Höhe garantiert ist, liegt sie häufig über dem Marktpreis. Die Differenz zahlen die Privathaushalte über ihre Stromrechnung.

Wenn die jetzt sinkt, weil die EEG-Umlage für einige Betreiber von Windkraftanlagen nicht mehr bezahlt wird, könnten Verbraucher das als frohe Botschaft auffassen. Politiker wie der niedersächsischen Energie- und Umweltminister Olaf Lies allerdings rufen Alarm. 6000 Windenergieanlagen und damit 4,5 Gigawatt könnten allein zum 31. Dezember 2020 betroffen sein, haben die Experten der Deutschen Windguard berechnet. Bis 2026 könnten weitere 2,5 Gigawatt folgen. Niedersachsen ist das Land mit den meisten Windkraftanlagen, und damit von der sinkenden Förderung am stärksten betroffen. „Wir steuern auf eine Katastrophe zu“, sagte Lies kürzlich in einem Interview. Sein Argument: Das, was jetzt an Strom aus Windenergie wegfällt, weil die Förderung ausläuft, entspricht deutschlandweit Leistung dem Output von vier großen Kohlekraftwerken. Wenn hier nicht gegengesteuert werde, habe das Folgen für die CO-2 freie Energieversorgung, argumentiert der Wirtschaftsminister.                             

oli


27.08.2020 | 15:08

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