Anzeige
Anzeige

„Es geht darum politisch umzusetzen, was technisch möglich ist“

Haben wir die notwendige Energie für eine nachhaltige Wende? Ja, war sich die Expertenrunde auf dem Ludwig Erhard-Gipfel einig. Beim „wie“ und vor allem beim „wann“ gingen die Meinungen auseinander.

Ein Klimapaket ist verabschiedet, ein Fahrplan für den Ausstieg aus der Kohle vereinbart. Die Bundesregierung reagiert, weil sie reagieren muss. Den Klimawandel leugnen mögen manche, die Mehrheit weiß: Die Zeit, sie drängt.

„Natürlich verändert sich etwas, wenn Tausende oder Hunderttausende auf die Straße gehen. Die Demonstrationen bringen das Thema auf den Tisch“, beantwortete Michael Elbing, Oberbürgermeister von Mainz und Präsident des Verbandes kommunaler Unternehmen, die Frage von Moderatorin Carola Ferstl, die durch das Nachhaltigkeitspanel des Ludwig-Erhard-Gipfels führte. Lange hätte man den jungen Menschen vorgeworfen unpolitisch zu sein, nun engagierten sie sich und vielen sei das nun genauso wenig recht. „Ich finde es wichtig“, so Elbing. Klar sei aber auch: „Die Transformation muss gelingen, ohne unser Land zu zerreißen.“

Klaus Sedlbauer, Leiter des Frauenhofer-Instituts für Bauphysik, wies darauf hin, dass Deutschland „weltweit einen hervorragenden Ruf“ habe, Probleme in der CO2-Diskussion zu lösen. „Wir könnten noch viel mehr, aber transportieren es zu langsam“, so Sedlbauer weiter. Von einer Klimahysterie in Deutschland wollte er nicht sprechen, es sei „ein Aufwachen“. Dazu sei „volkswirtschaftlich gesehen die Energiewende günstiger, als weiterzumachen wie bisher“. Insofern schnell umgebaut wird. „Wir dürfen nicht Gürtel und Hosenträger gleichzeitig verwenden, nicht alte Systeme erhalten und ein bisschen was neues machen“, forderte Sedlbauer.

Norbert Reuter, Geschäftsführer der Stadtwerke Konstanz, die als erste Stadt in Deutschland den Klimanotstand ausgerufen hat, sagte: „Wir reden zu selten über die Mission“, die da laute: „2050 als erstes Land der Welt unseren gesamten Energiebedarf durch Erneuerbare Energien zu decken.“ Eigentlich, ergänzte Reuter nachdenklich, „müssten wir jeden Morgen motiviert aufstehen und für dieses Ziel arbeiten“. Dagegen zerhacke man sich an verschiedenen Ansätzen.

Fridays-For-Future Aktivist Jakob Blasl forderte einhundert Prozent saubere Energie für Deutschland sogar schon ab dem Jahr 2035 ein. „2050, das sind internationale Ziele, in Deutschalnd können wir das früher schaffen“, erklärte Blasl. Es gehe darum politisch umzusetzen, was technisch schon möglich sei. „Entscheidend ist, was in den nächsten zwei, drei Jahren passiert.“ Dass nun trotz vereinbartem Fahrplan zum Kohleausstieg noch ein neues Kraftwerk ans Netz soll, bezeichnete Blasl als „Skandal“. Und kündigte sogleich an: „Wir werden das Thema weiter eskalieren lassen, wenn nötig.“

Elbing sieht es weniger kritisch. Das Klimapaket sei zu recht nicht unumstritten, aber es sei nicht ganz zu leugnen, dass „Taktzahl zugenommen hat“. Dazu, sagte wiederum Sedlbauer, „sollten wir keine Verbote aussprechen. Sowohl der rein freiwillige als auch der Verbotsweg würden nicht funktionieren. „Wir brauchen ein Anreizsystem“, schloss er. Die Zeit läuft.

17.01.2020 | 09:35

Artikel teilen: