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Frank Stieler: gute Erfahrungen mit chinesischen Investoren (Bild: Stefan Groß)

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„Es ist gut, sich auf Investoren aus China vorzubereiten!“

Investoren aus China denken langfristig und stützen Unternehmen, die sie erwerben, nach Kräften – weil sie damit von den Stärken desjenigen, den sie übernommen haben, profitieren, und sie sind damit das Gegenteil von „Heuschrecken“: das ist die Botschaft, die Frank Stieler, CEO des Münchner Spezialmaschinenbauers KraussMaffei, seinen Kollegen aus dem deutschen Mittelstand übermitteln möchte. Auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel der WEIMER MEDIA GROUP in Rottach-Egern sprach Stieler mit dem Wirtschaftskurier.

Herr Dr. Stieler, können wir dem aktuellen Aufschwung, gerade auch dem an den Börsen, heute trauen?

Ich sehe uns für die kommenden Herausforderungen gut gerüstet, Wir sollten aber zu keinem Zeitpunkt unsere Aufmerksamkeit von den Märkten wenden. Vorsicht ist angesagt.

Wie sind ihre Prognosen speziell für den Maschinenbau?

Der Fundamentalbedarf für den Maschinenbau ist da, ich sehe diesen auch langfristig. Kurzfristige Störungen sind jedoch jederzeit möglich.

Was für Störungen?

Ich denke an politische Krisen in wichtigen Regionen oder an Handelsbeschränkungen, die aktuell an vielen Orten diskutiert werden.

Denken Sie dabei speziell an die USA?

Auch an die USA, aber nicht nur. Die Diskussionen zu TTIP zeigen, dass die Grundüberzeugung verloren gegangen ist, dass freier Handel notwendig ist, wenn es aufwärts gehen soll.

Das führt uns nach China. Xi Jinping hat jüngst massiv das Wort für den freien Handel erhoben und diesen angemahnt. War das leere Rhetorik?

Nein, das war keine leere Rhetorik. Das ist die Überzeugung, aus der heute in China Wirtschaftspolitik gemacht wird. Sie sehen das am Beispiel des asiatischen Handelspaktes RCEP. Hier ist ein Handelsabkommen in Asien zu erwarten, an dem sich die USA unter Donald Trump nicht beteiligen werden.

Vor ziemlich genau einem Jahr wurde Ihr Haus, also der Maschinenbauer KraussMaffei, dessen CEO Sie sind, von ChemChina übernommen. Sie haben nicht protestiert, waren nicht besorgt – warum?

Es war von Anfang klar, dass unser neuer Eigentümer langfristig denkt und handelt. Er nimmt uns nicht das Know-how, sondern er stärkt uns in unserem angestammten Geschäft, damit er durch unsere Stärke selbst gestärkt wird. Und in einem solchen Umfeld kann man sehr erfolgreich arbeiten.

Und sie waren und sind erfolgreich…

Ja! Und die beste Garantie für ein gutes Miteinander und für Freiheit gegenüber dem Eigentümer ist der Erfolg des Geschäfts.

War die Offerte von ChemChina also eine gute Lösung für KraussMaffei?

Ja, das war die beste Option. Die Chinesen haben KraussMaffei erworben, weil sie einen Weltmarktführer gesucht haben.

Vorher hätte man die als Hidden Champion bezeichnen können?

Ja, durchaus. Mit neuem Eigentümer haben wir mehr Chancen als unter allen Eigentümern zuvor.

Das „davor“ waren Private-Equity-Firmen aus den USA und Kanada…

Genau. Das waren drei anglo-amerikanische Unternehmen. Sie haben den Wert des Unternehmens erfolgreich gesteigert, aber sie konnten keine langfristige Perspektive bilden.

Ein Jahr lang gehören Sie nun zu ChemChina: Wie ist Ihre Bilanz der Zusammenarbeit mit Chinesen?

Sehr gut. Wir können nun  Chancen im chinesischen Markt besser als vorher für uns nutzen. Zusätzlich diskutieren und bauen wir seit einem Jahr gemeinsam mit den Eigentümern das Fundament einer langfristigen Strategie.

ChemChina ist also eindeutig langfristig orientiert. Die Chinesen generell auch?

China betrachtet die letzten 200 Jahre im internationalen Wettbewerb als „Betriebsunfall“ und arbeitet daran, zu den führenden Wirtschaftsnationen aufzuschließen.

Und China ist schon sehr weit auf diesem langen Marsch?

Wir haben inzwischen einen guten Einblick in die Lage in China. Dort gibt es noch viel zu tun. Viele Industrieunternehmen haben noch einen weiten Weg vor sich, bis sie in der Lage sind, im Export mitzuspielen.

Um welche Erfahrung mit Ihren chinesischen Geschäftspartnern sind Sie jetzt reicher?

Es herrschen in China großer Respekt und Wertschätzung für deutsche Unternehmen. Das spüren auch wir, dies bringt ChemChina auch uns und unseren Mitarbeitern entgegen. In unserem Unternehmen herrscht Aufbruchstimmung und Zuversicht – und keine Angst.

Ist ChemChina auf dem Weg zu einem Premiumhersteller?

Das ist ihr Ziel. Sie folgen hier der chinesischen Strategie „Made in China 2025“. Dazu akquirieren sie Weltmarktführer wie uns. ChemChina möchte diese Kompetenz in China und für den chinesischen Markt nutzen.

Ist das ein erkennbarer Trend zur Qualität in China?

Ja, das spüren wir auch in unserem operativen Geschäft. Der Trend bei Endprodukten geht klar zur Premiumqualität. Die hohen Ansprüche der Konsumenten führen zu hohen Ansprüchen an die Maschinen. Zur Herstellung von hochwertigen Premiumprodukten  braucht man gute Maschinen.

Maschinen von KraussMaffei…

(lacht) Ja.

Sehen Sie denn nicht sogar preußische Tugenden bei den Chinesen?

Das würde ich so nicht unterschreiben. Was ich aber sehe, ist, dass in China allgemein unsere deutsche Handwerkstradition allerhöchsten Respekt genießt. Heimatverbundenheit und Tradition, auch traditionelle Kunstfertigkeit im beruflichen Umfeld, stellt in China einen großen Wert dar. Derartige Tugenden sehen die Chinesen – übrigens auch in ihrem eigenen Land – als Grundlage für die industrielle und damit die wirtschaftliche Prosperität.

Wenn Sie dem Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel einen Tipp geben dürften, was er sagen oder anweisen soll, wenn der nächste Investor aus China kommt und eine Milliarde für eine Perle des deutschen Mittelstands ausgeben möchte – was würden Sie raten?

Ich glaube, dass es gut ist, sich auf Investoren aus China vorzubereiten. Wenn der Investor erst vor der Tür steht, ist nicht mehr die Zeit für politische Maßnahmen.

Herzlichen Dank, Herr Dr. Stieler, für dies Gespräch!

25.01.2017 | 11:57

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