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Förderbanken und Unternehmen: Wie Hilfestellung beim Sport. Foto: Shutterstock

Ohne die Unterstützung der staatlichen Förderbanken – von der bundeseigenen KfW bis zu den Instituten der einzelnen Bundesländern – würde so manches unternehmerische Vorhaben nicht zum Laufen kommen. (Foto: Shutterstock)

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Förderbanken: Die Hilfesteller

Im Sport würde man ihre Tätigkeit als Hilfestellung bezeichnen. In der Wirtschaft übernehmen die Förderbanken diese Funktion. Ohne ihre Unterstützung würde so manches Projekt „nicht zum Laufen“ kommen.

Die Liste der Referenzen der Firma Fendt liest sich überaus prominent. Das Unternehmen aus Haselbach bei Mindelheim ist auf den Holz-Innenausbau spezialisiert. Zu den Vorzeigeprojekten zählt die Ausstattung des Berliner Regierungsgebäudes mit dekorativem Rio-Palisander oder die Verlegung von edlen Makkassarböden im Präsidenten­palast von Usbekistan. Das „Palace“-Hotel in Gstaad überließ den Haselbachern die komplette Gestaltung seines Wellnessbereichs, und die VIP-Lounge des Berliner Olympiastadions wurde mit dunkel gebeizter Eiche von Fendt veredelt.

Der Einkauf des Rundholzes beim Forstamt, das übers Jahr für die Dielenproduktion be­nötigt wird, muss alljährlich bis ­Ende März getätigt werden. Denn dann ist die Holzsaison beendet. Um die Summe von 1 Mio. ­Euro zu schultern, unterstützte die LfA Förderbank Bayern das Unternehmen 2011 zum ersten Mal mit einem Kredit über 400 000 Euro. „Durch das Darlehen sind wir seither unabhängiger geworden und können somit günstiger und noch besser einkaufen. Wir würden jederzeit wieder mit der LfA zusammenarbeiten“, stellt Reinhardt Fendt, der das Unternehmen in der dritten Gene­ration führt, zufrieden fest. „Die Abwicklung war sehr gründlich, trotzdem superschnell und unkompliziert.“

Der Geschäftsbericht der LfA Förderbank für das Jahr 2013 enthält viele solche Erfolgsgeschichten. Zur Kernförderung der bayerischen Förderbank gehören zinsverbilligte und zinsgünstige Kredite. Dabei ermöglichen im ersteren Fall Mittel aus dem bayerischen Staatshaushalt, die zum Teil aus dem Gewinn der LfA stammen, einen Zinssatz deutlich unter dem Marktniveau. Im zweiten Fall liegt der Zinssatz am unteren Rand des Marktniveaus. Die Konditionengestaltung ist dank der niedrigen internen Kosten und eines Verzichts auf Ertragsoptimierung der LfA möglich, heißt es in dem Rechenschaftsbericht. Im vergangenen Jahr hat die LfA Darlehen in Höhe von 1,9 Mrd. Euro an Darlehen an knapp 6 300 Unternehmen vergeben.

Viele Förderangebote für Mittelständler

Ohne die Unterstützung der staatlichen Förderbanken – von der bundeseigenen KfW bis zu den Instituten der einzelnen Bundesländern – würde so manches unternehmerische Vorhaben nicht zum Laufen kommen oder der Ausbau von unternehmerischen Aktivitäten an Finanzierungshürden scheitern. Dabei können Mittelständler nicht nur auf die regionalen staatlichen Förderbanken setzen, sondern häufig auf weitere Fördereinrichtungen. In Bayern beispielsweise ist nicht nur die LfA tätig, sondern auch die LfA-Töchter BayBG Bayerische Beteiligungsgesellschaft und Bayern Kapital. Dabei hilft die BayBG vor allem bereits etablierten Firmen, ­eine neue Wachstumsstufe zu erklimmen. Ende 2013 war sie an 481 mittelständischen Unternehmen beteiligt. Bayern Kapital konzentriert sich auf die Finanzierung von Unternehmen in der Frühphase, in der Bankkredite kaum einsetzbar sind. Im Jahr 2013 hat Bayern Kapital 30 neue Beteiligungen mit einem Volumen von 10,5 Mio. Euro zugesagt. In Baden-Württemberg kümmert sich nicht nur die staatliche Förderbank, die L-Bank, um mittelständische Unternehmen, sondern auch die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg. Sie springt insbesondere dann ein, wenn Sicherheiten fehlen. Träger sind – wie auch bei der MBG Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg – Kammern, Verbände und die Kreditwirtschaft.

Mithilfe eines Kredits der L-Bank hat beispielsweise die Wittenstein bastian einen Vorzeigestandort für urbane Produk­tion in Fellbach im Ballungsraum Stuttgart errichtet. Dabei hat das Unternehmen, das Verzahnungstechnologien und Sondergetriebe entwickelt, die unter anderem in medizinischen Hightech-Geräten und in Formel-1-Rennwagen zum Einsatz kommen, in vielfacher Hinsicht Neuland betreten. Das Konzept hinter dem Neubau: Wenn Wohnen und Arbeit räumlich wieder näher zusammenrücken, verbessert sich die Gesamt-Klimabilanz. Zu Fuß zur Fabrik, lautet das Motto. Voraussetzung für solche Industrie-4.0-Ansätze sind moderne Produktionsmethoden mit geschlossenen Kreisläufen, bei denen Abfälle und Schadstoffe weitgehend vermieden und jede Form von Emissionen bis hin zum Lärm minimiert werden.

Die Energieversorgung der Wittenstein’schen Fabrik beruht weitgehend auf erneuerbaren Energieträgern. So betreibt das Unternehmen eine eigene Biogasanlage mit Mikroturbinen. Die Solaranlage auf dem Dach produziert rechnerisch so viel Strom wie 100 Haushalte verbrauchen. Gleichzeitig wird mit Energie sehr sparsam umgegangen: Abwärme aus der Biogasanlage und den Produktionsprozessen dient dazu, die Büros zu beheizen. Das Ergebnis: Die Energiekosten liegen um 35 % unter denen des zuvor genutzten Gebäudes. Und das, obwohl die Fabrik vollständig klimatisiert ist.

Manfred Wittenstein, Vorstand des Familienunternehmens, hat als ehemaliger Präsident des Verbands der Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) Gewicht in der Branche. Er zeigt sich davon überzeugt, dass Maschinenbau- und Internettechnologien künftig verschmelzen, und engagiert sich dafür, die Anwendung künst­licher Intelligenz in der Produktion verstärkt zu erforschen. „Das trägt zur Sicherung des Produktionsstandorts Deutschland bei.“

Energieeffizente Katjes-Drops

Optimierungen der Produktionsstrukturen vor allem im Hinblick auf die energetische Effizienz ist ein wichtiger Schwerpunkt der Tätigkeit aller Förderbanken – oft mit eigenen Programmen: Die NRW.Bank zum Beispiel unterstützt mit dem Effizenz-Kredit Maßnahmen zur Energieeinsparung und zur Steigerung der Energieeffizienz, zur Verringerung des Einsatzes von Rohstoffen und Wasser und zur Schließung von Stoffkreisläufen, um nur einige Punkte zu nennen.

Davon hat auch Katjes, der drittgrößte deutsche Süßwarenhersteller, Gebrauch gemacht. Am Hauptstandort Emmerich an der holländischen Grenze hat das Unternehmen sowohl die Anlage zur Abwasserbehandlung optimiert als auch eine neue Kälteanlage mit einem höheren Wirkungsgrad integriert. Damit konnte die Abwasserfracht, die ins öffentliche Kanalnetz eingeleitet wird, um ein Viertel reduziert werden. Die neuen Kälteanlagen arbeiten nicht nur mit einem klimafreundlichen Mittel, sondern haben auch bezogen auf den gleichen Stromverbrauch ­eine bis zu 172 % höhere Kälteleistung.

Bei Katjes gäbe es durchaus noch weiteres Potenzial für Verbesserungen in Sachen Ressourcenschonung und nachhaltigere Produktion. Doch das Unternehmen kann nicht alles auf einmal stemmen, sondern arbeitet sukzessive an weiteren Optimierungsschritten. Dafür werden dann vielleicht weitere Förderkredite zum Einsatz kommen.

fr

21.10.2014 | 09:37

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