Mitgründerin und Executive Vice President von AmaWaterways Kristin Karst (Bild: WMG).



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Frauen haben das erste Wort: Kristin Karst

Kristin Karst ist gebürtige Dresdnerin, lebt in Kalifornien, wo sie mit ihrem Mann Ama Waterways gegründet hat, einen Anbieter von Luxusflussfreuzfahrten weltweit. Ihre Schiffe sind auch auf Rhein und Donau unterwegs. Die Unternehmerin spricht im Montagsinterview über die Frauenquote, über den unverkrampften Umgang der Amerikaner mit dem Thema Gleichberechtigung und über Männer, die eine harte Linie fahren.
 
WirtschaftsKurier: Guten Morgen Kristin – wie war Dein Wochenende?

Kristin Karst: Es war wunderschön. Ich habe es  in Malibu verbracht, wo wir ein Strandhaus haben. In Zeiten vor der Pandemie habe ich dort nur ca. fünf Tage im Jahr verbracht, und nun fast achtzig Prozent meiner Zeit. Ich liebe ausgedehnte Strandspaziergänge und dabei die Delfine beim Spielen zu beobachten.
 
In Berlin ist heute Feiertag, weil weltweiter Frauentag ist. Sollten nicht alle Menschen heute frei haben?

Hier in USA ist der internationale Frauentag noch kein offizieller Feiertag, aber er findet schon immer mehr Beachtung. Da man hier allgemein weit weniger freie Tage hat als in Deutschland, würde ich es auch als Unternehmerin begrüβen, wenn am Frauentag nicht gearbeitet würde. So hätten die Arbeitnehmer einen Urlaubstag mehr und kämen erfrischt und motiviert an den Arbeitsplatz zurück.
 
Du bist Mitgründerin und Executive Vice President von AmaWaterways, einem weltweiten Anbieter für Flusskreuzfahrten. Ihr seid auch auf Rhein und Donau unterwegs. Wie würdest Du Deinen Führungsstil bezeichnen?


Ich setze auf Kooperation. Ich bin nicht autoritär, aber dulde auch kein laisser faire. Ich finde es auch sehr wichtig, durch gutes Beispiel zu führen. Ich erwarte von mir selbst sehr viel und daher auch von meinen Mitarbeitern. Nach meiner Erfahrung entwickeln sich Mitarbeiter am besten weiter, wenn man ihnen einen Rahmen vorgibt, innerhalb dessen sie selbst entscheiden können. Eigenständig handelnde Mitarbeiter sind einsatzfreudiger und motivierter. Wichtig ist mir auch, dass man immer nach vorn blickt. Alles ist im Fluss. „Das Leben ist wie Fahrrad fahren,” sagte schon Einstein, “um die Balance zu halten, musst Du in Bewegung bleiben.“
 
Im internationalen Vergleich ist die USA bei der Besetzung von Vorstandsposten durch Frauen schon viel weiter als Deutschland. Was läuft besser in Deiner Wahlheimat?

Es gibt hier auf jeden Fall viel weniger Bürokratie und man hat mehr Freiheiten gewisse Entscheidungen zu treffen, muss aber auch für diese einstehen. Es gibt auch historische Gründe: die Gleichstellung der Frau begann hier weitaus früher. Amerikanerinnen waren viel eher wahlberechtigt oder konnten, zum Beispiel, auch früher Auto fahren. So trauten sich Frauen dann bald auch eine berufliche Karriere zu. Ein wichtiger Faktor ist auch, dass man in den USA keine lange Elternpause kennt. Die meisten Frauen gehen spätestens drei Monate nach der Geburt wieder arbeiten und haben daher auch keinen nennenswerten Karriereeinschnitt. Das Angebot an Kinderbetreuung ist auch viel gröβer als in Deutschland, so dass es einfacher ist, Kinder und Karriere zu vereinbaren.Selbstverständlich ist es schön, wenn man in den ersten Jahren viel Zeit mit seinen Kindern verbringen kann, aber aus eigener Erfahrung weiss ich, dass es nicht auf die Quantität sondern die Qualität der gemeinsam verbrachten Zeit ankommt.
 
Aktuell diskutiert Deutschland eine Frauenquote für Vorstände. Bist Du dafür?

Grundsätzlich ja, Frauen sollten immer gleiche Chancen bekommen wenn die Qualifikation stimmt. Die Einführung einer Frauenquote darf nicht dazu führen, dass die berufliche Qualifikation zweitrangig wird.
 
Was willst Du den Männern in Führungsetagen mit auf den Weg geben?

Dass man auch ohne harte Linie erfolgreich sein kann und einen kooperative Führungsstil anstreben sollte. Das Team ist das höchste Gut in einem Unternehmen. Wenn man das Team gut anleitet, lässt es sich leicht führen und es wird immer hinter der Unternehmensleitung stehen. Wichtig ist auch, dass Frauen sich gegenseitig fördern und so ein Netzwerk schaffen, das Austausch, Unterstützung und Halt bietet. Es ist auch gut, sich mit Menschen zu umgeben, die ähnliche Werte und Einstellungen haben. Vor allem aber immer ein gutes Vorbild sein. Leading by example!

Die Fragen stellte Oliver Stock

An dieser Stelle veröffentlicht der WirtschaftsKurier stets am Montagmorgen ein Kurzinterview mit Frauen in Führungsetagen, die ihren ganz persönlichen Ausblick auf Themen geben, die sie in dieser Woche beschäftigen.

08.03.2021 | 07:06

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