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Vorurteile gegen E-Autos gibt es viele. Aber wie steht es um deren Wahrheitsgehalt? (Foto: Canetti / Shutterstock)


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Fünf Mythen zu E-Autos, die Sie vergessen können

Während der Verkauf von Autos mit herkömmlichem Antrieb ins Stocken geraten ist, steigt der Absatz von E-Autos rapide an. Doch die Vorurteile bleiben. Es wird Zeit für Klarheit.

Für Europa hat die Automobildatenbank JATO gerade die Zahlen ausgerechnet. Sie zeigen, dass der Anteil der reinen E-Autos, der Hybrid-Fahrzeuge und der Plug-in-Hybrid-Wagen im Juli auf 18 Prozent der gesamten Neuzulassungen gestiegen ist. Sie erreicht damit einen Rekordwert. Mehr Modelle, die von den Herstellern kommen, eine ausgereiftere Technik und hohe Förderprämien beim Kauf haben dazu beigetragen. Dennoch sind die Vorbehalte gegenüber der neuen Technik groß. Der WirtschaftsKurier greift die fünf häufigsten Mythen über Elektroautos auf und entlarvt sie. 

1) E-Autos werden mit umweltschädlichen Mineralien hergestellt

Hierbei geht es vor allem um Mineralien, die in den Batterien der Fahrzeuge verbaut werden. Eines davon ist Lithium, dessen Gewinnung in Minen immer wieder die Frage nach den Arbeitsbedingungen in diesen Bergwerken aufwirft. Dabei wird allerdings unterschlagen, dass es zwei Hauptquellen für Lithium gibt. Minen sind nur die eine. Die andere ist Meerwasser. 87 Prozent des Lithiums stammt aus dieser Quelle, schreibt Experte Ames Morris, der ein unabhängiges Forum über E-Mobilität betreibt, in einer Analyse. Dieses Litium wird in einem langwierigen Verdampfungsprozess gewonnen. Die Reserven für dieses Material sind damit beinahe unerschöpflich. Es wird bereits heute in Akkus für Mobiltelefone und Laptops eingebaut, ohne dass das zu Kritik geführt hat.

Ein zweites Mineral, das für die Akkuherstellung - in Telefonen wie auch bei Autobatterien -bisher gebraucht wird, ist Kobalt. Der Kobalt-Abbau in Minen wird oft kritisiert, das Material ist extrem schwierig zu gewinnen und entsprechend teuer. Es ist damit Hauptverursacher des hohen Kaufpreises von Elektrofahrzeugen – was die Hersteller längst auf den Plan gerufen hat. Tesla will deswegen bereits, ohne Kobalt in Batterien auskommen. Fast so wie bei Zucker und Cola gibt es inzwischen die ersten No-Kobalt- oder Low-Kobalt-Batterien. Morris geht davon aus, dass „die Tage des Kobalts gezählt“ sind.

Das Umwelt-Argument von jenen zu hören, die damit für den herkömmliche Motor plädieren, ist außerdem besonders fragwürdig. Die Emissionen des Verbrennungsmotors und die Schäden, die die Erdölförderung beispielsweise in den Meeren anrichtet, sind weitaus verheerender.

2) E-Autos fangen leicht Feuer

Der Rückruf eines elektrisch angetriebenen Ford Kugas wegen Feuergefahr und der Brand mehrere Tesla-Modelle schürt immer wieder den Mythos, dass Elektrofahrzeuge leicht abfackeln. Lithium-Ionen-Batterien produzieren giftige Fluoridgase, wenn sie in Flammen aufgehen, Löschkräfte brauchen eine spezielle Ausbildung, um solche Brände schnell unter Kontrolle zu bringen. Aber die Batterien brauchen erheblich länger als ein Tank mit fossilen Brennstoffen, um sich zu entzünden. Fahrer oder Fahrerin eines entsprechenden Autos haben dadurch bessere Chancen aus dem Wagen zu kommen, bevor ein Flächenbrand entsteht.

Zahlen zu Bränden sehen so aus: Die meisten E-Autos rollen bereits in China. Dort hat es bei 1,2 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2018 genau 40 Brände gegeben, was einem Brand pro 30 000 Fahrzeuge ergibt. Für die USA hat Morris Zahlen recherchiert, wonach durchschnittlich 171 500 Brände auf Autobahnen gelöscht werden müssen. Angesichts von 269 Millionen Autos im Land bedeutet das, dass eines von 1569 Autos mit fossilen Brennstoffen Feuer gefangen hat – als knapp 20-mal öfter als das E-Auto.

3) Akkus halten nicht lange

Der Smartphone-Akku verschlechtert sich nach ein paar Jahren erheblich. Aber er wird durchschnittlich alle zwei Tage aufgeladen. Die Fahrer von E-Autos laden ihre Batterie bislang allenfalls zweimal in der Woche auf. Die Haltbarkeit verlängert sich damit deutlich. Moderne Elektrofahrzeuge laden auch viel intelligenter auf: Sie füllen nur die erschöpften Zellen auf, wodurch die Last auf viele Tausend Zellen verteilt wird, aus denen der Akku besteht. Daten von Tesla-Besitzern zeigen eine um zehn Prozent gesunkene Batterieleistung, die nach rund 200 000 gefahrenen Kilometern gemessen wurde. Weil sie so lange halten, bieten die meisten Hersteller inzwischen eine Garantie für die Batterie an, die beispielsweise auf 150 000 Kilometer innerhalb von acht Jahren beschränkt ist. Wenn die Kapazität dann nicht mindestens noch 70 Prozent beträgt, gibt es kostenlos eine neue. Wenn die Hersteller nicht ihren Akkus vertrauten, würden sie diese Garantie, die sie ein Vermögen kosten kann, nicht geben.

4) E-Autos sind viel zu teuer

Etwa ein Drittel des Kaufpreises eines Elektroautos verschlingt die Batterie. Da sie eine Komponente ist, die Autos mit Verbrennungsmotor nicht brauchen, sind die E-Autos deutlich teurer. 10 000 Euro mehr werden mindestens fällig und die Leistung ist oft geringer. Dem gegenüber steht aber eine andere Rechnung: Das Tesla Model S hat derzeit beispielsweise den höchsten Restwert aller Gebrauchtwagen in Deutschland. Nach drei Jahren verliert es nur neun Prozent seines Preises. Herkömmliche Fahrzeuge werden oft mit einem schon dreifach höherem Rabatt beim Neukauf angeboten, damit sie überhaupt auf den Markt kommen können. Anschließend verlieren sie in den ersten drei Jahren bis zu 50 Prozent ihres ursprünglichen Wertes.

Dazu kommen sehr viel niedrigere Betriebskosten. Die Tankkosten liegen bei einem Drittel der sonstigen Summe, was selbst für  den Vergleich mit sparsamer Dieselmotoren gilt. Darüber hinaus verschleißt der Elektroantrieb nicht so schnell, und wird niedriger besteuert. Dies alles führt dazu, dass ein Elektroauto nach einigen Jahren Gebrauch deutlich günstiger zu Buche schlägt als ein herkömmlicher Wagen.

5) Wasserstoff ist die Zukunft

Das Wasserstoffauto ist genau genommen auch ein Elektroauto. Anstelle einer großen Antriebsbatterie ist die Energie in Form von Wasserstoff in einem Tank gespeichert, der unter hohem Druck steht. Aus dem Wasserstoff wird durch chemische Reaktionen in der Brennstoffzelle Strom produziert, der dann in einer Batterie gespeichert wird und den Elektromotor antreibt. Der Nachteil: Der Wirkungsgrad ist bescheiden, da dreiviertel der Energie bei diesem Prozess verloren gehen. Zurzeit wird noch der Großteil des verfügbaren Wasserstoffs aus Erdgas hergestellt, ein Vorgang, der viel Strom frisst. Wenn man den deutschen Strommix ansetzt, schneidet das Brennstoffzellen-Auto beim CO2-Ausstoß damit im Moment sogar schlechter ab als der Dieselmotor.                        

oli

02.09.2020 | 17:13

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