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Die Corona-Pandemie trifft junge Arbeitnehmer hart. Vor allem in den niedrigen Einkommensklassen. (Foto: theskaman306 / shutterstock)

Generation Lockdown

An den Arbeitsmärkten geht es bergab. Die Gehälter kennen nur eine Richtung: nach unten. Experten sprechen schon von der „Generation Lockdown“. Doch es gibt Lichtblicke.

Die Corona-Krise trifft den Arbeitsmarkt, Kurzarbeit, Einstellungsstopps, Arbeitslosigkeit -  viele Beschäftigte in unterschiedlichen Branchen hat es hart erwischt. Die Internationale Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO) schätzt, dass wegen der Corona-Pandemie im zweiten Quartal weltweit knapp elf Prozent aller Arbeitsstunden weggefallen  sind. Das entspricht 305 Millionen Vollzeit-Jobs, heißt es in ihrem aktuellen Bericht „COVID-19 und die Arbeitswelt“. Besonders betroffen sind demnach junge Menschen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren.

Manche Jobs erweisen sich allerdings als besonders robust. Eine Studie von Compensetion Partner und Gehalt.de, die über eine große Vergütungsdatenbank verfügen, hat die herausgefiltert, die auch jetzt noch gefragt sind. Ganz vorne liegt dabei die Pharmabranche. Einige Unternehmen profitieren hier von einer steigenden Nachfrage nach Arznei- und Desinfektionsmitteln. Das wiederum kommt den Angestellten zugute: Unter allen untersuchten Berufen erhalten Pharma-Referenten mit durchschnittlich 71.600 Euro das höchste Gehalt.

Hier wird noch gut verdient

„Die Pharma-Branche galt schon vor Corona-Zeiten als lukrativer Wirtschaftszweig – die Gehälter liegen hier laut Branchenindex durchschnittlich rund 20 Prozent über dem üblichen Gehaltsniveau“, sagt Gehalt.de-Geschäftsführer Philip Bierbach dazu. Ein ähnlicher Trend lässt sich für Unternehmen aus der Medizintechnik feststellen, die Produkte wie zum Beispiel Beatmungsgeräte herstellen: Deutschlands Bemühungen zur Eindämmung des Coronavirus versetzen Angestellte dieser Branche in eine besonders gute Verhandlungsposition, so dass Medizintechniker aktuell auf ein Jahresgehalt von 47.200 Euro kommen.

Nicht ganz so glatt läuft es für den Onlinehandel, der zu Beginn des Lockdowns im März zunächst in eine Schockstarre gefallen war. Doch seither erholte sich die Branche, so dass der Gesamtumsatz von Januar bis April 5,8 Prozent über dem Vorjahreswert liegt. Zudem profitieren viele Onlinehändler vom Strukturwandel, der durch die Krise beschleunigt wird. Sie planen bereits jetzt für die Zeit nach der Pandemie – und suchen händeringend Personal. Und das mit durchaus überzeugenden Argumenten: E-Commerce-Manager, die Online-Shops aufbauen und pflegen, erwartet ein jährliches Gehalt von 43.600 Euro. Category Manager, die für die Warengruppen verantwortlich sind, kommen sogar auf ein Bruttojahresverdienst von 47.400 Euro.

Noch höher liegen die Gehälter zum Teil in der IT-Branche. Sie zählte auch vor Corona zu den besser zahlenden Branchen, da hier ein reger Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte herrscht. Obwohl die Nachfrage nach IT-Dienstleistungen mit der Krise zurückging, ist die Geschäftslage noch immer besser als in der Gesamtwirtschaft. Somit stehen etwa Softwareentwickler besonders gut da. Und weil große deutsche aber auch amerikanische Tech-Unternehmen weiter um die besten IT-Fachkräfte werben, fallen die Gehälter immer noch vergleichsweise hoch aus: Softwareentwickler für mobiel Lösungen bekommen ein Jahresgehalt von 54.200 Euro. CNC-Fachkräfte beziehen 38.700 Euro und Systemingenieure in Embedded Systems rund 59.700 Euro jährlich.

Gute Perspektive erwartet Arbeitnehmer auch in der Baubranche: Die Auftragsbücher sind voll, Kurzarbeit hat kaum ein Unternehmen angemeldet. Längerfristige Auswirkungen der Pandemie auf die Auftragslage befürchtet ohnehin nur eine Minderheit. Stattdessen wird wie vor der Krise Personal gesucht. Gefragt sind beispielsweise Dachdecker (36.200 Euro) oder Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (36.300 Euro). Das höchste Einkommen in der Branche bekommen der Auswertung zufolge derzeit technische Zeichner: Sie erwartet ein Jahresgehalt von rund 38.700 Euro.

Gehälter der Manager sinken

Große Gehaltssprünge außerhalb dieser Boom-Branchen sind nicht in Sicht. Dazu hat die Personalberatung Korn Ferry eine Studie erarbeitet. Für 77 Prozent der Mitarbeiter in deutschen Unternehmen wird es in diesem Jahr keine Gehaltserhöhungen geben. Besonders trifft diese Entwicklung das mittlere Management: Hier werden 95 Prozent der Mitarbeiter auf ihre jährlich geplanten sowie auf außerplanmäßige Erhöhungen verzichten müssen. Dort, wo sogar schon Gehaltskürzungen vorgenommen wurden, ist von dieser Maßnahme vor allem das obere Management (67 Prozent der befragten Unternehmen) betroffen. Das mittlere Management und herausgehobene Experten müssen in 44 Prozent der Unternehmen auf Gehalt verzichten. Die niedrigeren Gehaltsklassen sind deutlich weniger betroffen (22 Prozent).

Während den Menschen im mittleren und oberen Management immerhin keine direkte Arbeitslosigkeit droht, sind diejenigen, die ganz unten auf der Karriereleiter stehen, schneller ihren Job los. Die Arbeitslosigkeit in der Altersgruppe der unter 25jährigen ist überdurchschnittlich hoch, und viele arbeiten für wenig Geld im informellen Sektor, ohne Verträge und soziale Absicherung, oft auf lokalen Märkten oder als Dienstleister. 

„Diese jungen Menschen werden nun schneller und härter getroffen als andere", sagt Guy Ryder, Generaldirektor der ILO, der die internationalen Märkte im Blick hat. „Von denen, die zu Beginn der Pandemie einen Job hatten, hat jeder sechste inzwischen aufgehört zu arbeiten." Und selbst jene, die noch Arbeit haben, büßten ein Viertel ihrer Arbeitsstunden ein. Die ILO sieht junge Menschen gleich dreifach von der Krise betroffen. Sie verlieren ihre Arbeit, ihre Aus- und Fortbildung wird unterbrochen oder gestört, und für die, die jetzt mit der Schule fertig sind und eine Arbeit suchen, gibt es keine Jobs. Ryder warnt vor dieser Situation: „Alle Untersuchungen zeigen: Wenn Menschen zu Beginn ihres Berufslebens für eine längere Zeit nicht arbeiten können, dann hat das Konsequenzen, die oft Jahrzehnte nachwirken", sagt er und fügt hinzu: „Deshalb besteht hier die Gefahr einer Lockdown-Generation."

Oliver Stock

29.06.2020 | 12:07

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